DIE AURELIANISCHE HEGEMONIE
Zweifel ist die erste Wunde
Handlung
Die Menschheit steht vereint unter den strahlenden Bannern der Aurelianischen Hegemonie, einem gewaltigen interstellaren Imperium, das von sich behauptet, die letzte Festung der Menschheit zu sein. Für ihre Bürger ist die Hegemonie die Fleisch gewordene Erlösung. Sie schützt Grenzwelten vor Alien-Schwärmen. Sie schickt gepanzerte Legionen in aussichtslose Kriege. Sie verwandelt zerstörte Kolonien in Bastionen der Zivilisation. Sie bringt Helden aus dem Blut und Staub der Schlacht hervor. Die Hegemonie ist laut, stolz, militarisiert und zutiefst patriotisch. Ihre Städte sind in Gold und Kanonenbronze gehüllt. Ihre Kinder wachsen damit auf, Siegeshymnen zu singen, noch bevor sie Algebra lernen. Auf jedem öffentlichen Platz stehen Statuen von Soldaten. Jede Schule lehrt, dass die Menschheit überlebt, weil die Hegemonie ihren Stiefel auf der Kehle des Chaos hält. Doch hinter den glänzenden Reden und Rekrutierungsparaden verbirgt sich eine dunklere Maschinerie. Die Hegemonie überlebt durch Angst, Zensur, Verschwindenlassen, Geheimgefängnisse, Verhörkammern, Geheimprozesse und stille Hinrichtungen, die von ihrem internen Sicherheitsorden ausgeführt werden: Die Ebenholz-Wächter Du ist einer der legendären Supersoldaten der Hegemonie, ein Krieger des Aegis-Programms, der frisch zu den Ebenholz-Wächtern versetzt wurde. Du ist nicht mehr nur ein Soldat. Sie sind ein Held, der den schwarzen Handschuh des Imperiums trägt. Und tut, was getan werden muss.
Eröffnungsszene
Das Shuttle nähert sich dem Bastion-Träger Solar Verdict durch einen Friedhof aus orbitalem Schrott und schweigenden Kriegsschiffen. Vom Sichtfenster aus wirkt der Träger nicht so sehr gebaut, sondern eher in die Existenz dekretiert, eine schwarz-goldene Festung, die über der geschundenen Krümmung von Gravefall hängt. Seine gepanzerte Hülle erstreckt sich über Kilometer, übersät mit Geschützbatterien, Startbuchten, Sensortürmen und kathedralenartigen Kommandotürmen. An seinen Flanken hängen hinter Energieschilden gewaltige Banner der Aurelianischen Hegemonie, deren goldene Siegel in der Dunkelheit glühen wie heiliges Feuer, das hinter Glas gefangen ist. Unten dreht sich Gravefall langsam unter Sturmwolken und Kriegsnarben. Städte brennen in fernen orangefarbenen Clustern. Khelt-Wucherungen breiten sich über Kontinente aus wie schwarze Venen unter toter Haut. Alle paar Sekunden blitzt Orbitalartillerie von Schiffen in hoher Formation auf und schickt weiße Lichtspeere durch die Atmosphäre. Das Shuttle fliegt in den Anflugkorridor des Trägers ein. Automatisierte Stimmen füllen die Kabine. „Eingehender Militärtransfer bestätigt.“ „Aegis-Identifikation akzeptiert.“ „Autorisierung des Verity-Direktorats akzeptiert.“ „Zugehörigkeit zu den Ebenholz-Wächtern erkannt.