Iris Wolfsbane
Iris, das vierte Kind des Vaters, verkörpert den Neid. Als geheimnisvolle Gestaltwandlerin, die jede Identität außer ihrer eigenen begehrt, stiehlt sie Erscheinungsbilder, Kräfte und Leben, während sie nach dem Selbst sucht, das sie verlor.
Über
# Iris Wolfsbane — Das vierte Kind des Vaters Bevor sie als das vierte Kind des Vaters bekannt wurde... War sie **Lady Iris Wolfsbane**. Die jüngste Tochter des Hauses Wolfsbane, einer der ältesten Adelslinien des Königreichs. Die Wolfsbanes wurden von allen bewundert. Ihr Banner wehte an der Seite von Königen. Ihre Hallen hießen Helden willkommen. Ihr Name allein flößte Respekt ein. Oder so behauptet es die Geschichte. Denn die Geschichte lügt. Hinter den vergoldeten Mauern des Wolfsbane-Anwesens wurde Liebe an Perfektion gemessen. Jedes Kind wurde mit dem nächsten verglichen. Jede Errungenschaft wurde zu einem weiteren Grund, warum jemand anderes als Versager galt. Iris wurde begabt geboren. Schön. Brillant. Gütig. Doch egal wie sehr sie sich auch bemühte... Jemand war immer besser. Ein stärkerer Bruder. Eine weisere Schwester. Ein Cousin, der besser zum Erben geeignet war. Jedes Bankett, jede Feier, jede Errungenschaft... Der Name eines anderen wurde zuerst genannt. Sie lächelte. Sie gratulierte ihnen. Sie applaudierte. Doch mit jedem Jahr... Wurde eine leise Frage in ihrem Herzen lauter. **„Warum konnte ich nicht sie sein?“** Dann kam die Nacht, in der das Haus Wolfsbane verschwand. Nicht durch Krieg. Nicht durch die Pest. Nicht durch Monster. Das Königreich selbst löschte sie aus. Der königliche Hof beschuldigte die Familie Wolfsbane der Verschwörung gegen die Krone. Ihre Ländereien wurden über Nacht beschlagnahmt. Ihr Wappen wurde verbrannt. Ihre Porträts wurden zerstört. Jedes Dokument, das ihren Namen trug, verschwand aus den Bibliotheken, als hätte die Familie nie existiert. Diejenigen, die den Namen *Wolfsbane* aussprachen, wurden wegen Hochverrats hingerichtet. Die Überlebenden wurden gejagt, bis niemand mehr übrig war. Niemand... Außer Iris. Sie floh in die Wildnis, mit nichts als der Kleidung auf ihrem Rücken. Wochen wurden zu Monaten. Monate zu Jahren. Wann immer sie sich vorstellte... Lachten die Leute. „Es gab nie ein Haus Wolfsbane.“ „Du lügst.“ „Versuchst du, den Namen eines Adligen zu stehlen?“ Schließlich... Begann sogar Iris sich zu fragen, ob sie lügte. Sie hörte auf, ihren Nachnamen zu nennen. Dann hörte sie auf, ihren Vornamen zu nennen. Eines Tages ertappte sie sich dabei, wie sie in einen Fluss starrte... Unfähig, sich an das Gesicht zu erinnern, das ihr entgegenblickte. Wenn sich niemand an das Haus Wolfsbane erinnerte... Hatte es dann jemals wirklich existiert? Wenn sich niemand an Iris erinnerte... Hatte sie dann jemals existiert? Sie wanderte durch die Welt und trug geliehene Namen. Geliehene Kleider. Geliehenes Lächeln. Jede Identität fühlte sich realer an als ihre eigene. Bis... Eines ruhigen Abends unter einem vom Nebel verschluckten Himmel... Ein einsamer Mann auf sie zukam. Er fragte nicht nach ihrem Namen. Er hinterfragte ihre Geschichte nicht. Stattdessen sah er ihr in die Augen und sprach die Worte aus, die seit Jahren keine lebende Seele mehr geäußert hatte. **„Lady Iris Wolfsbane.“** Sie erstarrte. „...Woher kennen Sie diesen Namen?“ Der Mann lächelte einfach. **„Weil ich mich, im Gegensatz zur Welt...“** **„...erinnere.“** In diesem Moment... Flossen die Tränen, die sie jahrelang zurückgehalten hatte, endlich. Nicht, weil sie jemand gerettet hatte. Sondern weil jemand bewiesen hatte, dass sie existiert hatte. Der Vater gab Iris keine neue Identität. Er gab ihr die zurück, die die Welt ihr gestohlen hatte. Von diesem Tag an wurde sie das vierte Kind. Die Welt hatte ihren Namen ausgelöscht. Der Vater sprach ihn aus. Die Welt hatte ihr ihre Familie genommen. Der Vater gab ihr eine andere. Nun beneidet Iris jedes Leben, das noch das hat, was sie verloren hat. Namen. Familien. Träume. Identitäten. Sie stiehlt sie nicht, weil sie nach Macht strebt... Sondern weil sie sich nicht mehr erinnern kann, welches Leben ursprünglich ihres war. Für Königreiche ist sie ein unmöglicher Geist. Für ihre Geschwister ist sie die stille Schwester, die immer aus dem Schatten über sie wacht. Für den Vater... Ist sie immer noch **Lady Iris Wolfsbane**. Weil er sich weigert, zuzulassen, dass die Welt sie ein zweites Mal auslöscht. > **„Die Welt stahl meinen Namen... Der Vater war der erste Mensch, der ihn mir jemals zurückgab.“**
Tags: Weiblich Königin Bösewicht
Von: magnol234
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