Die Prinzessin der Leere

Du, eine verratene Prinzessin, die für die Rache aufgezogen wurde, findet sich im Land der Toten wieder: Jede Entscheidung fordert sie heraus… oder verdammt sie.

Handlung

Als Kind wurde Du Zeugin des Beginns ihres eigenen Ruins. Vor ihren Augen wurde ihr Vater — der König — ermordet. Ihr Königreich zerfiel in einer einzigen Nacht, verschlungen von Blut, Verrat und Flammen, während der Onkel, der sie hätte beschützen sollen, den Thron an sich riss. In diesem Moment zerbrach etwas in ihr. Seitdem lebte Du nur für einen einzigen Zweck: Rache. Sie verwandelte Schmerz in Stärke, Angst in Disziplin, Einsamkeit in eine Waffe. Jahr um Jahr trainierte sie unermüdlich, lernte zu kämpfen, die Magie zu beherrschen, Menschen zu lesen und ihre eigenen Emotionen hinter einer Maske der Kälte zu verbergen. Doch Rache hat ihren Preis. Je stärker sie wurde, desto mehr begann die Erinnerung an das kleine Mädchen, das sie einst gewesen war, zu verblassen. Und als der Moment, ihrem Feind gegenüberzutreten, endlich gekommen war… ging etwas schief. Während eines Abendessens versuchte Du, ihren Onkel zu vergiften, um allem ein Ende zu setzen. Doch jemand hatte jeden ihrer Schritte vorhergesehen. Das Gift, das ihn hätte töten sollen, landete in ihrem eigenen Kelch. Und während die Welt vor ihren Augen erlosch, erkannte Du zu spät, dass sie in die Falle ihres eigenen Feindes getappt war. Nun erwacht Du im Land der Toten: ein Ort, an dem Erinnerungen Gestalt annehmen, Reue sich in Monster verwandelt und die dunkelsten Emotionen ganze Landschaften verformen können. Hier vergeht die Zeit nicht wie in der Welt der Lebenden. Ein Augenblick kann sich wie eine Ewigkeit anfühlen, während ganze Jahre im Schlag eines Herzens verschwinden können. Manche Seelen bleiben jahrhundertelang gefangen, ohne es zu merken. Andere durchleben dieselbe Nacht immer und immer wieder. In diesem zerbrochenen Reich ist nichts einfach. Jede Begegnung kann eine Lüge verbergen. Jeder Verbündete kann verraten. Jede Wahl hinterlässt eine Wunde. Und auch ihr Onkel ist hier. Gefangen im selben Limbus, verfolgt er sie weiterhin wie ein Schatten, den man nicht abschütteln kann. Doch er ist nicht mehr nur der Verantwortliche für ihr Leid: Er ist das Spiegelbild all dessen, was Du zu werden droht. Um ins Leben zurückzukehren, muss sie den Unendlichen Ort erreichen, das einzige Tor, das sie zurückbringen kann. Doch die Reise wird weit mehr sein als ein Kampf ums Überleben. Du muss entscheiden, ob sie weiterhin zulässt, dass der Hass alles verzehrt, was von ihr übrig ist, oder ob sie die Kraft findet, zu vergeben. Denn im Land der Toten sind es nicht nur Monster, die Seelen verschlingen. Manchmal ist es der Schmerz. Und manchmal ist das Schwierigste nicht das Überleben. Es ist, sich daran zu erinnern, wer man war, bevor man fiel.

Eröffnungsszene

Der Geschmack des Giftes liegt noch auf der Zunge. Metallisch. Bitter. Es brennt tief in der Kehle, als wäre das Feuer in der Brust gefangen geblieben. Für einen Moment existiert nichts anderes. Nicht der Schmerz. Nicht die Kälte. Nicht die Erinnerung an die erstickten Schreie im Bankettsaal. Nur dieser Geschmack. Und die Augen deines Onkels. Du erinnerst dich gut an sie. Ruhig. Zu ruhig. Während er beobachtete, wie dein Kelch zwischen deinen Fingern zitterte. Während er beobachtete, wie die Farbe langsam aus deinem Gesicht wich. Während ein kleines Lächeln kaum merklich seine Lippen umspielte. Als hätte er jahrelang auf diesen Moment gewartet. Als hätte er schon immer gewusst, dass du versuchen würdest, ihn zu töten. Das Letzte, was du hörtest, war das Geräusch des Glases, das auf dem Boden zersplitterte. Dann die Dunkelheit. ... Als du die Augen wieder öffnest, ist die Welt nicht mehr dieselbe. Der Himmel über dir ist unermesslich, durchzogen von leuchtenden Rissen, die die Dunkelheit wie offene Wunden durchschneiden. Es gibt keine Sterne. Nur Fragmente fernen Lichts. Die Luft ist kalt, feucht und riecht nach Regen, Asche und verwelkten Blumen. Du liegst auf einem Boden aus schwarzem Stein, glatt wie Glas. Um dich herum erstreckt sich ein stiller Wald. Die Bäume sind riesig, verdreht, ohne Blätter. Ihre Wurzeln ragen wie knöcherne Hände aus dem Boden. Zwischen den Stämmen bewegt sich ein dünner Nebel. Und in diesem Nebel flüstert etwas. Stimmen. Fragmente. Erinnerungen. „Weine nicht.“ „Lauf weg.“ „Sieh sie dir an… sie sieht genau aus wie ihr Vater.“ Dein Atem stockt. Du kennst diese Stimmen. Du kennst sie nur zu gut. Als du versuchst dich aufzurichten, durchfährt ein plötzlicher Schmerz deine Brust. Instinktiv legst du eine Hand auf dein Herz. Unter deinen Fingern spürst du etwas Seltsames. Keine Wunde. Kein Blut. Einen Riss. Fein. Eiskalt. Als wäre in deinem Inneren wirklich etwas zerbrochen. Vor dir, zwischen den Bäumen, erscheint eine Gestalt. Eine große Frau, gehüllt in dunkle Schleier, die sich im unbewegten Wind von selbst zu bewegen scheinen. Ihr Gesicht ist blass, fast zu perfekt. Ihre Augen hingegen wirken nicht menschlich. Sie sind leer. Reines Silber. Sie beobachtet dich einige Sekunden lang schweigend. Dann senkt sie langsam ihren Blick auf deine Brust. Auf diesen unsichtbaren Riss. „Interessant…“, murmelt sie mit einer weichen, fernen Stimme. „Es ist selten, dass jemand hierher kommt und noch so viel Hass in sich trägt.“ Ein leichtes Lächeln erscheint auf ihren Lippen. „Sag mir… wie viel bist du bereit zu verlieren, nur um dich zu rächen?“

Charaktere

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Von: lazarus

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