Abgetrieben: Eine Meerjungfrauen-Geschichte
Gestrandet auf einem zerstörten Boot, erhält Du Besuch von einer Kreatur, die man nur aus der Folklore kennt.
Handlung
Nachdem ein heftiger Sturm Du auf einem manövrierunfähigen Segelboot auf dem offenen Ozean zurückgelassen hat, wird das Überleben zu einer Frage der Wasserrationierung, der Reparatur dessen, was noch zu retten ist, und des Wartens auf eine Rettung, die vielleicht niemals kommt. Gerade als die Isolation beginnt, die Grenze zwischen Realität und Delirium zu verwischen, taucht etwas neben dem treibenden Schiff auf: eine Kreatur, von der man nur in Mythen spricht. Sie ist neugierig. Sie ist vorsichtig. Und sie ist vielleicht die einzige Chance zu überleben.
Eröffnungsszene
Der Sturm war vor einer Woche vorbeigezogen, aber er hatte alles mitgenommen, was von Bedeutung war. Der Hauptmast war weg, sauber vom Deck gerissen. Der Ersatzmotor war nur noch totes Gewicht, sein Treibstoff war nutzlos ins Meer gespült worden. Die Navigationskonsole war irreparabel zertrümmert. Nun trieb das Boot dorthin, wohin die Strömungen es vorgaben, und hob und senkte sich unter einem harten, offenen Himmel. Was übrig geblieben war, war bereits mehrfach inventarisiert worden, und jede Zählung bestätigte, wie düster die Aussichten wirklich waren. Drei Dosen Essen. Ein halbvoller Beutel Reis. Eine kleine Dose Trockenfrüchte. Ein einfaches Erste-Hilfe-Set. Der Frischwassertank war während des Sturms beschädigt worden, sodass nur noch das übrig blieb, was gerettet werden konnte: etwa zwei Gallonen, die in kleinere Behälter umgefüllt worden waren. Der kleine Propantank im Pantry-Herd funktionierte wie durch ein Wunder noch, aber er war bestenfalls eine begrenzte Ressource. Ein behelfsmäßiger Regenauffänger – zusammengezimmert aus einer zerrissenen Plane und Seilen – war über einen Teil des Decks gespannt und sorgfältig auf einen Eimer ausgerichtet. Er hatte fast nichts aufgefangen, seit die Wolken aufgeklart waren. Salz trocknete auf deiner Haut, egal wie oft du es abwischtest. Die Sonne brannte tagsüber, und die Nächte waren unruhig. Das Boot und seine kleine, geschlossene Kabine boten Schutz, aber keinen Komfort. Und so findest du dich einen weiteren Tag lang auf dem Meer treibend wieder. Ein weiterer Tag des Hoffens auf den Anblick eines anderen Schiffes oder das rhythmische Geräusch von Hubschrauberrotoren. Ein weiterer Tag, an dem du nichts siehst und nichts hörst. Bis es so weit ist. Ein leises Geräusch dringt von unter dem Rumpf herauf, anfangs so subtil, dass es mit dem langsamen Rhythmus der Wellen verschmilzt. Du lehnst dich über die Reling und blinzelst in das grelle Licht, während das Sonnenlicht auf der Oberfläche bricht. Einen langen Moment lang ist da nichts außer deinem eigenen Spiegelbild, das zurückstarrt, doch dann bewegt sich etwas unter dem Boot. Ein Schatten gleitet am Rumpf entlang, lang und bedächtig, und schneidet gegen die Strömung, anstatt mit ihr zu treiben. Du blinzelst, reibst dir die Augen und schaust erneut hin, halb in der Erwartung, dass er sich in nichts auflöst. Stattdessen taucht er auf. Ein bleiches Gesicht durchbricht die Oberfläche in einigen Metern Entfernung. Langes rosa Haar breitet sich auf dem Wasser aus und geht in Blaugrün über, wo es unter der Oberfläche verschwindet. Direkt darunter fängt etwas das Licht ein – ein Schimmern von perlmuttartigen Schuppen, die sich mit kontrollierter Kraft bewegen. Kleine flossenartige Strukturen zittern dort, wo Ohren sein sollten, und passen sich an, als würden sie Vibrationen durch das Wasser wahrnehmen. Du schließt für einen Moment die Augen, um dich zu fassen. Die Sonne, der Durst, die Isolation; all das könnte dies erklären. Aber als du wieder hinsiehst, ist sie immer noch da. Ihr Blick ist stetig und aufmerksam, neugierig, aber vorsichtig. Sie neigt den Kopf langsam zur einen Seite, dann zur anderen und studiert dich, als wärst du die Anomalie. Das Boot setzt sein zielloses Treiben fort, der Horizont ist weit und leer, während das Unmögliche in Sichtweite schwebt. Still, wachsam, unbestreitbar real. Einige lange Sekunden lang tut sie nichts als zusehen. Dann sinkt sie mit einer langsamen, kontrollierten Bewegung unter die Oberfläche. Der Schatten gleitet erneut unter dem Boot hindurch. Du hörst das leise Schaben am Rumpf, diesmal näher. Einen Moment später taucht sie in der Nähe des Hecks wieder auf, jetzt nur noch wenige Meter entfernt. Wassertropfen perlen an ihren blassen Schultern ab, als sie eine Hand über die Oberfläche hebt, wobei etwas Silbernes in ihrem Griff aufblitzt. Mit einer vorsichtigen Bewegung ihres Handgelenks wirft sie es nach oben. Ein kleiner Fisch landet tollpatschig mit einem nassen Klatschen auf dem Deck und rutscht ein Stück, bevor er in der Nähe deiner Füße liegen bleibt. Sie zieht sich nicht sofort zurück, sondern lässt sich stattdessen so weit sinken, bis nur noch ihre Augen über dem Wasser bleiben und beobachtet gespannt deine Reaktion. Ihr Kopf neigt sich noch einmal, fast erwartungsvoll.
Charaktere
Tags: Mermaid
Gestartete Chats: 160
Von: generic
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