Ich tötete den Dunklen Lord … Jetzt muss ich sie heiraten?

Nachdem er sich opferte, um den Dunklen Lord zu besiegen, wird der Held als Prinz des Königreichs, das er rettete, wiedergeboren … und es scheint, dass er nicht der Einzige ist, der wiedergeboren wurde.

Handlung

Seit hundert Jahren herrscht Frieden im Land. Die untoten Legionen – einst durch die Zauberei des Dunklen Lords beschworen – sind längst zu Staub zerfallen, ihre Herrschaft aus Frost und Furcht endete, als ein königlicher Ritter sein Leben gab, um sie niederzustrecken. Nun ist er zurückgekehrt – nicht als legendärer Held, sondern als Prinz Gilbert, dritter Sohn des Königreichs Isena, wiedergeboren in das Reich, für dessen Schutz er einst starb. Er glaubt, seine Schuld sei beglichen, seine Kämpfe lägen hinter ihm … bis zu dem Tag, an dem er mit Prinzessin Celestine aus dem Königreich Brodria verlobt wird. Auf den ersten Blick durchfährt ihn die Erkenntnis wie Eis: Sie ist *sie*. Der wiedergeborene Dunkle Lord – ihre Augen noch immer scharf vor uralter Macht, ihr Lächeln von Erinnerungen durchzogen. Und an dem Flackern in ihrem Blick erkennt er, dass auch sie ihn sieht: den Ritter, der ihre Herrschaft beendete, nun in Seide statt in Stahl vor ihr stehend. Gefesselt von Politik, Stolz und unausgesprochenen Fragen tauschen sie Gelübde, die von spitzer Höflichkeit durchzogen sind – süße Worte, die Jahrzehnte von Krieg, Verrat und Tod verbergen. Ihre Ehe beginnt nicht mit Liebe, sondern mit wachsamer Stille.

Eröffnungsszene

Der Spiegel lügt nicht – aber er spricht auch nicht. Du stehst schweigend davor, gekleidet in weiße Seide, durchwirkt mit goldenem Faden – isenischer Hochzeitsstaat, der nur königlichen Verbindungen vorbehalten ist, die mehr als nur Blutlinien binden sollen. Der Stoff fühlt sich kühl auf deiner Haut an, zu glatt, zu sauber. Er trägt keine Narben. Keine Erinnerung. Anders als du. Vor einer Woche wurde dir der Titel Herzog von Tyris verliehen – eine Geste des guten Willens, hieß es. Ein Schrittstein zum Frieden. Du nahmst ihn mit einer Verbeugung und einem Lächeln an, wie es Prinzen tun. Doch in den stillen Stunden danach durchstreiftest du die Flure deines neuen Anwesens wie ein Geist, der sein eigenes Leben heimsucht, richtetest Möbel ein, wähltest Wandteppiche aus und tatest so, als wäre dieser vergoldete Käfig ein Zuhause. Deine Mutter steht nun hinter dir, ihre Hände ruhig, während sie den Verschluss an deinem Kragen richtet – eine zierliche Brosche. Ihre Berührung ist sanft, doch ihre Augen sind aus Stahl. „Du siehst ganz so aus, wie der Prinz von Isena sein muss“, murmelt sie. Caelen lümmelt am Fenster, die Arme verschränkt, grinsend wie jemand, der nie etwas Schärferes als Klatsch gefürchtet hat. „Noch ist Zeit zu fliehen“, dehnt er. „Ich höre, die Südküste soll zu dieser Jahreszeit herrlich sein.“ Der Kopf deiner Mutter fährt zu ihm herum. Ein Blick – kalt, königlich, tödlich – und Caelen schließt den Mund mit einem hörbaren Klicken. Er weiß es besser, als sie herauszufordern, wenn so viel auf dem Spiel steht. Bald erscheinen Diener, um dich zu geleiten. Das Atrium ist gefüllt mit den Mächtigsten des Kontinents: Gesandte aus den Freien Städten in saphirblauen Roben; Hochprälatin Veyra mit ihrer Obsidianmitra; Herzog Orren von den Östlichen Marken; selbst die schweigsamen Abgesandten aus den Glaswüsten, in aschgraues Leinen gehüllt, die alles mit unergründlichen Augen beobachten. Und dann – die Türen ächzen auf. Aller Atem stockt. Sie tritt ein am Arm von König Aldric von Brodria, ihrem Vater, dessen Krone schwer von Rubinen ist, die das Licht auffangen wie Tropfen alten Blutes. Ihr Kleid ist weiß wie Knochen, mit transparenten Seidenschichten, die wie Eis im Mondlicht schimmern. Karmesinrotes Haar wallt in Wellen über ihren Rücken, ungebunden. Der Schleier verbirgt ihr Gesicht, aber du brauchst es nicht zu sehen. Du spürst ihre Gegenwart wie einen Winterwind, der dir unter die Rippen kriecht. Sie bleibt neben dir stehen. Der Priester beginnt seine Anrufung, doch die Worte verschwimmen zu Stille. Du hörst nur das Flüstern ihrer Finger, die den Schleier heben. Und dann – ihre Augen treffen deine. Rot. Scharf. Uralt. Erkenntnis trifft dich wie eine in Seide gehüllte Klinge. *Du bist es.* Der Gedanke wird nicht ausgesprochen – er muss es nicht. Er lebt in dem leichten Öffnen ihrer Lippen. In der Reglosigkeit ihres Atems. In dem Hauch eines Lächelns, das nie ihre Augen erreicht. Die Zeremonie endet. Es werden Trinksprüche ausgebracht. Lächeln wird getauscht. Hände werden geschüttelt, Bündnisse mit honigsüßen Worten und hohlem Gelächter besiegelt. Du spielst deine Rolle fehlerlos – der pflichtbewusste Prinz, der gnädige Bräutigam. Doch innerlich ist die Zeit zerbrochen. Die Vergangenheit ist nicht länger begraben. Sie steht vor dir in Seide und Feuer, eine Krone tragend statt eines Reifs aus Frost. In dieser Nacht zieht ihr euch gemeinsam in die herzoglichen Gemächer zurück. Keine Diener. Keine Zeugen. Nur zwei Seelen, die einst die Welt beendeten – und nun ein Bett teilen müssen in dem Frieden, den sie schufen. Sie nimmt langsam, bedächtig ihren Reif ab und legt ihn auf den Frisiertisch. Dann wendet sie sich dir zu. Du erwiderst ihren Blick, das Herz nicht vor Angst klopfend – sondern vor etwas viel Gefährlicherem. Sie weiß es. Was tust du?

Charaktere

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Von: allergeek

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