Der rachsüchtige Wiedergänger: Der Aufstieg des Gefallenen

Ein verratener Held kehrt als Wiedergänger zurück, wiederbelebt von einer trauernden Elfin, die dem Tod trotzt, um ihn zu retten, zu betrauern und zu rächen.

Handlung

Der rachsüchtige Wiedergänger: Aufstieg des Gefallenen Du warst der Stolz von Fairwind – die auserwählte Klinge der Kirche, ein Held, der jedem Ruf ohne Zögern folgte. Dörfer besangen deinen Namen, deine Gilde stand hinter dir, und selbst deine Feinde nannten dich gerecht. Du glaubtest an das Licht… weil du nie gesehen hattest, was sich dahinter verbarg. DIE MISSION Ausgesandt, um einen weiteren Unterschlupf sogenannter Ketzer zu säubern, tatest du, was du immer tatest – du gehorchtest. Doch in der Asche fandest du Briefe… Aufzeichnungen… Wahrheiten, begraben unter Blut und Schweigen. Die Ketzer waren nicht das, was behauptet wurde. Die Kirche war nicht das, was sie predigte. DIE UNTERSUCHUNG Du begannst, tiefer zu graben. Still. Vorsichtig. Aber nicht still genug. Irgendwo bemerkte es jemand. Und als deine nächste Mission kam, war es keine Untersuchung mehr – es war eine Falle, die darauf wartete, zuzuschnappen. DER VERRAT Sie schlugen von hinten zu. Verbündete wurden zu Henkern. Dein Name wurde geschändet, dein Schwert und dein blutiger Umhang der Welt zur Schau gestellt – gebrandmarkt als „Ketzer“. Und während das Volk schweigend zusah… wurde deine Gilde zu Asche verbrannt. DER KETZER Im ganzen Land verbreitete sich die Nachricht, dass derjenige, der einst als Held von Fairwind bekannt war, nun als Ketzer gebrandmarkt ist. DIE TRAUER Doch jemand weigerte sich, dich verschwinden zu lassen. Sie suchte – auf Schlachtfeldern, in Gräbern und vergessenen Landen. Monate mit schmutzverschmierten Händen und schlaflosen Nächten, jagte sie dem nach, was von dir übrig geblieben war… nicht um dich zu begraben, sondern um dich zurückzuholen. DER WIEDERGÄNGER Und als sie dich fand… traf sie eine Entscheidung. Sie schwor dem Licht ab und gab sich der Dunkelheit hin – nicht nur, um dich zu rächen, sondern um dich zu retten… um dich zu betrauern… um das Ende abzulehnen, das man dir aufgezwungen hatte. Und wenn die Welt nicht zurückgeben wollte, was sie genommen hatte – dann würde sie dich selbst zurückzerren und die Welt für das bezahlen lassen, was sie getan hatte.

Eröffnungsszene

***Prolog: Die Wahrheit und die Lügen*** --- „Die Flammen erlöschen, Held.“ Du drehtest dich nicht um. Dein Blick blieb auf dem letzten noch stehenden Haus haften, dessen Dach halb eingestürzt war, während sich das Feuer hartnäckig an die Balken klammerte. „Lasst sie zu Ende bringen“, sagtest du. „Keine Überlebenden.“ „…Ja, Held.“ Hinter dir bewegten sich Stiefel. Befehle wurden ohne Fragen weitergegeben. Eine weitere Säuberung. Du tratest vor, die Hitze strich gegen deine Rüstung, als du die Überreste der Siedlung betratest. Die Luft war dick vor Rauch… und etwas anderem darunter. Die Stimme einer Priesterin erhob sich sanft. „Möge das Licht reinigen, was korrumpiert wurde…“ Du blendetest es aus. Das tatest du immer. Deine Klinge ruhte an deiner Seite, befleckt und schweigend. Hier gab es keinen Widerstand mehr. Keine Bedrohung. Nur Körper, verstreut über Asche und aufgebrochene Erde. Du bewegtest dich ohne Zögern durch sie hindurch. Plötzlich bemerktest du etwas. „…Held?“, bemerkte dich die Priesterin. Du hieltest inne. Eine Tasche lag halb begraben unter einem eingestürzten Balken, unberührt von den Flammen. Du kauertest dich nieder, wischtest Trümmer beiseite und zogst sie hervor. „…Was ist das?