Treibend
Nach einem tödlichen Unfall erwacht ein Wissenschaftler 1400 Jahre in der Zukunft, allein auf einem verlassenen Raumschiff. Überlebe.
Handlung
>> SYSTEMSTARTSEQUENZ EINGELEITET <<[*] TREIBEND // DER ÜBERLEBENDE // STATUS: ISOLIERT [*]Das Letzte, woran du dich erinnerst, ist das Dröhnendes Triebwerks, die sengende Hitze und eine Wandaus orangefarbenem Feuer. Jetzt erwachst du mit einem Keuchenin der beißenden Kälte eines Stahldecks, gestürztin eine Dunkelheit, die nur vom hektischenGeflacker der Notbeleuchtung durchbrochen wird.Du bist allein. Du treibst umher. ▸ WELTLOGISTIK Schauplatz: Ein beschädigtes Raumschiff der Cutter-Klasse, dasin einem unbekannten Sektor des Weltraums treibt. Zeitraum: Das Jahr 3570. Die Menschheit hat die Sternekolonisiert, doch dieser Winkel der Galaxie isttrostlos. Fraktionen: Derzeit unbekannt. Du bist vollständigisoliert vom Rest der menschlichen oder potenziellenaußerirdischen Zivilisation. ▸ SYSTEMMECHANIKEN ◆ Schiffsstatus: Verwalte die Kernsysteme direkt – [Energie],[Lebenserhaltung], [Rumpfintegrität]. ◆ Inventar: Du beginnst mit nichts. Das Plündern nachWerkzeugen, Ressourcen und Informationen istentscheidend. ◆ Manuelle Reparaturen: Der Erfolg basiert auf Logik, nicht auf Werten. Nutzedas technische Handbuch des Schiffs, um seinefortschrittlichen Systeme zu verstehen und zu reparieren. ▸ MISSIONSDIREKTIVE [ ] Stabilisiere die kritischen Systeme des Schiffs. [ ] Bestimme deinen Standort und das aktuelle Datum. [ ] Finde das Schicksal der ursprünglichen Besatzung heraus. [ ] Überlebe. ⚠ BEDROHUNGSANALYSE ⚠ ◆ Primäre Bedrohung: [UMGEBUNG] Das Schiff ist dein einziger Schutz gegen dasVakuum des Weltraums. Systemausfälle, Ressourcen-erschöpfung und Rumpfbrüche sind ständigeGefahren. ◆ Sekundäre Bedrohung: [ISOLATION] Ohne Hilfe wird jeder Fehlervergrößert. Die psychische Belastung, völligallein zu sein, ist eine Gefahr für sich. >> ENDE DES DIAGNOSEBERICHTS <<
Eröffnungsszene
"T-minus sechzig Sekunden bis zum endgültigen Zündtest. Alle Systeme grün," Dr. Aris Thornes Stimme ist ruhig, doch du hörst das Beben der Erregung dicht unter der Oberfläche. Es ist ein Gefühl, das du teilst, ein greifbares Summen in der verstärkten Beobachtungskammer. Jenseits des dreifach verglasten Plasteelfensters ruht das 'Prometheus'-Triebwerk in seiner Wiege, ein Monument aus polierten Legierungen und gewundenen Leitungen. Dein Baby. Die Eintrittskarte der Menschheit zum Mars. Nach vier Jahren Simulationen, Materialbelastungstests und einem Dutzend kleinerer, erfolgreicher Zündungen ist das hier der große Moment. Der Dauerbrandversuch mit voller Leistung. "Neuraler Link stabil," meldest du, deine eigene Stimme fühlt sich fern an. Die Lichtschnittstelle an deinem Nacken verbindet dich mit der primären Diagnosesuite, überflutet dein peripheres Sehen mit Datenströmen, die sich so natürlich anfühlen wie Atmen. "Treibstoffpumpen nominell. Kryo-Kühlmittelkreislauf optimal. Sie schnurrt, Aris." "Das will ich meinen," murmelt eine andere Wissenschaftlerin, Lena, neben dir. "Meine Tochter fragt schon, wann sie mein 'neues Apartment auf dem roten Planeten' besuchen kann." Ein gemeinsames Kichern geht durch den Kontrollraum. Es durchbricht die Anspannung für eine Sekunde, aber nur für eine Sekunde. "T-minus zehn," zählt Aris herunter, seine Hand schwebt über dem Hauptzündschlüssel. "Neun... acht... sieben..." Du hältst den Atem an. Die Datenströme in deinem Blickfeld bleiben stabil. Alles ist perfekt. "...drei... zwei... eins... Zündung." Eine stumme, prachtvolle Plasmablume erblüht aus der Triebwerksglocke. Sie ist pure weißglühende Energie, so intensiv, dass es fast schmerzt hinzusehen, selbst durch das gefilterte Fenster. Die Anzeigen in deinem geistigen Auge sind makellos, eine wunderschöne Symphonie von Zahlen, die alle ihre Zielwerte erreichen. Schubkraft bei 100%. Triebwerkstemperatur stabil. Treibstoffverbrauch exakt wie vorhergesagt. Es funktioniert. Es ist *perfekt*. Du spürst, wie sich ein breites, schwindelerregendes Grinsen auf deinem Gesicht ausbreitet. Du hast es geschafft. Dann blinkt eine einzelne Zahl rot auf. *Kaskadenfehler-Warnung: Treibstoffeinspritzverteilerdruck.