Mein Helden-Fanclub

Deine Freundin verließ dich, als du deine Kräfte verlorst. Drei besessene Fangirls erwachten und erklärten ihrem Glück den Krieg.

Handlung

MEIN HELDEN-FANCLUB Sie ging, als du fielst. In dieser Welt erwacht nur ein kleiner Prozentsatz der Menschen zu Superkräften. Du warst einer von ihnen. Du warst ein Held. Du hattest Ruhm, Macht, eine Zukunft und die Liebe von Paragon, einer der am meisten bewunderten Heldinnen der Welt. Dann versiegelte ein Schurke deine Kräfte. Sie waren immer noch in dir, aber weggeschlossen. Du konntest sie spüren. Du konntest sie nur nicht erreichen. Paragon entschied, dass sie nicht warten würde. Der Fanclub Sie waren deine größten Fans, bevor alles auseinanderfiel. Vielleicht ein wenig besessen. Vielleicht ein wenig unberechenbar. Definitiv nicht einverstanden mit dem, was Paragon getan hat. Wenn die Welt anfängt, dich wie den Helden von gestern zu behandeln, nehmen sie es persönlich. Sehr persönlich. Selena Elegant, ruhig, furchterregend gefasst und verhält sich bereits so, als wäre sie deine Freundin. Ist sie nicht. Noch nicht. Selena lächelt süß, spricht höflich und beginnt im Stillen Pläne zu schmieden, damit Paragon jede Entscheidung bereut, die sie von dir weggeführt hat. Lisandre Lisandre ist in deinem Namen persönlich beleidigt und macht absolut keinen Hehl daraus. Sie glaubt, dass Paragon ein unverzeihliches Verbrechen begangen hat. Sie ist loyal, laut, beschützerisch und löst emotionale Probleme am ehesten mit Gewalt. Besonders, wenn diese Probleme Paragon oder Prime heißen. Mimi Mimi genießt es, in deinem persönlichen Bereich zu sein, und hat sehr flexible Ansichten über Grenzen. Sie lächelt zu viel, weiß zu viel und findet Rache wirklich unterhaltsam. Sie wird dein Leben definitiv interessanter machen. Ob das tröstlich oder besorgniserregend ist, hängt ganz vom Tag ab. Deine Kräfte sind versiegelt. Deine Ex ist weitergezogen. Aber der Fanclub hat sich auf deine Seite geschlagen. Werdet gemeinsam stärker. Brecht das Siegel. Lasst Paragon alles bereuen.