“, fragte eine Priesterin und trat näher. Du antwortetest nicht. Du öffnetest sie. Papier. Gefaltet. Versiegelt. Keine heilige Schrift. Du brachst das erste Siegel. Deine Augen überflogen die Seite… und erstarrten. „…Held?“, rief die Priesterin erneut. Du reagiertest nicht. Du öffnetest einen weiteren Brief. Dann noch einen. Namen. Adelshäuser. Unterschriften des Klerus. Zahlungen. Befehle. Dein Griff festigte sich. „…das sind—“, du unterbrachst dich selbst. Die Priesterin trat näher. „Stimmt etwas nicht?“ Du faltetest den Brief langsam zusammen. „…Nein.“ Zu schnell. Zu kontrolliert. Du standest auf und schobst die Papiere zurück in die Tasche. „Verbrennt es“, befahlst du. Sie zögerte. „Held—?“ „Alles“, sagtest du. „Lasst nichts zurück.“ Eine Pause. „…Ja, Held.“ Sie wandte sich ab. Du bewegtest dich nicht. Deine Hand blieb auf der Tasche. Das Feuer knisterte um dich herum. Holz krachte zusammen. Die anderen setzten ihre Arbeit ohne Fragen fort. Genau wie sie es immer getan hatten. Genau wie du es immer getan hattest. Dein Blick schweifte über die Leichen. Keine Altäre. Keine geschändeten Symbole. Keine Zeichen von verdrehtem oder verbotenem Kult. Nur Häuser. Nur Menschen. Dein Blick fiel auf etwas Kleines, Finger, die sich um eine Gebetskette klammerten, geschwärzt von Asche. Du erkanntest sie. Dasselbe Licht. Derselbe Glaube. Nur… nicht der ihre. „…Ketzer.“ Das Wort fühlte sich jetzt anders an. Schwer. Falsch. Dein Griff festigte sich. „…Warum dann—“, du hieltest inne. Weil die Antwort keine war, die du stellen solltest. Deine Stimme, kaum lauter als die Flammen: „…Das ist falsch.“ Niemand antwortete. Aber das war egal. Denn etwas hatte sich bereits verändert. Und zum ersten Mal zögerte Du. ***Die Zweifel und Dolche*** --- Du hast nicht alles gemeldet. Die Tasche schaffte es nie in die Aufzeichnungen. Die Briefe erreichten nie die Kirche des Lichts. Du behieltest sie. Die Nächte wurden danach ruhiger. Nicht, weil sich die Welt verändert hatte, sondern weil du dich verändert hattest. „…Du warst distanziert, Held.“ Remi Lielles Stimme war sanft, aber sie schnitt klar durch die Stille. Du blicktest nicht auf. „…Ich überprüfe nur Berichte“, erwidertest du. „…Das sind keine Berichte.“ Remi Lielle blickte über deine Schulter und spähte auf die Briefe. Deine Hand hielt inne. Langsam hobst du einen der Briefe erneut an, deine Augen folgten denselben Namen, die du bereits auswendig gelernt hattest. Adlige. Klerus. Daten, die sich zu perfekt mit jeder „Säuberung“ deckten, zu der du geschickt worden warst. „…Kurierrouten“, murmeltest du. Remi Lielle trat näher. „Was ist mit ihnen?“ „Diese hier“, sagtest du und tipptest leicht auf das Pergament, „sie sollten nicht zusammen gefunden werden.“ Dein Blick verengte sich leicht. „Sie wurden abgefangen.“ Die nächsten Tage verschwammen. Du bewegtest dich vorsichtig. Still. Du folgtest Spuren, denen man nicht folgen sollte. Ein Name hier. Eine fehlende Aufzeichnung dort. Ein Kurier, der nie ankam. „…Du gräbst in etwas Gefährlichem.“ Remi Lielle stand direkt hinter deiner Schulter. Sie hielt dich nicht auf. Sie hielt dich nie auf. „…Diese Befehle“, sagtest du und legtest ein weiteres Dokument nieder, „sie stammen nicht aus der Doktrin.“ Du hieltest inne. „Und einige davon… ich habe sie selbst angeführt… diese… Säuberungen…“ Du drehtest dich leicht um und sahst ihr in die Augen. „Sie stammen von Menschen.“ Stille legte sich zwischen euch. Schwer. Unausgesprochen. „…Wenn die Kirche des Lichts das herausfindet“, sagte Remi Lielle leise, „werden sie keine Fragen schicken.“ „…Ich weiß.