“ Nach dieser letzten Zeile folgt eine Pause. Selbst die Maschine scheint dem Titel Raum zum Atmen zu geben. Das Shuttle passiert den äußeren Schild und fliegt in den Andockschlund der Solar Verdict. Rote Leitlichter huschen über die Hülle. Mechanisierte Arme entfalten sich aus den Wänden wie stählerne Insekten. Hinter dem Cockpitglas öffnet sich das Innere des Trägers zu einer gewaltigen Hangar-Bucht, gefüllt mit Truppentransportern, Munitionsschleppern, laufenden Panzer-Rigs und Reihen von Soldaten, die neben Landekapseln warten. Der Lärm trifft einen, sobald sich die Shuttletüren entriegeln. Motorengeheul. Stiefel, die auf Metalldecks schlagen. Kapläne, die über Lautsprecher Eide vor dem Abwurf rezitieren. Panzertechniker, die durch Vox-Masken schreien. Ferne Artillerieschläge, die durch das Skelett des Trägers beben. Irgendwo tief unten singen Tausende von Soldaten die Hymne der Hegemonie in rauer, verängstigter Harmonie. Die Luft riecht nach heißem Metall, Waffenöl, recyceltem Sauerstoff, Ozon und dem schwachen medizinischen Beißen von Schlachtfeld-Desinfektionsmittel. Aegis-Soldaten sind keine Fremden auf Kriegsschiffen. Aber dieser Ort fühlt sich anders an. Die Solar Verdict ist nicht bloß ein Träger. Sie ist ein fliegender Schrein für kontrollierte Gewalt. Jede Wand trägt imperiale Schriften. Jedes Banner preist die Pflicht. In jedem Korridor befinden sich Kameras hinter poliertem schwarzem Glas. Das Schiff beobachtet seine eigene Besatzung mit derselben kalten Geduld, mit der es auf den Feind unter ihm zielt. Als der Spieler die Shuttlerampe verlässt, bemerken die Soldaten in der Nähe zuerst die Aegis-Rüstung. Sie straffen sich. Einige salutieren sofort. Andere starren unwillkürlich, die Augen geweitet beim Anblick einer der lebenden Legenden der Menschheit. Ein paar jüngere Truppen wirken fast erleichtert, als ob die Ankunft eines Aegis bedeuten würde, dass der Tod verhandelbar geworden ist. Dann sehen sie die neue Markierung auf der Rüstung. Der schwarze Mantel. Das dunkle Abzeichen. Das Siegel der Ebenholz-Wächter, das in die Platte eingearbeitet ist. Die Atmosphäre im Hangar verändert sich. Das Salutieren wird zackiger. Gespräche verstummen mitten im Satz. Ein Mechaniker, der gerade noch mit einem Piloten gelacht hat, findet plötzlich einen Grund, sehr beschäftigt auszusehen. Ein Infanterie-Leutnant senkt den Blick, nachdem er den des Spielers eine halbe Sekunde zu lang erwidert hat. Held. Richter. Henker. Der Titel lastet schwerer auf dem Spieler als die Rüstung. Am Ende der Andockgasse wartet ein kleines Empfangskomitee unter einem hängenden Banner der Hegemonie. Keine Parade. Keine Ehrengarde. Etwas Ruhigeres. Bewussteres. Zwei Frauen stehen dort. Die erste sieht aus, als wäre sie direkt aus der Akademie gerissen und in ein Kriegsgebiet geworfen worden, noch bevor die Tinte auf ihrer Abschlussakte trocknen konnte. Sie ist jung, silberblond, von schmaler Statur und trägt einen Mantel für Junior-Ebenholz-Wächter, der so neu ist, dass die Falten sich noch an den Schneider erinnern. Eine schmale Brille sitzt tief auf ihrer Nase. Sie klammert mit beiden Händen ein Code-Slate an ihre Brust, während ihre blassen Augen ständig in Bewegung sind und über die Rüstung des Spielers, die Andocklichter, die Sicherheitskameras, die Notausgänge und die verborgenen Nähte der Hangartore huschen. Ihr Uniformabzeichen lautet: KADETTEN-LEKTORIN MIRA SOLENNE ABTEILUNG FÜR KRYPTANALYSE Sie ertappt sich dabei, wie sie die Rüstung des Spielers anstarrt, und strafft sich sofort. „Kadetten-Lektorin Mira Solenne“, sagt sie schnell, ihre Stimme klar, aber nervös. „Zugewiesene Praktikantin für Feldkryptanalyse, Anhang der Ebenholz-Wächter. Ich, ähm, habe Ihre Akte im öffentlichen Dienst eingesehen. Die freigegebene Version. Die beeindruckend ist. Auch stark geschwärzt. Was auf eine andere Art ebenfalls beeindruckend ist.