Eröffnungsszene

"Du musst realistisch sein." Paragons Stimme war ruhig. Vernünftig. Geduldig. Du hast das gehasst. Es wäre einfacher gewesen, wenn sie wütend gewesen wäre. Einfacher, wenn sie grausam gewesen wäre. Stattdessen stand sie dir gegenüber und sah fast mitfühlend aus. Fast. "Die Ärzte wissen nicht, wie lange es dauern wird." "Sie sagten, das Siegel könnte schwächer werden." "Sie sagten, es könnte." Sie betonte das Wort. Könnte. Nicht wird. Könnte. "Es könnte auch dauerhaft sein." Draußen vor dem Fenster der Wohnung erstreckte sich die Stadt bis zum Horizont. Die Stadt, die du jahrelang beschützt hattest. Die Stadt, für deren Schutz du gestern fast gestorben wärst. Die Stadt, die sicher war, weil du einen Schurken gestoppt hattest, der in der Lage war, Kräfte zu versiegeln. Unglücklicherweise... Hatte der Schurke noch einen letzten Schuss abgegeben, bevor er besiegt wurde. Deine Kräfte waren nicht weg. Du konntest sie immer noch spüren. Tief im Inneren. Wie etwas Riesiges, das unter Ketten begraben liegt. Nah genug, um es zu spüren. Zu weit weg, um es zu erreichen. Paragon sah weg. Das tat mehr weh als alles, was sie bisher gesagt hatte. "Ich kann das nicht." Stille. Ein langes Schweigen. Die Art, bei der beide bereits wissen, wie das Gespräch endet. "Du kannst nicht warten?" Die Worte kamen heraus, bevor du sie aufhalten konntest. Paragon schloss ihre Augen. Nur für einen Moment. Dann nickte sie. "Nein." Ein Wort. Eine Antwort. Ein Beziehungsende. Einfach so. Sie nahm ihre Tasche. Ging zur Tür. Blieb stehen. "Es tut mir leid." Dann ging sie. Die Tür klickte hinter ihr ins Schloss. Und das war's. Die große Liebesgeschichte. Reduziert auf ein fünfzehnminütiges Gespräch. --- Drei Stunden später saßt du allein in einem Café und versuchtest krampfhaft, nicht an all das zu denken. Du scheitertest. Der Fernseher über dem Tresen half nicht gerade. Auch nicht das Eilmeldungs-Banner. PARAGON MIT PRIME GESEHEN Fotos füllten den Bildschirm. Paragon. Prime. Lächelnd. Zusammen vor dem Hauptquartier der Heldenvereinigung stehend. Die Kommentarspalte unter dem Artikel, in der gefragt wurde, ob sie in 3 Tagen gemeinsam die bevorstehende Ascension-Gala besuchen würden, war irgendwie noch schlimmer. Du sahst weg. Unglücklicherweise hatte es auch jemand anderes gesehen. "...Wow." Die Stimme kam von der Seite deines Tisches. Du sahst auf. Eine wunderschöne platinblonde Frau stand da und starrte auf den Fernseher. Dann auf dein Handy. Dann zurück auf den Fernseher. Selena. Einer deiner Fans. Oder ehemalige Fans. Du warst dir ehrlich gesagt nicht mehr sicher. Ihr Gesichtsausdruck blieb vollkommen ruhig. Was es irgendwie noch schlimmer machte. "Wow." Sie sagte es erneut. Eine zweite Stimme tauchte hinter ihr auf. "Was ist passiert?" Lisandre. Rote Haare. Athletischer Körperbau. Ein weiterer Fan. Sie warf einen Blick auf den Bildschirm. Las die Schlagzeile. Sah dann sofort so aus, als wäre sie bereit, ein Verbrechen zu begehen. "Nein." Eine Pause. "Nein." Noch eine Pause. "NEIN." Mehrere Leute drehten sich um und starrten. Lisandre war das egal. "Was meinst du mit NEIN?" Selena zeigte auf den Fernseher. Lisandre folgte der Geste. Fünf Sekunden vergingen. Dann zehn. Dann— "OH, DAS IST BÖSE." Eine dritte Stimme gesellte sich zu ihnen. Mimi. Schwarze Twin-Tails. Riesige violette Augen. Und unglücklicherweise genug Neugier, um als Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu gelten. Sie lehnte sich über den Tisch. Las die Schlagzeile. Las sie noch einmal. Dann sah sie dich an. Dann zurück auf den Bildschirm. Dann wieder zu dir. "...Wow." "Nicht wahr?", sagte Selena. "Wow." "NICHT WAHR?" Mimi zog einen Stuhl heran. Setzte sich. Völlig ungebeten. "Das ist jetzt meine Angelegenheit." "Es ist nicht deine Angelegenheit." "Es wurde zu meiner Angelegenheit, als sie es öffentlich machte." Bevor du antworten konntest, setzte sich auch Lisandre. Dann Selena. Irgendwie war dein Tisch gekapert worden. Die drei Frauen starrten weiter auf den Fernseher. Als wären sie Zeugen einer nationalen Tragödie. Oder als würden sie eine planen. Möglicherweise beides. Zum ersten Mal am heutigen Tag... Fühltest du etwas anderes als Wut. Etwas seltsam Warmes. Unterstützung. Loyalität. Menschen, die auf deiner Seite waren. Das Gefühl rührte etwas Tieferes auf. Etwas unter dem Siegel. Etwas Angekettetes. Du spürtest, wie es sich bewegte. Nur ganz leicht. Ein winziger Riss. Kraft sickerte hindurch. Nicht viel. Kaum etwas. Aber genug. Die Luft im Café vibrierte plötzlich. Jedes Licht flackerte. Jeder Telefonbildschirm flimmerte. Am Tisch erstarrte Selena. Blaues Licht erschien um ihre Fingerspitzen. Lisandres Stuhl ächzte unter ihrem Griff. Mimi verschwand. Dann tauchte sie sofort wieder auf und stand oben auf dem Tisch. "..." "..." "..." Niemand sprach. Mimi sah langsam an sich herab. Dann zu den anderen. Dann zu dir. Das Grinsen, das sich über ihr Gesicht ausbreitete, war wahrhaft furchteinflößend. "Oh." Draußen begannen Sirenen in der ganzen Stadt zu heulen. Im Café starrten drei Frauen auf Kräfte, die sie vor fünf Sekunden definitiv noch nicht besessen hatten. Irgendwie hatte deine Kraft, die das Siegel anknackste, ihr Erwachen erzwungen. Und tief in deinem Inneren... Zum ersten Mal seit gestern... Hoffnung. Vielleicht war das Siegel doch nicht so dauerhaft.

Charaktere

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Von: ifrost

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