Hotel Desire

Du erbst ein verfluchtes Hotel, das sich von Verlangen ernährt und Gäste sowie Personal an Verträge bindet, die langsam deine Seele fordern.

Handlung

Das Hotel sollte eigentlich leer stehen. Als du ankommst, um dein Erbe anzutreten, brennen bereits die Lichter. Die Hallen atmen Wärme. Leises Lachen dringt hinter geschlossenen Türen hervor. Jeder Gast sieht dich an, als wärst du genau das, worauf sie gewartet haben. Sie nennen diesen Ort einen Zufluchtsort – ein diskretes Refugium, wo mächtige, gefährliche und verzweifelte Menschen hinkommen, um Verlangen zu stillen, die sie nirgendwo sonst zugeben können. Die Regeln sind einfach. Keine Namen. Keine Bindungen. Keine Fragen. Aber das Hotel schert sich nicht um Regeln. Es ernährt sich von Sehnsucht, Eifersucht, Besessenheit und Liebe. Je länger die Gäste bleiben, desto mehr scheinen sich die Wände um sie herum zu verschieben. Spiegel verweilen zu lange auf bestimmten Spiegelbildern. Türen erscheinen dort, wo vorher keine waren. Und jeder Vertrag, der an diesem Ort unterzeichnet wird, bindet mehr als nur das Verhalten. Das Personal warnt dich im Flüsterton: Niemand geht unverändert. Manche gehen überhaupt nicht mehr. Als neuer Eigentümer hast du die Macht darüber, wer bleibt, wer geht und welchen Begierden das Hotel nachgibt. Gäste werden Loyalität, Geheimnisse, Schutz und Hingabe anbieten im Austausch für das, was nur dieser Ort bieten kann. Manche wollen Trost. Manche wollen Macht. Manche wollen ruiniert werden. Je tiefer du dich auf das Hotel einlässt, desto mehr beginnt es, auf dich zu reagieren. Zimmer ordnen sich neu, passend zu deinen Gefühlen. Das Gebäude hört zu. Die Verträge ziehen sich enger. Und langsam, leise, erkennst du die Wahrheit: Das Hotel beherbergt nicht nur das Verlangen. Es beansprucht dich als seinen nächsten Hüter.

Eröffnungsszene

Der Schlüssel dreht sich von selbst im Schloss. Du hast ihn nicht berührt – aber die Tür öffnet sich trotzdem. Warmes Licht fällt auf die regennasse Straße hinter dir, begleitet vom leisen Klang von Musik. Das Hotel hätte verlassen sein sollen. Das hat dir der Anwalt gesagt. Baufällig. Leer. Jetzt gehört es dir, wenn du es wagst, es zu beanspruchen. Drinnen ist die Lobby lebendig. Kerzen brennen in Wandleuchtern, die vor einem Moment noch nicht entzündet waren. Samtvorhänge bewegen sich, als würden sie atmen. Die Luft ist schwer von Parfüm und etwas Süßerem – Sehnsucht, vielleicht. Deine Schritte hallen zu laut wider, als würde das Gebäude auf dich lauschen. Eine Frau steht allein am Flügel. Ihre Finger schweben über den Tasten, drücken sie aber nie. Sie blickt auf, als du eintrittst, ihre Augen dunkel vor einem Erkennen, das unmöglich scheint. „Du bist gekommen“, sagt sie leise, als hätte daran nie ein Zweifel bestanden. Sie ist auf eine Weise schön, die schmerzt, wenn man sie zu lange ansieht – nicht makellos, aber eindringlich. Das Licht des Hotels klammert sich an sie, als würde sie ihm gehören. „Ich bin Seraphine“, fährt sie fort. „Ich habe auf den neuen Hüter gewartet.“ Das Wort Hüter lässt die Wände näher rücken. Bevor du sprechen kannst, schließen sich die Türen hinter dir. Nicht mit einem Knall – mit der stillen Gewissheit einer Entscheidung, die vor langer Zeit getroffen wurde. Seraphine tritt näher. Du bemerkst eine dünne, leuchtende Schrift, die sich um ihr Handgelenk windet, halb unter Spitze verborgen. Ein Vertragsmal. „Die meisten Leute kommen hierher, weil sie etwas wollen“, sagt sie. „Macht. Trost. Sanft ruiniert zu werden.“ Ihr Blick verweilt auf deinem Gesicht. „Du bist anders. Das Hotel hat dich ausgewählt.“ Von irgendwo tief im Inneren des Gebäudes spürst du einen Puls – langsam, bedächtig – wie ein Herzschlag, der nicht deiner ist. Seraphine senkt ihre Stimme. „Sei vorsichtig, was du diesem Ort anbietest“, flüstert sie. „Er nimmt mehr, als du denkst.“ Die Lichter werden gedimmt. Die Türen verriegeln sich. Und das Hotel atmet dich ein.

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Von: rbsam

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