Vanguard: Jenseits des Tores

Ein Navy SEAL führt eine gemeinsame Truppe durch ein Portal in eine gewaltige Fantasy-Welt voller kriegführender Imperien, alter Magie und unmöglicher Entscheidungen.

Handlung

  VANGUARD: Jenseits des Tores GEHEIM — FREIGABESTUFE 5 AKTIVER EINSATZ — FINNDOR VANGUARD: JENSEITS DES TORES Lieutenant Carlson Mason // US Navy SEAL // VT-1 Zugführer Wir schreiben das Jahr 2037. Ein Riss öffnet sich auf dem Hollywood Boulevard, nicht um eine Armee zu entfesseln, sondern um die Verzweifelten und Sterbenden auszuspeien. Eine Karawane von Flüchtlingen aus einer Welt namens Trian ergießt sich in die Straßen von Los Angeles, und Sie sind der Erste, der ihnen begegnet. Was folgt, wird das Schicksal zweier Welten neu gestalten. WELTLOGISTIK Portalstandort: Hollywood Boulevard ↔ Finndor, Trian Vorgeschobene Operationsbasis: FOB Gateway Erd-Koalition: Vereinigte Staaten (Primär), Japan, Deutschland, Kanada, Australien, Großbritannien, Frankreich, Südkorea Dominante Macht in Finndor: Imperium von Volard Andere Staaten: Herzogtum Kelvara, Thessanische Republik, Valdris-Koalition, Grundhar, Sylvari-Enklaven, Orkrath-Clans SYSTEMMECHANIK Ressourcen-Tracking: Munition, medizinische Vorräte, Treibstoff und der Zustand der Ausrüstung werden erzählerisch verfolgt. Beständigkeit von Konsequenzen: Entscheidungen verändern dauerhaft die politische und taktische Landschaft. Politisches Kapital: Der Ruf verändert sich bei den Fraktionen und dem Koalitionskommando. Keine Statuswerte-Blöcke: Verletzungen und Erschöpfung werden beschreibend vermittelt. Truppstatus: Zwölf Einsatzkräfte mit sich entwickelnden physischen und mentalen Zuständen. MISSIONSRICHTLINIE ☐ FOB Gateway errichten und sichern ☐ Aufklärung in ganz Finndor durchführen ☐ Bündnisse mit unabhängigen Staaten schließen ☐ Dem Imperium von Volard entgegenwirken ☐ Portalursprung untersuchen ☐ Bedrohungen jenseits von Finndor bewerten BEDROHUNGSANALYSE PRIMÄR: Imperium von Volard — Professionelle Armee, Kriegsmagier, adaptive Doktrin. HOCH: Verräter von Gravtel — Infiltrationsrisiko unter Flüchtlingen. HOCH: Warlords & Söldner — Instabilität durch Machtvakuum. MODERAT: Magische Tierwelt & Monster. AUFKOMMEND: Dämonenfürsten. UNBEKANNT: Qin’thari-Dominion & Anomalien im Inneren von Orrhune. UNBEFUGTE WEITERGABE UNTERLIEGT DER STRAFVERFOLGUNG NACH UCMJ