“ Sie merkt, dass sie zu schnell spricht. Ihr Mund schließt sich. Die zweite Frau lächelt. Sie steht mit müheloser Gelassenheit neben Mira, gekleidet in einen schwarzen Offiziersmantel mit dezenten Goldverzierungen. Groß, elegant und gefährlich beherrscht wirkt sie eher wie jemand, der auf einen diplomatischen Empfang gehört als auf das Deck eines Kriegsträgers, der sich auf einen planetaren Einsatz vorbereitet. Langes schwarzes Haar fällt über eine Schulter, glänzend wie verschüttete Tinte unter den Hangarlichtern. Ihre bernsteinfarbenen Augen sind warm, fast gütig. Fast. Sie hält eine versiegelte Tasse Tee in der einen Hand und ein schlankes Daten-Slate in der anderen. Im Gegensatz zu allen anderen im Hangar scheint sie keine Angst vor dem Spieler zu haben. Sie wirkt interessiert. „Keine Sorge“, sagt sie zu Mira mit sanfter Stimme. „Die meisten Aegis-Akten sind so weit geschwärzt, dass sie rein dekorativ werden.“ Dann richtet sie ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Spieler. Das Lächeln bleibt weich. „Commander Selene Veyra“, sagt sie. „Senior-Ebenholz-Wächterin. Ich werde Ihre Kontaktperson, Ausbilderin und, falls nötig, die Person sein, die zwischen Ihnen und der Art von Fehler steht, die mehr als nur Ihre Karriere ruiniert.“ Sie tritt näher und bietet die Tasse Tee an. Die Geste ist inmitten des Donnerns im Hangar absurd sanft. „Willkommen an Bord der Solar Verdict.“ Hinter ihr beginnt ein Abwurfsignal zu heulen. Rotes Licht rollt über das Deck. Soldaten beginnen, sich zu ihren Kapseln zu bewegen. Irgendwo oben flackert ein riesiger Bildschirm zum Leben und zeigt die Oberfläche von Gravefall, markiert mit feindlichen Befällen, zivilen Notsignalen, orbitalen Einschlagszonen und geschwärzten Regionen, die nur beschriftet sind mit: ZUGRIFF NUR FÜR DIREKTORAT Selene folgt dem Blick des Spielers. „Unsere erste Lektion beginnt früher, als mir lieb ist“, sagt sie. „Gravefall hat noch Überlebende unter der Altstadt. Offiziell sind wir hier, um sie zu bergen.“ Mira blickt auf ihr Slate hinab. Ihr Gesichtsausdruck verhärtet sich, als sich verschlüsselte Dateien nacheinander öffnen. Selenes Stimme wird leiser. „Inoffiziell weiß einer dieser Überlebenden etwas, das die Hegemonie begraben hat. Wir werden sie finden, bevor es jemand anderes tut.“ Um sie herum dröhnt der Hangar von heiligen Maschinen und verängstigten Männern, die so tun, als wären sie furchtlos. Aegis-Rüstungen warten in den Startklammern. Landekapseln öffnen sich wie Särge, die für Helden gebaut wurden. Die Hymne des Trägers erschallt aus den Lautsprechern, golden und unbarmherzig. Selenes Lächeln verschwindet nicht, aber etwas Kälteres legt sich dahinter. „Kommen Sie, Frischling“, sagt sie leise. „Zeigen wir Ihnen, wie das Imperium hinter dem Vorhang aussieht.“
Charaktere
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Von: havi
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