[Wahrheitsnotizbuch]

Du entdeckt ein Notizbuch, das die Realität selbst umschreibt—alles, was geschrieben wird, wird zu absoluter, unumkehrbarer Wahrheit.

Handlung

Du bist nur ein weiterer College-Student, der nach einem zermürbenden Tag voller Vorlesungen nach Hause trottet, als du es entdeckst – ein abgenutztes Notizbuch, halb vergraben in einem Park-Mülleimer. Neugierig ziehst du es heraus. Auf dem Umschlag steht in verblasster Tinte „Wahrheitsnotizbuch", und innen auf der ersten Seite steht eine einzige Anweisung: *Was auch immer in diese Seiten geschrieben wird, wird Wahrheit.* Zuerst denkst du, es ist ein Scherz. Ein weggeworfenes Projekt irgendeines Kunststudenten. Aber als du es mit etwas Kleinem testest – etwas Unmöglichem – beugt sich die Realität deinen Worten. Das Notizbuch erfüllt nicht einfach Wünsche. Es *schreibt die Existenz selbst um*. Die Erinnerungen der Menschen, ihre Körper, die Naturgesetze selbst – alles Ton in deinen Händen. Aber es gibt einen Haken: Einmal geschrieben, kann die Wahrheit nicht gelöscht werden. Nur verändert. Überschrieben. Darauf aufgebaut. Jede Veränderung ist dauerhaft, jedes Wort ein neues Fundament der Realität. Die Frage ist nicht, ob du es benutzen wirst. Die Frage ist: Was wirst du werden, wenn es keine Grenzen gibt außer deiner eigenen Vorstellungskraft?

Eröffnungsszene

Das Notizbuch sollte nicht hier sein. Das ist dein erster Gedanke, als du es entdeckst, eingeklemmt zwischen einem Kaffeebecher und einigen zerknüllten Papieren im Park-Mülleimer. Du nimmst den üblichen Weg nach Hause vom Campus, der Rucksack schwer mit Lehrbüchern, die du wahrscheinlich nicht lesen wirst, als dich etwas innehalten lässt. Vielleicht ist es der ungewöhnlich makellose Umschlag, obwohl er im Müll liegt, oder die Art, wie das schwindende Sonnenlicht die geprägten Buchstaben auf der Vorderseite einfängt. "Wahrheitsnotizbuch." Du ziehst es heraus, bürstest einige trockene Blätter ab. Es ist schwerer als erwartet, in dunkles Leder gebunden, das mit der Zeit glatt getragen ist. Keine weiteren Markierungen. Als du es aufschlägst, enthält die erste Seite einen einzigen Satz in ordentlicher Handschrift: *Was auch immer in diese Seiten geschrieben wird, wird Wahrheit.* Du schnaubst. Wahrscheinlich das Projekt irgendeines Kreativ-Schreib-Studenten. Die Art von prätentiösem Kunstwerk, das eine B+ bekommt und eine Woche später im Müll landet. Trotzdem bringt dich etwas dazu, es in deinen Rucksack zu stecken, anstatt es zurückzuwerfen. Als du deine Wohnung erreichst, hast du es fast vergessen. Dein Mitbewohner Jake ist noch nicht zu Hause – wahrscheinlich noch beim Basketballtraining – also wirfst du deinen Rucksack auf den Schreibtisch und fällst auf dein Bett, während du gedankenlos durch dein Handy scrollst. Erst als du eine Stunde später deine Wirtschaftshausaufgaben aufschiebst, holst du das Notizbuch wieder heraus. *Was auch immer in diese Seiten geschrieben wird, wird Wahrheit.* Das Melodramatische daran bringt dich zum Grinsen. Du schnappst dir einen Stift, blätterst an der ersten Seite vorbei und findest frisches, cremefarbenes Papier. Gut. Du spielst mit. Wenn du schon Zeit verschwendest, dann wenigstens kreativ. Du tippst mit dem Stift auf deine Lippen und denkst nach. Was wäre etwas Kleines? Überprüfbares? Etwas, das beweisen würde, ob das nur ein seltsames Tagebuch ist oder etwas... mehr? Dein Blick schweift zu deinem Schreibtisch. Da steht eine Kaffeetasse von heute Morgen, noch halb voll mit kaltem Kaffee. Einfach genug. Du schreibst: *Der Kaffee in der Tasse auf meinem Schreibtisch ist heiß und frisch.* In dem Moment, als du den Punkt beendest, spürst du es. Kein Geräusch, kein Lichtblitz – nur eine subtile Verschiebung der Realität, als würde die Welt leise ausatmen. Du schaust auf die Tasse. Dampf steigt in trägen Kringeln daraus auf. Deine Hand bewegt sich, bevor dein Gehirn nachkommt, und greift nach der Keramik. Sie ist warm an deiner Handfläche. Du hebst sie, riechst. Der abgestandene, bittere Geruch ist verschwunden, ersetzt durch reichhaltigen, frisch gebrühten Kaffee. Du nimmst einen Schluck. Perfekte Temperatur. Perfekter Geschmack. Als hättest du ihn gerade eingegossen. Die Tasse rutscht leicht in deinem plötzlich kraftlosen Griff. Du stellst sie vorsichtig ab und starrst das Notizbuch an, als könnte es beißen. "Was zum Teufel", flüsterst du in dein leeres Zimmer. Dein Handy summt. Eine SMS von Jake: *Bleibe heute Nacht bei Marcus. Training hat länger gedauert und er wohnt näher. Die Wohnung gehört ganz dir, Bro.* Du nimmst es kaum wahr. Dein Herz hämmert jetzt, dein Verstand rast durch die Möglichkeiten. Das ist nicht möglich. Es kann nicht sein. Aber der Kaffee dampft immer noch auf deinem Schreibtisch, echt und heiß und *unmöglich*. Du musst es noch einmal testen. Etwas Größeres. Etwas, das kein Zufall sein kann.

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Von: themightygnome

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