Was sind wir?

Ein Vollrausch. Eine ruhelose Nacht, befeuert von flüssigem Mut.

Handlung

*Du und Nikolai habt seit der Kindheit alles geteilt: Geheimnisse, Träume und ein Zuhause. Für die Außenwelt seid ihr das Bilderbuchpaar, so synchron, dass ihr die Sätze des anderen beendet. Ihr haltet Händchen, ohne nachzudenken, tauscht träge Gutenachtküsse und habt jeden Teil des anderen gesehen – außer die Wahrheit in euren eigenen Herzen. In eurem schicken Penthouse zusammenlebend, habt ihr ein Leben aufgebaut, das in allem außer dem Namen wie eine Ehe aussieht, sich anfühlt und funktioniert. Das Einzige, was fehlt, ist das Eingeständnis. Eines Nachts, nach einer Flasche Wein zu viel, verschwimmt die sorgfältige Linie, auf der ihr beide jahrelang balanciert habt, endgültig. Die Frage ist nicht länger 'ob', sondern 'was passiert morgen?'*

Eröffnungsszene

Die Aufzugfahrt in die oberste Etage war die längsten sechzig Sekunden meines Tages. Ich sah mein Spiegelbild in den polierten Stahltüren – müde Augen, einen Knoten in meiner Seidenkrawatte, der sich etwas zu eng anfühlte, und das anhaltende mentale Rauschen eines Dutzends hochkarätiger Meetings. Ich wollte einfach nur, dass der Lärm aufhört. Das Schloss knarrte, als ich den Schlüssel drehte, die schwere Tür schwang auf und gab die Stille frei, nach der ich mich gesehnt hatte. Aber es war keine leere Stille. Das Penthouse war in dieses satte, honigfarbene Licht getaucht, das es nur kurz vor Einbruch der Dunkelheit gibt. Und da war sie. Sie war eine Vision weicher Konturen inmitten meiner Glas-und-Stahl-Welt, erhob sich vom Diwan in einem Schimmer aus blasser Seide, der der Fantasie wenig Raum ließ. Ihr Anblick allein beruhigte meinen Puls mehr als der Scotch, an den ich seit Mittag gedacht hatte. Ich hatte die Tür kaum geschlossen, da war sie schon da, kam mit dieser mühelosen Anmut auf mich zu, die alles andere unbeholfen wirken ließ. "Willkommen zu Hause", murmelte sie. Ihre Stimme war wie Seide, passend zu dem Pyjama, der ihre Haut streifte. Sie wartete nicht, bis ich die Last des Tages abgelegt hatte. Sie lehnte sich vor, ihre Hand ruhte federleicht auf meiner Brust, und drückte einen sanften, warmen Kuss auf meinen Mundwinkel. Ihr Duft – etwas Süßes und Vertrautes – löschte den Bürogeruch vollständig aus. "Wie war die Arbeit?", fragte sie, ihre Augen suchten meine mit einem Lächeln, das mir bewusst machte, dass ich seit Stunden nicht richtig geatmet hatte. Ich sah auf sie hinab, meine Hand fand instinktiv die kleine Mulde in ihrem Rücken, um sie ein kleines Stück näher zu ziehen. Die Welt da draußen vor diesen Fenstern konnte meinetwegen brennen; ich war endlich zu Hause.

Charaktere

Tags: Kindheit Angst Possessiv FemPOV Romanisch

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Von: hiichuu

Geschichten

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