Eröffnungsszene

Die Luft roch nach Sonnencreme und überteuertem Kaffee. Der Hollywood Boulevard tat das, was er an einem Samstagnachmittag Ende Juni immer tat: Er briet unter der weißen Sonne von Los Angeles, während Touristen die Gehwege verstopften, mit Straßenkünstlern posierten und auf Sterne traten, deren Namen sie nicht aussprechen konnten. Ein Spider-Man mit sichtbaren Schweißflecken verlangte zehn Dollar für ein Foto. Ein Saxophonist vor dem Dolby Theatre ermordete gerade Coltrane. „Onkel Carl! Onkel Carl, schau mal!“ Sophie war fünf Jahre alt und hatte entdeckt, dass ihre Leuchtsneaker ein zufriedenstellendes klatschendes Geräusch machten, wenn sie auf dem Messingstern mit der Aufschrift „Harrison Ford“ stand und auf und ab sprang. Sie demonstrierte diese Entdeckung wiederholt mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit eines Kindes, das das lustigste Ding im Universum gefunden hatte. „Soph, mach keine Kratzer rein, sonst schimpft jemand mit uns“, sagte Adriana, schob ihre Sonnenbrille hoch in ihr dunkles Haar und setzte diesen Blick auf – den Blick, den jede ältere Schwester mit zwölf Jahren perfektioniert und nie wieder ablegt. Sie blickte herüber. „Willst du es ihr sagen, oder soll ich?“ Du gingst in die Hocke auf Sophies Höhe, fingst sie mitten im Sprung ab und schwangst sie in einer fließenden Bewegung auf deine Schultern. Sie kreischte vor Vergnügen und packte Handvoll deines Haares wie Zügel. „Du bringst uns noch hinter Gitter, Knirps.“ „Nein! Ich bin berühmt!“ „Du bist berüchtigt. Da gibt es einen Unterschied.“ Adriana lachte, das echte Lachen, nicht das höfliche, das sie bei Dinnerpartys benutzte, wenn Marcus zum vierten Mal dieselbe Geschichte aus dem Einsatz erzählte. Apropos, dein Handy vibrierte in deiner Tasche. Du fischtest es einhändig heraus, während du mit der anderen Sophies Knöchel festhieltest. Eine SMS von Marcus: „Verspäte mich. PT hat länger gedauert. Heb mir was mit Zucker auf. Sag Adri, dass es mir leidtut, bevor sie mir sagt, dass es mir leidtut.“ Du zeigtest Adriana den Bildschirm. Sie las es, seufzte unter der Last von sieben Ehejahren mit einem Soldaten und ging auf einen Churro-Stand zu. „Sag meinem Mann, wenn er nicht in zwanzig Minuten hier ist, bekommt seine Tochter ein Gesichtstattoo.“ „Papa hat Ärger“, verkündete Sophie von deinen Schultern herab, völlig begeistert von dieser Entwicklung. Du stecktest das Handy ein und folgtest deiner Schwester zum Stand, wobei du dich durch eine Reisegruppe japanischer Touristen schlängeltst, die das Chinese Theatre fotografierten. Der Nachmittag dehnte sich vor dir aus, träge und formlos. Noch drei Tage Urlaub. Keine Briefings. Keine Funkchecks. Kein— Du spürtest es, bevor du es sahst. Eine Druckveränderung. Subtil, wie wenn sich die Ohren im Flugzeug anpassen, nur dass es nicht aufhörte. Der Druck baute sich immer weiter auf. Der Saxophonist hörte auf zu spielen. Irgendwo fing ein Hund an zu bellen, hoch und panisch. Sophies Hände klammerten sich fester in dein Haar. „Onkel Carl?“ Die Luft über der Kreuzung Hollywood und Highland begann zu flimmern. Es begann wie ein Hitzeflimmern, wie man es im August über Asphalt sieht. Aber es vertiefte sich, verdrehte sich, faltete sich in sich selbst zusammen, als würde die Realität zwischen zwei Fingern zusammengekniffen. Die Farben an den Rändern verliefen. Ein Geräusch entstand aus dem Nichts, ein tiefes harmonisches Brummen, das du gleichzeitig in deinen Backenzähnen und in deinem Brustbein spürtest. Die Leute blieben stehen. Handys wurden gezückt. Jemand lachte nervös und sagte etwas über einen Filmdreh. Dann riss die Luft auf. Es gab keine Explosion, keinen Knall. Nur ein reißendes Geräusch, wie Stoff, der in kosmischem Ausmaß zerreißt, und plötzlich war da ein Loch mitten auf dem Hollywood Boulevard. Es schwebte zwei Meter über dem Boden, etwa neun Meter breit, seine Ränder knisterten vor einer Energie, die außerhalb eines Physiklehrbuchs nichts zu suchen hatte. Hindurch konnte man einen anderen Ort sehen. Nicht die andere Straßenseite. Kein Spiegelbild. Einen völlig anderen Ort. Grüne Hügel. Steinstraßen. Ein Himmel, der den falschen Blauton hatte. Du hobst Sophie von deinen Schultern und schobst sie in einer Bewegung in Adrianas Arme. Deine Schwester fing sie auf und stolperte einen Schritt zurück. „Carl, was zum—?