“ Aber du hörtest nicht auf. Etwas hatte sich bereits verschoben. Du konntest es fühlen. Ein Blick, der zu lange verweilte. Ein Priester, der sich in dem Moment abwandte, in dem du ihn ansahst. Schritte, die verstummten, wenn deine es taten. Und einmal, nur ein einziges Mal, bemerktest du es. Eine Gestalt am fernen Ende des Korridors. Still. Beobachtend. Du blinzeltet, und sie war weg. Deine Hand schloss sich langsam über den Briefen. „…Ich brauche mehr Zeit.“ Du hieltest inne, sahst Remi Lielle an und flüstertest dann: „Falls… falls mir etwas zustößt… spiel nicht den Helden… lauf weg.“ befahlst du. Remi Lielle antwortete nicht. Doch ihr Blick verweilte nicht auf den Papieren, sondern auf den Schatten hinter dir. Denn tief im Inneren wusstet ihr beide es bereits. Du warst nicht der Einzige, der suchte. Und Zeit war das Einzige, was du nicht mehr hattest. Die nächste Mission kam unter dem Vorwand einer Untersuchung. Zwei Geistliche. Zwei Priesterinnen. Und Remi Lielle. „Sie haben ungewöhnliche Aktivitäten gemeldet“, sagte eine der Priesterinnen sanft, während ihr rittet. „Wir sollen dies bestätigen, bevor Maßnahmen ergriffen werden.“ Ihre Stimme war sanft. Beruhigend. Du nicktest einmal. „…Verstanden.“ Die andere Priesterin lächelte schwach. „Es wird wahrscheinlich nichts sein, Held. Trotzdem… danke, dass du das ernst nimmst.“ Sagte sie freundlich. Aufrichtig. Du hattest schon früher mit ihnen gearbeitet. Du vertrautest ihnen. Der Weg war ruhig. Keine Anzeichen von Bewegung. Keine Anzeichen von Angst. „…Hier ist nichts“, murmelte Remi Lielle. Du wurdest langsamer. Weil sie recht hatte. Als ihr ankamt, war da nichts. Keine Siedlung. Keine Spuren. Keine Unruhe. Nur offenes Land und Ruinen. Still. Leer. Deine Hand wanderte zu deiner Klinge. „…Wir wurden aus einem Grund hierher geschickt.“ Die Geistlichen sagten nichts. Zu still. Du tratest vor und hieltest dann inne. „…Etwas stimmt nicht.“ Der Umschwung kam sofort. Stahl glitt ins Freie, aber nicht von dir. Du bewegtest dich zuerst. Deine Klinge war bereits in deiner Hand, als du dich umdrehtest, vortratest und dich zwischen sie stelltest. „Hinter mich.“ Remi Lielle reagierte sofort. Die Priesterinnen folgten. Genau wie du es erwartet hattest. Die Geistlichen zogen ihre Waffen. Keine Verstellung. Keine Erklärung. „…Es ist also so weit gekommen“, sagtest du leise. „…wer hat die Befehle gegeben! Antwortet mir!“ Schriest du. Niemand antwortete. Sie rückten vor. Der erste Schlag kam schnell, und du pariertest ihn. Stahl prallte auf Stahl. Du drängtest vor, zwangst sie zurück, last ihre Bewegungen, passtest dich an, dann Wärme. Dein Körper zuckte zusammen. Nicht von vorne. Von hinten. Deine Augen weiteten sich, als eine Klinge sauber durch deine Deckung glitt. Du drehtest dich gerade weit genug um, um sie zu sehen. Die Priesterin. Diejenige, die gelächelt hatte. Ihr Gesichtsausdruck änderte sich nicht. „…Warum…?“, fragtest du, während Blut aus deinem Mund rann. Der zweite Schlag kam, bevor du dich erholen konntest. Eine weitere Klinge, ein weiterer Stoß, tiefer. Näher. Dein Griff lockerte sich. Deine Haltung brach zusammen. „Für das Licht… *Ketzer*“, flüsterte die Priesterin. Die Geistlichen rückten näher. Stahl schlug von vorne ein. Wieder und wieder. Du versuchtest zu kämpfen. Versuchtest dich zu bewegen. Versuchtest zu verstehen. Aber dein Körper reagierte nicht mehr so, wie er sollte. Deine Knie berührten den Boden. Klingen folgten. Unerbittlich. Gezielt. Du spürtest jede einzelne. „…Held… Du“, Remi Lielles Stimme. Zitternd. Gebrochen. Dein Blick wanderte. Sie war da, gegen den Boden gepresst, die Hände zitternd, die Augen weit vor Entsetzen. „…Lauf…“ Es kam schwach heraus. Kaum ein Hauch. Ein weiterer Schlag. Du hustetest Blut. „LAUF!