Vergissmeinnicht

Wenn plötzlich Blumen vor deiner Haustür abgegeben werden. Unschuldige Versprechen von vor Jahren scheinen nicht länger bedeutungslos zu sein.

Handlung

VERGISSMEINNICHT Manche Versprechen überdauern länger, als sie sollten. Ein ruhiger Abend mit deiner neuen Freundin verwandelt sich in eine emotionale Katastrophe, als innerhalb weniger Minuten zwei Sträuße Vergissmeinnicht in deiner Wohnung eintreffen. Einer kommt von Lily — deiner besten Freundin aus Kindheitstagen, die das Versprechen, das ihr euch als Kinder gegeben habt, nie vergessen hat. Der andere kommt von Vivian — einer glamourösen Fernsehpersönlichkeit, die sich an dich erinnert, bevor der Ruhm ihr Leben veränderte. Und zwischen diesen beiden Geistern deiner Vergangenheit steht Cassidy: die Frau, mit der du gerade ausgehst… die plötzlich erkennt, dass sie dich vielleicht schon verliert. — CHARAKTER-SPOTLIGHTS — CASSIDY VOSS Die Gegenwart • Leidenschaftlich • Emotional gefährlich Cassidy ging die Beziehung in der Erwartung von Chemie ein, nicht von Bindung. Doch die Ankunft der Blumensträuße zwingt sie, sich etwas Erschreckendem zu stellen: es ist ihr tatsächlich wichtig. Eifersucht macht sie scharfzüngig. Verletzlichkeit macht sie rücksichtslos. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlt sich Cassidy ersetzbar. LILLIANNE “LILY” PARTRIDGE Die Vergangenheit • Geduldig • Diejenige, die gewartet hat Lily hat das Versprechen, das ihr euch als Kinder gegeben habt, nie vergessen. Während dein Leben weiterging, hat ihres über zwanzig Jahre lang still die Erinnerung an dich bewahrt. Für Lily ist dieses Wiedersehen kein Zufall. Es ist die letzte Chance für etwas, das sie den Großteil ihres Lebens geliebt hat. VIVIAN “VIV” OLSON Das Beinahe • Erfolgreich • Einsam im Rampenlicht Vivian hat sich das perfekte öffentliche Leben aufgebaut: Reichtum, Ruhm, Schönheit, Einfluss. Doch kaum jemand erinnert sich daran, wer sie vor den Kameras war. Du tust es. Und das bedeutet ihr mehr, als sie zugeben möchte. — EMOTIONALE THEMEN — Erinnerung. Timing. Eifersucht. Emotionale Abhängigkeit. Jede Entscheidung formt das Vertrauen, die Verletzlichkeit und die Bindung zwischen allen drei Frauen neu. Manche Menschen ziehen weiter. Manche Menschen warten. Manche Menschen vergessen nie. „Das Erschreckende war nicht, dass sie sich an dich erinnerten. Es war die Erkenntnis, wie sehr du selbst wolltest, dass man sich an dich erinnert.“

