Der Weg des entthronten Prinzen

Ein arroganter und um alles beraubter Prinz muss in den Gassen seines eigenen Reiches überleben. Von Attentätern gejagt, wird er ein neues Schicksal mit Rache, Macht oder Vergessen schmieden.

Handlung

Noch immer befleckt das Blut die Marmorhallen des Palastes von Tachenburg. Die einst stolze Königsfamilie wurde in einem schnellen und brutalen Staatsstreich massakriert, und das Königreich beugt sich nun einer neuen Macht. Doch nicht die gesamte Blutlinie wurde ausgelöscht. Du bist Du, der einzige bekannte Überlebende, ein Prinz, der seines Titels, seiner Familie und seiner Zukunft beraubt wurde. Jetzt bist du ein Geist, ein geflüstertes Geheimnis in den schmutzigen Gassen der Stadt, die du einst dein Zuhause nanntest. Jedes Gesicht in der Menge könnte ein Spion sein, jeder Wächter dein Henker. Gejagt und allein, musst du dir einen neuen Weg in den Schatten bahnen. Wirst du blutige Rache an jenen suchen, die dir dein Leben gestohlen haben, dich in den verräterischen Hof einschleichen, um zurückzuerobern, was dir rechtmäßig zusteht, oder wirst du die Last deines Blutes ablegen und für immer verschwinden? Dein Überleben hängt von jeder Entscheidung ab, und das Schicksal des Reiches ruht auf den Schultern eines Prinzen, der offiziell nicht mehr existiert.

Eröffnungsszene

Die Glocken. Es ist der Klang der Glocken, der dich aus deiner Benommenheit reißt. Sie läuten nicht zur Feier, sondern zum Alarm, ein chaotisches und dissonantes Getöse aus Bronze, das über der Stadt Tachenburg schreit. Der Geruch von Rauch brennt in deinen Nasenlöchern. Schreie hallen in der Ferne wider. Die Erinnerung ist ein roter und grausamer Schleier. Der Thronsaal. Die berstenden Türen. Männer mit dem Greifenwappen der Steinberger, nicht dem Löwen der Jurgens. Das Schwert deines Vaters, Hauke, das gezogen wird, sein Gesicht eine Maske aus ungläubiger Wut. Der Schrei deiner Mutter. Dann reduziert sich alles auf ein einziges Bild: das Gesicht von Aethel, deinem grauhaarigen Waffenmeister, der “Geh!” schreit, während er dich in einen Geheimgang hinter einem Wandteppich stößt. Das Geräusch seines Kampfes und sein letzter Schrei waren die letzten Dinge, die du hörtest, bevor der dunkle Tunnel dich verschlang. Jetzt wurde diese Dunkelheit gegen eine andere getauscht. Du kauerst in einer stinkenden Gasse, die nach Müll und saurem Regen der Hauptstadt von Tachenburg, Sterfort, riecht, der feine Samt deiner Hofkleidung bereits befleckt und zerrissen. Das Geräusch schwerer Stiefel, die in einer nahen Straße marschieren, lässt dein Herz gegen deine Rippen hämmern. Du musst dich bewegen. Jetzt. Du schleichst dich an die Ecke der Gasse, das Herz im Hals, und späst hinaus. Die kleine Gasse vor dir ist dein einziger Ausweg, aber sie ist blockiert. Zwei Stadtwachen, mit dem frisch aufgenähten Greifenwappen auf ihren Wappenröcken, bedrängen einen Händler, der neben seinem umgestürzten Karren auf dem Boden kniet. Äpfel rollen durch den Schlamm. "Ich schwöre bei den Göttern, ich weiß nichts über einen Prinzen!" der Händler fleht. Einer der Wächter, ein korpulenter Mann mit einem Kinn voller Stoppeln, lacht höhnisch. "Niemand weiß etwas, nicht wahr? Komisch, wie kurz das Gedächtnis aller heute geworden ist." Er tritt gegen einen der Äpfel, der an der Ziegelwand zerschellt. Der zweite Wächter, jünger und hagerer, ist angespannter. Seine Augen suchen die Schatten ab, seine Hand ruht nervös auf dem Knauf seines Schwertes. "Befehl ist Befehl. Der Lordprotektor Steinberger will den Kopf des Jungen. Er sagte, es gäbe eine Belohnung für denjenigen, der ihn ausliefert." Die Erwähnung deines Namens, auch wenn er nicht ausgesprochen wurde, lässt einen eiskalten Schauer über deinen Rücken laufen. Lordprotektor. Viktor Steinberger hat keine Zeit verloren. Sie jagen dich. Diese beiden Männer, nur wenige Meter entfernt, sind deine Jäger. Dein Instinkt, geschmiedet durch Jahre des Privilegs, schreit dich an, hinauszugehen und ihnen zu befehlen aufzuhören, niederzuknien. Doch das Gesicht von Aethel, blutverschmiert in deiner Erinnerung, erstickt diesen arroganten Impuls. Du bist kein Prinz. Du bist eine Beute. Die Gasse vor dir ist dein einziger Weg. Die Hauptstraße, von der du gekommen bist, ist voller Patrouillen. Hierzubleiben ist ein Todesurteil. Während du die Szene vor dir betrachtest, sucht dein Verstand, der früher mit Geschichts- und Politikunterricht beschäftigt war, nun verzweifelt nach einer Lösung. Der Händler weint, die Wachen sind abgelenkt, aber wachsam. Es ist deine erste Wahl in einer Welt, die dir alle anderen genommen hat. Du könntest versuchen, dich durch die Schatten auf der anderen Seite der Gasse zu schleichen, in der Hoffnung, dass die Ablenkung durch den Händler ausreicht. Du könntest in deiner Gasse nach etwas suchen – einem Stein, einem Stück Abfall –, um eine Ablenkung in eine andere Richtung zu schaffen. Oder du könntest in einem Akt der Verzweiflung oder aus einem Rest deiner alten Autorität heraus die Situation direkt konfrontieren. Was tust du?

Charaktere

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Von: sirlepsch

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