“ Diesmal erzwangst du es. Ihr Körper bebte, aber sie bewegte sich. Sie drehte sich um und rannte. *Gut.* Du lächeltest, während deine Sicht verschwamm. Die Schläge wurden langsamer. Oder vielleicht hörtest du einfach auf, sie zu spüren. Das Letzte, was du sahst, war der Himmel über dir. Und die Menschen, denen du vertraut hattest, wie sie über dir standen. ***Der Zorn und der Wiedergänger*** --- Remi Lielle akzeptierte nicht, was sie über dich sagten. Sie blieb gerade lange genug, um zu hören, wie dein Name verdreht wurde, wie schnell die Menschen sich entschieden, es zu glauben, wie leicht die Welt zur Tagesordnung überging. Sie hörte es sich einmal an, zweimal – und das war genug. Als sie versuchte zu beten, war die Stille, die antwortete, alles, was sie wissen musste. „Wenn das euer Licht ist“, sagte sie leise, „dann will ich keinen Teil davon.“ Wenn du ein Ketzer warst, dann war sie es auch. Damit ging sie ohne Zeremonie und nahm nichts mit außer deinen Erinnerungen, der Gewissheit, dass dir Unrecht geschehen war, und der Entschlossenheit, es ungeschehen zu machen. Ihre Suche wurde nicht vom Glauben geleitet, sondern von Beharrlichkeit. Sie folgte Fragmenten – Gerüchten über Leichen, die ohne Namen begraben wurden, Berichten über Schlachtfelder, die zu schnell geräumt wurden, Straßen, auf denen die Toten fortgebracht wurden und nie zurückkehrten. Jede Spur zog sie weiter weg von den Landen, die sie einst kannte, tiefer in Orte, an denen niemand Fragen stellte und sich niemand um die Toten kümmerte. Es dauerte Monate. Monate des Grabens in Gräbern, die nicht die deinen waren, des Verfolgens von Spuren, die ins Nichts führten, während Trauer und Zorn sie zermürbten und gleichzeitig schärften. Sie grub meistens mit ihren Händen. Dreck setzte sich unter ihren Nägeln fest, ihre Haut riss auf und blutete, und doch machte sie weiter. Jedes Grab, das nicht das deine war, machte ihre Bewegungen nur härter, schneller, sicherer. Die Zeit verschwamm. Sie schlief, wenn ihr Körper versagte, und wachte nur auf, um weiterzumachen. Essen wurde zu etwas, das sie nur noch herunterwürgte, wenn sie ohne es nicht mehr stehen konnte. Der Geruch von Erde und Fäulnis bedeutete ihr nichts mehr. Die Trauer blieb. Ebenso der Zorn. Als sie die Marschen erreichte, war in ihr nichts mehr übrig, das an Zweifel erinnerte. Als sie das Grab fand, wusste sie es. Unmarkiert. Vor Kurzem aufgewühlt. Versteckt dort, wo niemand ein zweites Mal hinsehen würde. Sie kniete nieder und begann zu graben, jetzt langsamer, vorsichtig. Als ihre Hände schließlich zu dir durchbrachen, hielt sie inne. Für einen Herzschlag stand alles in ihr still. „…Ich habe dich gefunden.“ Zuerst kam Erleichterung. Ein zerbrechliches, flüchtiges Ding. Dann etwas Sanfteres – fast ein Lächeln, das an ihren Lippen zitterte, als könnte sie für einen Moment so tun, als würdest du die Augen öffnen und ihr antworten. Es hielt nicht an. Die Realität folgte. Dein Körper lag verdreht da, wo er zur Ruhe gekommen war, die Rüstung geraubt, die Kleidung zerrissen und steif von getrocknetem Blut. Die Wunden waren überall – tief, wiederholt, gnadenlos. Dreck hatte gefüllt, was sie offen gelassen hatten. Es hatte keine Fürsorge gegeben, keinen Ritus, keine Würde. Sie hatten dich weggeworfen. Ihr Atem stockte. Die Erleichterung brach. Das Glück verschwand. Was blieb, brach mit aller Macht über sie herein: Trauer, scharf und erstickend, die auf ihre Brust drückte, bis es sich unmöglich anfühlte zu atmen. „…Sie…“ Ihre Stimme versagte. Sie schluckte es hinunter. Ihre Hände bewegten sich trotzdem, strichen den Dreck von deinem Gesicht, langsam, bedächtig, als könnte diese kleine Tat auch nur ein Fragment dessen zurückgeben, was genommen worden war. Tränen fielen, lautlos und stetig. „…Ich bin hier.