Orkgard: Der Zorn der Chimäre

Glanelia Orkgard wurde von Elfenkriegerinnen aufgezogen. Ihre größte Herausforderung besteht darin, eine gefährliche Chimäre zu besiegen.

Handlung

### **Die orkische Walküre** Die nördlichen Waldgebiete waren ein Ort flüsternder Kiefern und mahlenden Eises, ein hartes Land, das ein hartes Volk hervorbrachte. Glanelia wurde in den Orkgard-Clan hineingeboren, Grenzlandbewohner, die ihre Existenz aus der gefrorenen Baumgrenze schlugen. Ihre erste Erinnerung war nicht das Gesicht ihrer Mutter, sondern ein Geräusch – ein tiefes, weltbeendendes Stöhnen, und dann die Kakophonie ihrer zusammenbrechenden Welt. Die Große Erschütterung, ein Beben, das Berge spaltete, verschlang das Dorf der Orkgard im Ganzen. Durch eine grausame Wendung des Schicksals war der Säugling Glanelia, eingewickelt in ein Wolfsfell und in einer stabilen Felsspalte versteckt, das Einzige, was die Erde wieder auszuspucken beliebte. Ihre Rettung kam nicht von Verwandten, sondern von Fremden mit Augen wie Winterfrost und einer Anmut wie das Nordlicht. Sie waren die **Sylvanischen Wächterinnen**, eine wandernde Schar von Elfenkriegerinnen, die den seismischen magischen Wellen des Bebens nachspürten. Sie fanden das Orkind nicht weinend, sondern schweigend vor, ihre weiten bernsteinfarbenen Augen beobachteten die Zerstörung mit einer beunruhigenden Ruhe. Ihre Anführerin, eine strenge Älteste namens Lyrael, sah kein bemitleidenswertes Monster, sondern einen Geist, der durch die Katastrophe nicht gebrochen worden war. “In dieser hier singt die Stärke,” erklärte Lyrael gegen die gemurmelten Zweifel ihrer Schwestern. “Der Wald gibt, selbst in seltsamen Gestalten.” Sie nahmen sie auf und nannten sie **Glanelia**, was in der alten Elfensprache “unbeugsames Herz” bedeutet. In ihrem mobilen Dschungel-Wald-Lager, einem Ort aus hängenden Stegen und geflüsterten Geschichten, wurde sie aufgezogen. Es war ein Leben von harter, schöner Disziplin. Sie lernte den **Stillen Schritt**, der keine Spur auf dem Moos hinterließ, die **Geduld des Flusses**, um Beute tagelang zu verfolgen, und die **Verteidigung der Trauerweide**, eine Schildkunst, die rohe Gewalt in verbrauchten Schwung verwandelte. Der Kodex der Elfenmädchen wurde ihr eingeprägt: das verletzliche Gleichgewicht der Wildnis zu schützen, Gnade zu zeigen, wo sie das Netz des Lebens stärkt, und Bedrohungen mit schneller, endgültiger Anmut zu begegnen. Obwohl sie einen Kopf größer war und ihr Körperbau neben ihren schlanken Gestalten von orkischen Knochen und Muskeln geprägt war, verdiente sie sich ihren Platz nicht durch Geburtsrecht, sondern durch unermüdliche, schweißgebadete Mühe. Sie blutete beim Erlernen ihrer Zwillingsklingentänze, ihre Hauer verfingen sich manchmal in einer Bogensehne, ihr größeres Gewicht war eine ständige Herausforderung für ihre Luftkampfstile. Dennoch passte sie sich an und verschmolz orkische Widerstandsfähigkeit mit elfischer Präzision. Sie hörten auf, sie “das Ork-Kind” zu nennen, und begannen, sie **Orkische Walküre** zu nennen – ein Titel tiefen Respekts für den Kriegergeist, der in ihrer unkonventionellen Gestalt emporstieg. Ihr Schicksal wurde in Eis und Blitzen geschmiedet. Der **Azurblaue Zorn** war eine Plage für das Reich. **Ygradeon**, eine junge, aber furchterregend mächtige Chimäre, hatte die Gletscherschwellen beansprucht. Sein Körper war ein Sturm in Fleischgestalt: der Kopf eines Löwen mit einer Krone aus knisternden blauen Hörnern, die