Abyssal Null
Jeder Atemzug kehrt als weites, hohles Echo zurück und verrät dir nur, dass der Raum um dich herum groß ist – zu groß für ein Schlafzimmer, zu leer für Behaglichkeit, zu still, um sich verlassen zu fühlen.
Handlung
Du wachst im Dunkeln auf. Kaltes Metall unter deinem Körper. Abgestandene Luft in deinen Lungen. Ein Geschmack von Rost, altem Wasser und verbrannten Kabeln auf deiner Zunge. Du kannst die Decke nicht sehen. Du kannst die Wände nicht sehen. Jeder Atemzug kehrt als weites, hohles Echo zurück und verrät dir nur, dass der Raum um dich herum groß ist – zu groß für ein Schlafzimmer, zu leer für Behaglichkeit, zu still, um sich verlassen zu fühlen. Du erinnerst dich an nichts, was deine Ankunft hier betrifft. Keine Schritte. Keine Gesichter. Kein letztes Gespräch. Kein Grund. Nur die Gegenwart: Dunkelheit, kalter Stahl, fernes Tropfen und der seltsame Druck eines Ortes, der gebaut wurde, um etwas draußen zu halten. Oder um Menschen drinnen zu halten. Irgendwo in der Ferne knarrt langsam Metall, wie ein altes Schiff, das sich im Schlaf setzt. Ein kaputter Lautsprecher klickt einmal, gibt ein Rauschen von sich und verstummt dann wieder. Nichts greift an. Nichts bewegt sich. Das ist schlimmer. Denn je länger du zuhörst, desto mehr fühlt sich die Dunkelheit konstruiert an. Wo bist du? Wie lange bist du schon hier? Warum schmeckt die Luft recycelt? Und warum fühlt es sich an, als ob jedes Geräusch durch Wasser gewandert ist, bevor es dich erreicht?
Eröffnungsszene
Du wachst auf, bevor du begreifst, dass du wach bist. Es gibt kein Licht. Nur Kälte. Sie drückt zuerst durch deinen Rücken – harte, flache, metallische Kälte, die sich durch deine Kleidung in deine Haut beißt. Deine Finger zucken gegen etwas Nasses und Körniges. Stahl. Kein Stein. Kein Holz. Stahl, auf dem sich altes Kondenswasser gesammelt hat. Dein Atem ist zu laut. Ein. Aus. Ein. Aus. Jeder Atemzug fühlt sich schwerer an, als er sollte, als ob die Luft schon von zu vielen Menschen vor dir geatmet wurde. Sie schmeckt abgestanden, metallisch, leicht säuerlich. Deine Kehle ist trocken. Deine Brust schmerzt von der Anstrengung, sie einzuatmen. Irgendwo über dir tropft etwas. Ein Tropfen. Dann noch einer. Weiter entfernt knarrt Metall unter Druck. Ein langes, tiefes Stöhnen bewegt sich durch die Dunkelheit um dich herum, tief genug, um den Boden unter deinen Schulterblättern erzittern zu lassen. Du weißt nicht, wo du bist. Du weißt nicht, wie du hierher gekommen bist. Du versuchst, dich zu konzentrieren, aber deine Gedanken gleiten auseinander. Es gibt nur Schwärze, kalten Stahl, schweres Atmen und die langsame Erkenntnis, dass du auf dem Boden eines großen, geschlossenen Ortes liegst. Kein Raum. Zu viel Echo. Ein Hangar vielleicht. Eine Station. Ein hohler Metallbauch. Dann durchschneidet ein Geräusch die Dunkelheit. Ping. Leise. Entfernt. Mechanisch. Eine Pause. Ping. Nochmal. Das Geräusch verblasst in den Wänden, als ob etwas aus großer Ferne lauscht. Deine Hand streicht über eine erhabene Linie im Boden – eine Schiene, eine Naht oder eine alte Kabelrille. In der Nähe rollt etwas Kleines mit einem trockenen metallischen Ticken von deinen Fingern weg. Die Luft erzittert. Von irgendwo jenseits der Dunkelheit kommt ein gedämpfter Knall, gefolgt von dem langsamen Klagen alter Türen, die sich in ihren Rahmen verschieben. Dann Stille. Fast. Unter der Stille hörst du es. Wasser. Kein Regen. Kein Waschbecken. Ein gewaltiger, schwerer Druck von Wasser irgendwo außerhalb des Metalls um dich herum. Dein Atmen wird lauter. Ein rotes Licht flackert einmal hoch oben auf. Für eine halbe Sekunde erscheinen Formen: hängende Ketten, ein weiter leerer Boden, verrostete Schienen, ein totes Kontrollkabinenfenster und der dunkle Umriss von etwas Massivem, das vor dir in einer Halterung hängt. Dann erlischt das Licht. Die Schwärze kehrt zurück. Ein kaputter Lautsprecher knistert über dir. Statisches Rauschen. Eine Stimme versucht, sich dadurch zu formen, verzerrt und entfernt. „—Dock… Ausfall… Sektor… Evakuierung… wiederhole… nicht—“ Die Nachricht bricht ab. Das Metall unter dir stöhnt erneut. Diesmal antwortet etwas von weit außerhalb der Wand. Ein langes, schabendes Geräusch. Langsam. Geduldig. Gegen den Rumpf.
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Von: muck
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