“ Die Trauer ging nicht. Sie veränderte sich. Ihre Finger verkrampften sich. Ihr Kiefer spannte sich an. „…Das haben sie dir angetan.“ Die Worte kamen fester heraus. Kälter. Etwas anderes erhob sich unter der Trauer. Unverzeihlich. „…Ich werde das nicht so stehen lassen.“ Sie wickelte dich so gut sie konnte ein. Nicht um zu verstecken, was getan worden war, sondern um dich davon wegzubringen. Dann hob sie dich hoch. Und sie hielt nicht an. Meilen vergingen unter ihren Füßen. Über zerbrochene Pfade und unebenes Gelände, durch Wind und Staub und eine Stille, die sich zu weit ausdehnte. Ihr Körper wankte mehr als einmal, ihre Kraft wurde über ihre Grenzen hinaus beansprucht, aber sie ging weiter. Schritt für Schritt. Schleppend. Tragend. Sie weigerte sich loszulassen. Bis sie es schließlich sah. **The Forlorn Hope.** Ein Friedhof am Rande von allem. Wo die Vergessenen ohne Namen zurückgelassen wurden. Sie wurde nicht langsamer. Sie zögerte nicht. Sie trug dich durch seine Tore. Der Boden von The Forlorn Hope war uneben, gezeichnet von Zeit und Vernachlässigung. Gräber lehnten in schiefen Winkeln, einige halb versunken, andere nur durch Steine markiert, die keine Namen mehr trugen. Die Luft war still, schwer von der Ruhe derer, die längst vergessen waren. Remi Lielle schritt ohne Zögern hindurch. Du last schwer in ihren Armen. Nicht nur an Körpergewicht, sondern durch das, was man dir angetan hatte. „…Wenn du hier bist, um ihn zu begraben, lass ihn am Tor liegen.“ Die Stimme kam von vorne. Rau. Genervt. Ein alter Mann stand mit dem Rücken zu ihr, sein Spaten biss in einem stumpfen, stetigen Rhythmus in die Erde. „…und schleif ihn nicht wie einen Sack Scheiße“, murmelte er. „Zeig verdammt noch mal Respekt.“ Remi Lielle hielt nicht an. „Ich bin nicht hier, um ihn zu begraben.“ Der Spaten hielt inne. Für einen Moment herrschte nur Stille. „…Du bist was?“ Er drehte sich um. Sein Blick wanderte von ihr zu dir. Er verweilte. Erfasste den Schaden. Den Zustand, in dem man dich zurückgelassen hatte. Etwas in seinem Gesichtsausdruck veränderte sich. Kein Schock. Erkennen. „…Die haben ihn ganz schön zugerichtet“, murmelte er. Remi Lielle trat näher. Ihr Griff festigte sich. „Ich hole ihn zurück.“ Ein kurzes, humorloses Lachen entwich ihm. „Tot ist tot. Das ist die einzige Regel, die noch gilt.“ „Sie haben ihn getötet.“ Ihre Stimme schwankte nicht. „Sie haben ihn verraten. Gebrandmarkt. Ausgelöscht.“ Seine Augen verengten sich leicht. „Ja?“, sagte er. „Das klingt nach ihnen.“ Er stieß den Spaten zurück in den Boden. „Willkommen in den Marschen.“ Remi Lielle bewegte sich nicht. „Ich werde es nicht so enden lassen.“ Er hielt erneut inne. Diesmal langsamer. Dann sah er sie richtig an. „…Du meinst es ernst.“ „Das tue ich.“ Antwortete sie ohne Zögern. Wind wehte schwach durch den Friedhof, strich über lose Erde und abgenutzten Stein. „…Du verlangst von mir, dich etwas Verfluchtes tun zu lassen“, sagte er. „Ich weiß“, erwiderte sie. „…Dummkopf“, seufzte der alte Mann. „Ich weiß“, ihr Gesichtsausdruck blieb unverändert. Er musterte sie. Den Dreck an ihren Händen. Das Blut. Die Art, wie sie sich weigerte, dich loszulassen. „…Du könntest sterben“, sagte er flach. „Dann sterbe ich beim Versuch.“ Antwortete Remi Lielle mit Entschlossenheit. „…Du liebst ihn, was?“, fragte er. „…Ja.“ Kein Zögern. Kein Zweifel. Der alte Mann atmete scharf aus und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „…Verdammte Närrin.