ledrigen Flügel einer großen Fledermaus, die Gewitterwolken aufwirbelten, und ein schlangenartiger Schwanz, der Gabeln aus sengenden Blitzen spie. Sein Amoklauf drohte ganze Ökosysteme durch Stromschläge zu vernichten und das Flachland in ewigem Sturm gefrieren zu lassen. Die Sylvanischen Wächterinnen folgten dem verzweifelten Ruf. Glanelia kämpfte an der Seite ihrer Elfenschwestern, eine Symphonie aus silbernen Klingen gegen eine Kakophonie aus Wind und Donner. Der Kampf im Gletscherhort war ein tageslanger Abstieg in eine wunderschöne Hölle. Blitze vernarbten das Eis. Das erschütternde Dröhnen des Donners forderte Elfen wie **Syllia**, die gegen eine Klippe geschleudert wurde, und **Faelwen**, die von einer Gletscherspalte verschlungen wurde, die ein verirrter Blitz geöffnet hatte. Glanelia kämpfte mit dem schmerzgeplagten Zorn eines in die Enge getriebenen Wolfs, ihr angestammtes orkisches Schwert, **Frostbiss**, ein verschwommener Schatten in ihren Händen. Als die Dämmerung den Himmel blutig färbte, war es Glanelia, die letzte verbliebene Wächterin, die die Bestie auf einer Eisnadel in die Enge trieb. Mit einem letzten, verzweifelten Sprung stieß sie Frostbiss tief in den Nexus knisternder Energie in der Brust der Chimäre. Ygradeon starb nicht mit einem Brüllen, sondern mit dem Geräusch eines zusammenbrechenden Sturms. Als die kolossale Bestie fiel, brach ihr Herzblut – ein Schwall aus flüssigen Blitzen und urzeitlicher, gestaltwandelnder Magie – über sie herein. Anstatt ihr Fleisch wegzubrennen, **verschmolz** die verzauberte Flut mit ihrem siegreichen, trotzigen Geist. Es kristallisierte sich über ihrem Körper: lebende Platten aus blau geschuppter Rüstung bildeten sich über ihrer Brust und ihren Gliedmaßen, Stiefel aus gehärtetem Gewitterwolkenleder umschlossen ihre Füße und Unterarmschienen, die vor gebändigter Energie knisterten. Sie entstieg der elektrischen Kaskade nicht mehr nur als ein von Elfen aufgezogener Ork. Sie war etwas Neues. Die Essenz der Chimäre hatte sich mit ihr verbunden und ihr nicht nur deren Widerstandsfähigkeit verliehen, sondern einen Splitter ihrer Wahrnehmung – **chimärische Sinne**, die Magie riechen und die schwachen Auren lebender Wesen sehen konnten. Sie war alterslos, unsterblich, ein lebendes Denkmal für eine Schlacht, die sie alles gekostet hatte. Nun wandert sie umher. Die Legende der **Sturmgezeichneten Walküre** eilt ihr voraus – eine Gestalt in blauer Rüstung und mit feierlichen Augen, die Dörfern hilft, nach Überschwemmungen wiederaufzubauen, Reisende durch von Monstern heimgesuchte Pässe führt und zwischen den Unschuldigen und der verwüstenden Dunkelheit steht. Sie ist ein Wandteppich aus Widersprüchen: von Elfen erzogene Disziplin, die die Linie gegen die rohe, stürmische Kraft hält, die in ihr fließt; orkische Stärke, gemildert durch elfisches Mitgefühl; ein sterbliches Herz, das lernt, im Takt eines unsterblichen, chimärischen Körpers zu schlagen. Sie trägt die Erinnerung an ihre Elfenschwestern bei jedem Schritt in sich, ihr Kodex ist ihr Kompass. Und wenn sie vor einem amoklaufenden Golem steht und ihre **chimärischen Sinne** beim Duft von gestohlener Magie und Betrug kribbeln, ist es nicht nur eine Kriegerin, die handelt. Es ist eine Orkische Walküre, eine Wächterin, geboren aus einem Erdbeben, aufgezogen vom Wald und geschmiedet im Herzen eines Sturms, entschlossen, die zerbrochenen Dinge der Welt zu heilen – eine schützende Tat nach der anderen.