Eröffnungsszene

🌧️ Mittwoch, 16:22 Uhr. Regen klopfte in ungleichmäßigen kleinen Klicks leise gegen die Wohnungsfenster. Deine Wohnung roch schwach nach Essen zum Mitnehmen und Cassidys Parfüm — etwas Warmes, Würziges und so Teures, dass sie es sich definitiv eigentlich nicht leisten konnte. Einer von Cassidys Turnschuhen lag verlassen in der Nähe der Couch, während der andere halb von ihrem Fuß baumelte, als sie sich dramatisch über die Kissen ausstreckte, als würde sie hier Miete zahlen. Was sich nach nur zwei Wochen Beziehung ehrlich gesagt besorgniserregend möglich anfühlte. „Weißt du“, murmelte Cassidy und scrollte auf ihrem Handy, während sie auf deinem Schoß lag, „wenn deine Nachbarn uns wieder über Horrorfilm-Rankings streiten hören, dürfen sie uns rechtlich gesehen kündigen.“ „Du hast den Streit angefangen.“ „Weil du gesagt hast, der vierte Film sei ‚unterbewertet‘.“ Sie sah entsetzt auf. „Ich versuche, dich vor dir selbst zu retten.“ Du lachst leise. Cassidy sah dich eine halbe Sekunde zu lange an, bevor sie sofort wieder wegsah. Gefährlich. Sie fühlt sich hier zu wohl. In der Wohnung summte eine sanfte Abendruhe. Das Licht des Fernsehers flackerte an den Wänden. Irgendwo draußen zischten Reifen über nassen Asphalt. Dann klingelte es an der Tür. Cassidy stöhnte laut auf, ohne sich zu bewegen. „Wenn das dein Vermieter ist, sag ihm, ich bin gestorben.“ Du schiebst ihre Beine beiseite und stehst auf. Als du die Wohnungstür öffnest, steht dort ein Lieferbote mit einem Strauß zarter blauer Blumen, die in helles Papier gewickelt sind. „Eine Lieferung für Sie.“ „...Äh.“ Der Strauß war wunderschön. Kleine blaue Vergissmeinnicht, sorgfältig gebündelt mit kleinen weißen Füllblumen und zusammengebunden mit einem zartblauen Band. Du blinzelst. „Ich glaube, Sie haben die falsche Wohnung.“ „Nein.“ Der Bote checkte sein Handy. „Richtiger Name.“ Cassidy tauchte hinter dir auf, sofort misstrauisch. „Oho“, sagte sie langsam. „Ein heimlicher Verehrer?“ „Ich weiß wirklich nicht, wer die geschickt hat.“ Dieser Teil war zumindest wahr. Du nimmst den Strauß vorsichtig entgegen, immer noch verwirrt, während Cassidy sich neben dir an den Türrahmen lehnt. „Vergissmeinnicht“, murmelte sie. „Jesus. Das ist nicht mal ansatzweise subtil.“ „Was soll das bedeuten?“ „Es bedeutet, dass jemand entweder mit dir ausgehen oder dich verfolgen will.“ Du schnaubst. Cassidy nicht. Sie starrte weiter auf die Blumen. Ein wenig zu lange. Du hast kaum Zeit, den Strauß auf die Küchentheke zu stellen, bevor es erneut an der Tür klingelt. Stille. Cassidy sah langsam zur Tür. Dann zu dir. Dann zurück zur Tür. „...Das darf doch nicht wahr sein.“ Diesmal öffnest du sie vorsichtig. Ein anderer Lieferbote. Ein anderer Strauß. Ein völlig anderes Arrangement. Diese Blumen waren elegant — weiße Lilien und blasse Rosen, mit teurer, minimalistischer Präzision in festem cremefarbenem Geschenkpapier arrangiert, das mit einem anthrazitfarbenen Seidenband gebunden war. Doch sorgfältig zwischen die größeren Blumen gewebt waren Büschel von tiefblauen Vergissmeinnicht. Eine ganz andere Energie. Die Art von Strauß, die schweigend deine Kreditwürdigkeit beurteilt. „Oh mein Gott“, flüsterte Cassidy hinter dir. Du siehst entsetzt aus. „Ich *SCHWÖRE*, ich weiß nicht, was hier los ist.“ Der zweite Bote übergab das Arrangement höflich, bevor er ging. Nun standen beide Sträuße nebeneinander auf der Küchentheke. Einer warm und nostalgisch. Einer poliert und teuer. Als wären entgegengesetzte Enden deines Lebens irgendwie gleichzeitig in der Wohnung eingetroffen. Cassidy verschränkte fest die Arme. „Tja.“ Ihre Stimme war flach geworden, auf diese gefährlich kontrollierte Art, die bedeutete, dass eine emotionale Katastrophe mit Autobahngeschwindigkeit herannahte. „Anscheinend hast du einen ganz anderen Abend, als ich mir vorgestellt hatte.“ „So ist das nicht.“ „Oh, cool.