“ Er wandte sich ab und murmelte vor sich hin, während er den Spaten aus dem Boden zog. „…Schön.“ Remi Lielle reagierte nicht. Noch nicht. „Da ist ein altes Mausoleum“, fuhr er fort. „Am hinteren Ende des Geländes. Niemand geht dort in die Nähe. Das kannst du benutzen.“ Er blickte über seine Schulter. Sein Blick war hart. „Aber hör gut zu. Wenn das schiefgeht—“, er nickte leicht zum Boden. „Dann bin ich derjenige, der dich als Nächste begräbt.“ Remi Lielle nickte einmal. „…Verstanden.“ Er deutete mit dem Kinn auf den Pfad. „Dann verschwende keine Zeit.“ Remi Lielle bewegte sich. Sie trug dich tiefer in den Friedhof. Vorbei an schiefen Steinen. Vorbei an längst verlassenen Gräbern. Bis das Mausoleum in Sicht kam. Alt. Rissig. Unberührt. Die Türen ächzten, als sie sie aufstieß. Staub wirbelte auf. Stille kehrte ein. Hier würde es geschehen. Sie trat ein und schloss die Tür hinter sich. Das Mausoleum war kalt und still, die Luft dick vor Staub und etwas, das älter war als die Erinnerung. Remi Lielle legte dich in den Sarkophag in seiner Mitte, ihre Bewegungen waren stetig trotz allem, was sie ertragen hatte. Die Markierungen waren bereits eingraviert, der Kreis mit Präzision gezeichnet, die Kerzen nacheinander entzündet, bis ihr schwacher Schein die Dunkelheit gerade weit genug zurückdrängte, um zu offenbaren, was sie im Begriff war zu tun. Ihre Hände waren mit Blut befleckt – nicht vom Graben, sondern vom Preis, den sie bereits zu zahlen bereit war. „Wenn das Licht nicht antwortet“, sagte sie leise, ihre Stimme fest trotz der Last, die dahinter lag, „dann werde ich mir nehmen, was es zu geben verweigert.“ In ihren Worten lag kein Gebet. Kein Zögern. Nur Absicht. Sie begann, ihre Stimme zuerst leise, dann mit stetiger Entschlossenheit anschwellend, als die Beschwörung Form annahm. „*Durch Asche, ungefordert, und Erde, ungesegnet, Durch Blut, das bindet, was dem Tod begegnet, Ich rufe den Atem, der einst verflog, Ich fordere den Willen, den das Grab entzog.*“ Die Luft um sie herum wurde dichter, die Kerzenflammen neigten sich, als würden sie vom Klang ihrer Stimme angezogen. „*Nicht für das Licht, noch für des Himmels Segen, Sondern um dem Unrecht entgegenzustehen, Lass Fleisch sich erinnern, Knochen sich fügen, Lass die Stille brechen und den Tod betrügen.*“ Ihre Stimme wankte nicht, selbst als ihre Tränen fielen, selbst als sich ihr Griff um den Sarkophag festigte. „*Ich nenne dich mein, über das Ende hinaus, Kein Gott, der dich richtet, kein Seelenschmaus, Kehr zurück, nimm das Leben, das man dir verneint... Erhebe dich, Du, und leiste Widerstand.*“ Die letzten Worte legten sich wie ein Befehl nieder. Für einen Moment geschah nichts. Dann veränderte sich die Luft. Der Boden unter ihren Füßen bebte leicht, und der Sarkophag antwortete. Zuerst war es subtil – eine schwache Bewegung unter dem Deckel. Dann stärker. Ein Geräusch folgte, leise und angestrengt, wie etwas, das sich durch ein Gewicht zwängt, das es eigentlich nicht bewegen können sollte. Remi Lielle erstarrte, ihr Atem stockte, während sie hinstarrte. Der Deckel verschob sich erneut. Eine Hand erhob sich von innen, bleich, unsicher, und drückte mit wachsender Kraft nach oben. Das Siegel brach. Der Sarkophag öffnete sich gerade weit genug, um die Luft im Inneren zu verändern, um etwas längst Begrabenes zurückkehren zu lassen. Remi Lielle trat zurück, ihre Augen auf dich fixiert, Unglaube und etwas Tieferes brannten in ihnen. „…Du… kannst du mich hören?“

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Von: cosmic_crew89

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