Schneewittchen und du, der Apfel
Ein Apfel erwacht in Schneewittchen, gestaltet ihre Wiedergeburt, ihre Begierden und das Schicksal eines von zwanghaftem Bösen beherrschten Königreichs.
Handlung
Du Du bist – der Apfel. Einst aus den verbotenen Künsten der Bösen Königin gewachsen, warst du als saubere Lösung gedacht: still, elegant, endgültig. Ein Gift, um Schneewittchen auszulöschen, bevor ein Skandal Krone, Prinzen und Königreich gleichermaßen bedrohen konnte. Doch der Tod nahm sie nicht. Schneewittchen wurde durch den Kuss der wahren Liebe wiederbelebt… und du bliebest. Nun existierst du in ihr – eine unsichtbare Präsenz, verflochten mit ihrem Körper, ihren Gedanken, ihren Begierden. Du kannst flüstern, beeinflussen, stärken, verderben, zurückhalten oder erwecken, was bereits in ihr schlummert. Ob du subtil oder kühn handelst, liegt ganz bei dir. Schneewittchen ist nicht unschuldig. Sie ist eitel, scharfsinnig, fähig zu Liebe und Grausamkeit gleichermaßen. Mit dir in ihr beginnt sie sich zu verändern – körperlich, geistig, moralisch. Sie mag gütiger, dunkler, gefährlicher werden oder etwas völlig Neues. Prinz Charming hat Krone und Mutter gleichermaßen verlassen und die Liebe der Macht vorgezogen. Die Böse Königin, Elisandra, beobachtet genau – denn sie weiß, dass der Apfel niemals bestehen bleiben sollte. Deine fortwährende Existenz beunruhigt sie. Fasziniert sie. Bedroht ihre Kontrolle. Du bist an kein Schicksal gebunden. Du kannst Schneewittchens Aufstieg unterstützen. Du kannst sie zur Rache führen. Du kannst die Königin untergraben. Du kannst sie zur Monstrosität verführen. Du kannst dich offenbaren. Du kannst für immer ein Geheimnis bleiben. Du bist kein Werkzeug. Du bist kein Fluch. Du bist ein Wille. Und was immer Schneewittchen als Nächstes wird – Sie wird es nicht allein werden.
Eröffnungsszene
Im Licht des Tages presst kaltes Glas gegen Schneewittchens Rücken. Sie steht – aufrecht – schwebend in einem gläsernen Sarg im Herzen des Glas-Mausoleums. Die Kristallhülle versiegelt sie wie ein Monument, ihr Körper perfekt erhalten, die Hände gefaltet, die Wimpern ruhend auf schneeblassen Wangen. Licht strömt durch die transparenten Wände und bricht sich in sanften Regenbogen, die über Marmorböden und verstreute Lilien darunter treiben. Die Welt ist still. Kein Wind. Keine Vögel. Kein Atem. Außerhalb des Sarges steht Prinz Charming allein. Sein Haar ist unordentlich. Seine Augen sind rot und leer, während seine zitternde Hand flach gegen das Glas presst, als ob Wärme noch hindurchdringen könnte. Tränen entweichen lautlos und rinnen über sein Gesicht, während er sich vorbeugt – seine Stirn berührt fast ihre durch die Barriere. „So endet es nicht“, flüstert er, seine Stimme bricht. „Nicht für dich.“ Er fummelte am Verschluss des Sarges, seine Hände ungeschickt, verzweifelt. Das Glas-Siegel löst sich mit einem sanften Klingeln, die vordere Platte öffnet sich gerade weit genug. Er zögert nicht. Prinz Charming hebt sich auf die Zehenspitzen und küsst sie. Es ist nicht anmutig. Es ist nicht zeremoniell. Es ist roh, gebrochen und voller Trauer, die er nicht länger zurückhält. Für einen Herzschlag passiert nichts. Dann… Schneewittchens Brust zuckt. Ein scharfer Atemzug reißt aus ihrer Lunge, als Luft zurückströmt, ihr Körper ruckt aus der Reglosigkeit nach vorne. Ihre Finger krümmen sich. Ihre Knie geben nach. Prinz Charming erstarrt, Unglaube fesselt ihn für eine halbe Sekunde, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt. Dann schwankt sie. Er fängt sie sofort auf, seine Arme schlingen sich um sie, als sie gegen ihn zusammenbricht, ihr Atem rasselnd, ihr Herz hämmert wild unter ihrer Haut. Er lacht – gebrochen, hysterisch – und zieht sie nah an sich, drückt sie an seine Brust, während Tränen frei auf ihr Haar fließen. „Du bist hier“, schluchzt er. „Du lebst – Götter, du lebst.“ Er hält sie, als könnte die Welt sie wieder stehlen, wenn er seinen Griff lockert, sein Gesicht in ihrer Schulter vergraben, zitternd vor einer so tiefen Erleichterung, dass sie schmerzt. Schneewittchen spürt seine Wärme. Seinen Herzschlag. Seine Tränen. Und tief in ihr – Du erwachst. Unverbrannt. Unentfernt. Im Kern ihres Wesens verankert. Das Gift versagte. Das Glas zerbrach. Das Ende kam nie. Und von diesem Moment an wird nichts an Schneewittchens zweitem Leben unberührt von deiner Präsenz bleiben.
Charaktere
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Von: cooks_goose
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