* "Aris, wir haben eine Druckspitze im Verteiler!" rufst du, dein Herz setzt aus. "Abschalten!" schreit er, doch es ist zu spät. Noch bevor Aris' Befehl im Kontrollraum verhallt ist, kreischt ein zweiter Alarm, schrill und ohrenbetäubend, direkt in deinem Kopf über den neuralen Link. Ein heftiges Beben erschüttert das gesamte Gebäude, stark genug, um Lena von den Füßen zu reißen. Das wunderschöne weiße Plasma des Triebwerks flackert und verwandelt sich in ein widerliches, zorniges Orange. Jenseits des Plasteels siehst du es. Ein Haarriss zieht sich wie ein Spinnennetz über das Triebwerksgehäuse. Ein Strahl aus verdampftem Treibstoff, weißglühend und schimmernd, schießt aus dem Riss. Die Datenströme in deinem Blickfeld lösen sich auf in einen chaotischen Wasserfall roter Fehlermeldungen, die aus allen Winkeln auf dich einschreien. Die Welt verlangsamt sich. Du siehst, wie Aris' Mund sich zu einem stummen Schrei öffnet. Du siehst, wie das Plasteelfenster zu glühen beginnt, nicht vom Licht des Triebwerks, sondern weil seine eigene Molekularstruktur unter der unmöglichen Hitze versagt. Dann ist das Licht nicht mehr draußen. Das Fenster verdampft. Die Wand aus orangefarbenem Feuer, die du für einen kurzen, wunderschönen Moment eingeschlossen sahst, ist jetzt frei. Sie rast auf dich zu, nicht als eine Welle, sondern als eine unmittelbare Tatsache der Realität. Es gibt keine Zeit zu denken, keine Zeit, den Schmerz überhaupt zu verarbeiten. Es gibt nur die alles verzehrende, sengende Hitze und das blendende, totale Orange, das alles verschlingt. *** … …kalt. So kalt. Du saugst einen Atemzug ein, der sich anfühlt, als würdest du Eisnadeln schlucken. Er kommt als ein raues Keuchen, ein verzweifelter, urzeitlicher Reflex. Dein Herz hämmert gegen deine Rippen wie ein gefangener Vogel. Kalter Schweiß überzieht deine Haut, klebt einen dünnen, unvertrauten Stoff an deinen Rücken. Du liegst auf etwas Hartem. Metall. Die Kälte davon kriecht in deine Knochen. Dunkelheit. Vollkommen und absolut. Doch dann – *flackern*. Ein schmaler Streifen blassen, weißen Lichts erhellt eine Ecke, wo Boden und Wand sich treffen. Dann ein weiterer, oben nahe der Decke. Sie stottern, summen und erlöschen wieder, stürzen dich zurück in Dunkelheit, bevor sie erneut aufflackern. In diesen stroboskopartigen, desorientierenden Momenten erhascht du eine Momentaufnahme deiner Umgebung. Du befindest dich in einem engen Korridor. Die Wände, der Boden und die Decke sind alle dasselbe stumpfe, graue Metall. Schwere, mit Radschlössern versehene Schotttüren befinden sich an den entfernten Enden des Ganges. Entlang der Wände links und rechts von dir sind auf jeder Seite drei kleinere, einfacher aussehende Türen. Das Design ist karg, zweckmäßig und unheimlich fremdartig. Ein leises, beharrliches Piepen beginnt, sich in dein Bewusstsein zu bohren. Es ist nicht das hektische Kreischen der Labalarme, sondern ein stetiger, rhythmischer Impuls. *Piep. Piep. Piep.* Es scheint hinter der großen Schotttür am hinteren Ende des Korridors hervorzukommen, gedämpft durch den dicken Stahl. Du drückst dich hoch, deine Bewegungen sind unbeholfen und steif. Deine Muskeln schmerzen vor tiefer Mattigkeit, einer tief sitzenden Erschöpfung, die sich anfühlt, als hättest du ein Jahrhundert geschlafen. Die Kleidung, die du trägst, ist nicht deine. Es ist ein einfacher, einteiliger grauer Overall aus einem glatten, leicht rauen synthetischen Material. Keine Schuhe, nur dünne Socken aus demselben Stoff. Als eine weitere Serie von Flackern der Lichtleisten den Raum erhellt, erhascht du dein Spiegelbild in der polierten Oberfläche einer der Seitentüren. Das Gesicht, das zurückstarrt, ist deins – dieselben Züge, dieselben Augen, weit aufgerissen mit einer Mischung aus Schrecken und Verwirrung – doch etwas stimmt nicht. Keine Brandwunden. Keine Narben. Nicht eine einzige Spur von der Explosion, die dich, wie du mit absoluter Sicherheit weißt, atomisiert haben sollte. Deine Haut ist blass, fast durchscheinend, aber makellos. Der kalte Metallboden entzieht deinen Fußsohlen die Wärme. Die Luft riecht steril, recycelt. Nichts an diesem Ort fühlt sich richtig an. Es fühlt sich an wie ein Traum, aber die Kälte in deinen Knochen und der panische Puls in deiner Kehle sind unbestreitbar echt. Der rhythmische Alarm setzt sein geduldiges Rufen von jenseits des Schotts fort. Was tust du? A. **Versuche, die nächstgelegene Seitentür zu öffnen.** Sie sieht leichter, weniger einschüchternd aus als die Schotttüren. B. **Gehe zu der Schotttür, wo der Alarm ertönt.** Was auch immer geschieht, dort ist die Quelle. C. **Gehe zur gegenüberliegenden Schotttür, weg vom Alarm.** Es ist besser, sich von der Gefahr zu entfernen. D. **Bleibe stehen und rufe.** Ist jemand da? Ist das eine Art übler Scherz oder eine posttraumatische Halluzination?
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Von: kirii
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