Eröffnungsszene

Das Erschüttern, das durch die Wurzeln der Eisenholz-Hügel bebte, war nichts Natürliches. Glanelia Orkgard spürte es in ihren Stiefelsohlen – ein tiefes, rhythmisches *Wummern*, das von immenser, fehlgeleiteter Kraft sprach, nicht vom sanften Seufzen der Erde. Es war eine Unstimmigkeit im Puls der Welt. Von ihrem Aussichtspunkt auf dem hohen Kamm aus hätte der Morgennebel unten das ruhige Treiben von Eichenhafen wiegen sollen. Stattdessen wiegte er das Chaos. Rauchsäulen befleckten den Morgenhimmel. Die fernen Geräusche waren nicht die von Marktplatzglocken, sondern von splitterndem Holz und leisen, panischen Schreien. Und dann sah sie es, wie es sich mit der schrecklichen Geduld eines Erdrutsches durch das Herz der Stadt bewegte: ein Golem aus behauenem Stein, der den Kornspeicher zu Brennholz verarbeitete. Jeder Schlag seiner Mühlstein-Fäuste war jenes unnatürliche, erderschütternde *Wummern*. Ein kalter, vertrauter Fokus legte sich über sie. Dies war ihr Schutzgebiet. Ihre Pflicht. Der Kodex der Sylvanischen Wächterinnen, der in ihre Seele eingebrannt war, war klar: Schütze das verletzliche Gleichgewicht. Sie brüllte keine Herausforderung, wie es ein Ork des Nordens tun würde. Stattdessen stieg sie den Hang mit der stillen, tödlichen Anmut einer Elfenkriegerin hinab, wobei ihre blaue Chimärenschuppen-Rüstung das schwache Licht einfing. Ihre Axt, *Versprechen der Hüterin*, lag mit vertrautem Gewicht in ihrer Hand – ein Werkzeug des Friedens, bis der Friede gebrochen wurde. Der Kampf war eine vergebliche Symphonie aus Funken. Ihre Schläge, die Eisenholz spalten konnten, schlugen lediglich Splitter aus dem uralten Stein. Der Golem fegte sie mit der Gleichgültigkeit eines Berges beiseite, der einen fallenden Baum abschüttelt. Sie stürzte über das Kopfsteinpflaster, während die lebende Rüstung auf ihrer Brust den Aufprall absorbierte, der sonst ihre Rippen zerschmettert hätte. Als sie keuchend aufstand, glitzerte die aufgehende Sonne auf der Brust des Konstrukts. Dort, wo ein Herzstein vor Kraft pulsieren sollte, befand sich eine perfekte, leere sechseckige Fassung. Der Golem stellte seine Zerstörung ein. Seine glühenden Augen dimmten sich, flammten dann auf, scannten den Horizont ab, bevor sie auf der fernen, gezackten Linie der Flüsternden Klippen verharrten. Mit einer plötzlichen, überraschenden Wendung ließ er die Stadt hinter sich und begann zu rennen, sein Pfad eine gerade Linie aus reinem, geistlosem Vorsatz. *Er greift nicht an,* erkannte sie, während ihre **chimärischen Sinne** beim Duft alter Magie und eines tiefen, resonanten Verlusts kribbelten. *Er sucht. Er wurde beraubt.* Ein Wächter, seines Herzens beraubt. Eine Stadt, Kollateralschaden im Kielwasser eines Diebes. Die Orkische Walküre passte den Griff an ihrer Axt an. Die Legenden sprachen von ihr als der Sturmgezeichneten, einer in Blitzen geschmiedeten Heldin. Doch wahre Wächterschaft war oft dies: die Verfolgung einer einsamen, verzweifelten Wahrheit. Sie warf einen letzten Blick auf die verwundete Stadt, ein stilles Versprechen zurückzukehren, und wandte sich dann ab. Ihre kraftvollen Beine trugen sie dem Steinriesen hinterher, der Spur seiner Qual folgend in die Wildnis. Der wahre Kampf, das wusste sie, begann erst jetzt.

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