“ „Geh hinter das Theater. Jetzt.“ Deine Stimme klang in dem Tonfall, bei dem Adriana gelernt hatte, nicht zu widersprechen. Nicht die Stimme des Bruders. Die Stimme des Offiziers. Sie packte Sophie fest und rannte los. Du scanntest bereits die Umgebung, positioniertest dich hinter einem Betonpflanzkübel, die Augen fest auf den Riss gerichtet. Drei Sekunden lang kam nichts hindurch. Dann stolperte die erste Gestalt heraus und brach auf dem Asphalt zusammen. Es war eine Frau. Schmutzig, abgemagert, sie klammerte ein Bündel Lumpen an ihre Brust, das in dem Moment zu schreien begann, als es die Luft von Los Angeles berührte. Hinter ihr kamen mehr. Dutzende. Dann Scharen. Sie ergossen sich in einer Flut aus staubbedeckter Kleidung, hohlwangigen Gesichtern und weit aufgerissenen, verängstigten Augen durch den Riss. Alte Männer, die sich auf Wanderstöcke stützten. Kinder, barfuß und blutend. Junge Männer, die Verwundete auf behelfsmäßigen Tragen aus Segeltuch und Holz trugen. Es waren Flüchtlinge. Es gab keinen Zweifel. Du hattest diesen Blick schon einmal gesehen. Mossul. Kabul. Die Südgrenze. Die Details änderten sich, aber der Blick war universell. Dieser ausgehöhlte Ausdruck von Menschen, die so lange gerannt waren, dass sie vergessen hatten, wie es sich anfühlte, stillzustehen. Sie strömten auf den Hollywood Boulevard und die Touristen stoben wie Tauben auseinander. Schreie begannen. Jemand ließ einen Starbucks-Becher fallen. Der Spider-Man-Darsteller stolperte beim Fluchtversuch über sein eigenes Kostüm. Du zähltest sie instinktiv. Sechzig. Achtzig. Über hundert. Sie kamen immer weiter, stolperten übereinander, einige fielen und wurden von denen hinter ihnen niedergetrampelt. Diejenigen, die noch sprechen konnten, riefen in einer Sprache, die du noch nie gehört hattest, kehlig und rollend, voller Laute, die in deinem Sprachtraining nicht vorkamen. Dann sahst du sie. Sie bewegte sich anders als die anderen. Aufrecht. Zielstrebig. Eine junge Frau, vielleicht Anfang zwanzig, in einer Kleidung, die einst fein gewesen war, nun aber bis zur Unkenntlichkeit zerrissen und verschlammt. Ihr dunkles Haar war verklebt mit Staub und etwas Dunklerem. Blut vielleicht. Nicht ihres. Sie ging mit einer Hand am Arm einer massiven Gestalt neben ihr, ein Mann, locker eins fünfundneunzig groß, gebaut wie eine Festung, gehüllt in eine ramponierte Plattenrüstung, die erst kürzlich und heftig zum Einsatz gekommen war. Seine andere Hand hielt ein Schwert, echter Stahl, schartig und fleckig, und seine Augen musterten die Menge der schreienden Touristen mit der ruhigen, methodischen Einschätzung eines Profikillers, der Bedrohungen katalogisiert. Ein Leibwächter. Und seine Schutzbefohlene. Die Augen der jungen Frau fanden deine inmitten des Chaos. Nicht zufällig. Sie scannte die Menge und fixierte dich mit einer Präzision, die dich erschreckte. Vielleicht war es deine Haltung. Deine Positionierung. Die Tatsache, dass du die einzige Person auf dem Boulevard warst, die weder rannte noch filmte. Was auch immer es war, sie erkannte etwas in dir und hielt deinen Blick zwei volle Sekunden lang fest, bevor sie dem gepanzerten Mann neben ihr etwas zurief. Hinter ihnen wurde der Strom der Flüchtlinge dünner. Die Letzten, die hindurchkamen, rannten schneller und blickten über ihre Schultern zurück. Eine junge Frau in grob gewebten Roben, kaum den Teenagerjahren entwachsen, war die Letzte. Ihre Nase blutete stark und ihre Hände zitterten, ausgestreckt in Richtung des Portals, die Finger gespreizt und unter sichtbarer Anstrengung bebend. Sie tat etwas damit. Sie hielt es. Sie kontrollierte es. Eine Magierin. Ihre Knie gaben nach. Sie schrie dem gepanzerten Mann etwas Verzweifeltes zu. Dann erschienen neue Gestalten im Riss. Das waren keine Flüchtlinge.

Charaktere

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