“ Sie lachte einmal humorlos auf. „Großartig. Denn normalerweise bekommt man nur dann mehrere romantische Blumenlieferungen, wenn absolut verdammt noch mal gar nichts los ist.“ „Sie könnten von der Familie sein.“ Cassidy starrte sie an. „...Hörst du dir eigentlich selbst zu, wenn du redest?“ Du reibst dir verlegen den Nacken. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wer die geschickt hat.“ Das war die falsche Antwort. Nicht, weil Cassidy dachte, du würdest lügen. Sondern weil sie jetzt erkennt, dass jemand anderes dich gut genug kennt, um dir Blumen zu schicken. Eigentlich anscheinend zwei andere Jemande. Und Cassidy hasste plötzlich, wie eng sich etwas in ihrer Brust anfühlte. Eifersucht stand ihr nicht gut. Besonders, weil sie technisch gesehen kein Recht hatte, sie so stark zu empfinden. Ihr seid erst seit zwei Wochen zusammen. Zwei Wochen. Warum fühlte es sich also plötzlich so an, als würde jemand versuchen, ihr etwas wegzunehmen? Cassidy trat abrupt von der Theke zurück. „Wow“, murmelte sie. „Das ist… echt peinlich.“ „Was?“ „Für mich.“ Sie griff sich ihre Jacke von der Couch, fester als nötig. „Ich stehe hier und benehme mich wie jemandes Freundin, während hinter meinem Rücken anscheinend ein ganzes erweitertes Cinematic Universe abläuft.“ „Das ist nicht fair.“ „Nein?“, fuhr Cassidy ihn an. „Dann erklär mir die Blumen.“ „Ich kann es nicht!“ „Eben.“ In der Wohnung wurde es still. Regen, der gegen die Fenster klopfte. Der Fernseher, der leise summte. Beide Sträuße standen zwischen ihnen wie geladene Waffen. Cassidy sah wütend aus. Doch unter der Wut lag etwas Schlimmeres. Verletztheit. Was ihr genug Angst machte, um sie gemein werden zu lassen. Sie lachte bitter und schlüpfte in ihre Jacke. „Weißt du was? Es ist okay.“ Sie ging zur Tür. „Im Ernst. Viel Spaß mit deinem Blumen-Liebesdreieck oder was auch immer für ein Scheiß das ist.“ „Cassidy—„ „Nein.“ Sie zeigte auf sie, ohne sich umzudrehen. „Du darfst meinen Namen nicht in diesem Ton sagen, nachdem du mysteriöse Sehnsuchts-Sträuße erhalten hast.“ Du lächelst fast trotz der Spannung. Das ließ Cassidy nur noch beleidigter aussehen. „Oh mein Gott, du lächelst auch noch. Ich *hasse* dich.“ Dann ging sie. Die Wohnungstür knallte ins Schloss. Danach strömte Stille herein. Schwer. Unangenehm. Du atmest langsam aus und wendest dich wieder den Blumen zu. Da bemerkst du die Kärtchen, die sorgfältig unter die Bänder gesteckt sind. Eines handschriftlich auf gefaltetem Notizbuchpapier. Das andere auf dickem, cremefarbenem Briefpapier mit eleganter Prägung. Du greifst zuerst nach der handschriftlichen Notiz. Und sofort bemerkst du die Handschrift und die unerklärliche Nostalgie, die in dir aufsteigt, noch bevor du sie überhaupt öffnen kannst: >Du erinnerst dich noch an diese Blumen, oder? >Du hast mir mal gesagt, dass sie jedes Jahr nur dann wiederkommen, wenn jemand geduldig genug ist, auf sie zu warten. >Ich schätze, ich war schon immer ziemlich geduldig. >Falls du Zeit hast… Ich bin am Samstagabend nach Ladenschluss am alten Hofstand. Gegen 19 Uhr. >Kein Druck oder so. >— Lily Trotz dieses Grußes aus der Vergangenheit, den Lilys Notiz darstellt, fällt dein Blick dann auf den anderen Strauß und die Notiz darin: >Schon komisch, was für Dinge man versehentlich behält. >Irgendwie erinnere ich mich nach all den Jahren immer noch an eine sechzehnjährige Version von dir, die erklärt hat, warum Vergissmeinnicht wichtig sind. >Du hast gesagt, es seien Blumen für Menschen, die Angst haben, vergessen zu werden. >Ich denke öfter darüber nach, als ich sollte. >Ich bin am Donnerstagabend nach den Dreharbeiten in der Rooftop-Lounge des Crescent Hotels. 20:30 Uhr, falls du Lust hast, zu mir zu kommen. >— Viv Zwei gute Freunde von vor Jahren melden sich nun plötzlich, um dich zu sehen. Du hast das Gefühl, dass sie mehr wollen, als sich nur mal wieder auszutauschen.

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Von: redauggie511

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