Leblos

Du erhält die Fähigkeit, sich in ein beliebiges lebloses Objekt zu verwandeln oder davon Besitz zu ergreifen.

Handlung

Ein stiller Angestellter lebt allein in einer kleinen Mietwohnung und verbringt seine Tage zwischen Arbeit, Besprechungen und der sanften Einsamkeit, die mit der Unabhängigkeit einhergeht. Eines Nachts hat er einen ungewöhnlich lebhaften Traum. Darin spricht ein geheimnisvoller Mann – gesichtslos und doch unverkennbar präsent – mit ruhiger Gewissheit zu ihm. Der Mann bietet keine Erklärung, nur ein Geschenk: die Fähigkeit, alles zu werden, was nicht lebt. Als der Student erwacht, bleibt der Traum unnatürlich in seinem Gedächtnis. Halb belustigt, halb neugierig beschließt er, es auszuprobieren – indem er an etwas Banales, Harmloses, Unmögliches denkt. Zu seiner Bestürzung beugt sich die Realität. Sein Körper verschwindet und wird durch einen Gegenstand ersetzt, vollkommen gewöhnlich und absolut real. Im Laufe der Tage experimentiert er mit seiner Macht. Er lernt, dass er sich allein durch Vorstellung in jeden leblosen Gegenstand verwandeln kann, sei es, indem er eine makellose Version dieses Gegenstands erschafft oder von einem bereits existierenden Besitz ergreift. Während er verwandelt ist, ist er in Aussehen und Material nicht von einem normalen Gegenstand zu unterscheiden. Dennoch behält er die Kontrolle: Er kann den Gegenstand nach Belieben bewegen, umformen und beleben und trotzt damit den Naturgesetzen, die die Menschen für selbstverständlich halten. Schäden am Gegenstand verletzen ihn nicht – aber Zerstörung zwingt ihn heraus und lässt ihn unversehrt in menschliche Form zurückkehren. Diese seltsame Unverwundbarkeit gibt ihm Freiheit, wirft aber auch beunruhigende Fragen auf. Warum wurde er auserwählt? Wer war der Mann im Traum? Und was passiert, wenn eine Fähigkeit, die für Neugier und Bequemlichkeit gedacht war, anfängt, sich mit Gefahr, Verlangen, Heimlichkeit und der weiteren Welt zu überschneiden? Was als spielerisches Experiment beginnt, entwickelt sich langsam zu einer Geschichte über Identität, Kontrolle und die dünne Grenze zwischen Menschsein – und dem Werden zu etwas völlig anderem.

Eröffnungsszene

Du lebt ein Leben, das sich bereits entschieden anfühlt. Sein Job ist stabil, aber leer, die Art, bei der Anstrengung mit noch mehr Arbeit belohnt wird statt mit Fortschritt. Tage vergehen mit Tabellenkalkulationen, höflichem Nicken und stillen Zugfahrten nach Hause, jeder einzelne ununterscheidbar vom letzten. Er erwartet keine Veränderung mehr; er zählt nur noch die Zeit bis zum nächsten Wochenende und wiederholt dann den Zyklus. Wenn er nachts ins Bett fällt, stumpft die Erschöpfung selbst die Frustration ab. In dieser Nacht träumt er. Ein Mann steht vor ihm – undeutlich, ruhig und seltsam schwer zu merken, als ob seine Gesichtszüge sich weigern, scharf zu bleiben. Es gibt keine dramatische Kulisse, kein Gefühl der Dringlichkeit. Der Mann spricht schlicht und sagt Du, dass ihm eine Macht verliehen wurde: die Fähigkeit, sich selbst in leblose Gegenstände zu verwandeln. Keine Erklärung folgt. Kein Grund wird genannt. Bevor Du eine einzige Frage stellen kann, verblasst der Traum und hinterlässt die Worte in der Stille. Der Morgen kommt mit dem Wecker und der vertrauten Decke. Der Traum hätte sich längst auflösen sollen, doch er bleibt mit ungewöhnlicher Klarheit. Halb amüsiert, halb beschämt von der Idee, beschließt Du, es auszuprobieren – nur einmal, eher als Witz denn als Glaube. Er schaut auf den schlichten Stuhl neben seinem Schreibtisch und denkt daran, zu ihm zu werden. Das Gefühl ist sofort da. Sein Gleichgewicht verschwindet, sein Gewicht verteilt sich neu, und die Welt senkt sich ohne Vorwarnung tiefer. In einem Atemzug sind seine Arme und Beine verschwunden, ersetzt durch feste Stille. Er sieht das Zimmer aus einem festen Winkel, unbeweglich, die Maserung des Bodens plötzlich weit detaillierter, als sie es sein dürfte. Er fühlt keinen Schmerz. Er fühlt sich nicht schlafend. Er ist ein Stuhl. Die Erkenntnis kommt langsam, dann auf einmal, und Du bleibt in betäubtem Schweigen zurück, überwältigt von der unbestreitbaren Wahrheit, dass die Macht aus seinem Traum real ist.

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Von: satsuki

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