Aetheria: Eine neue Grenze
Der Kommandant einer Kolonialexpedition kämpft ums Überleben in einem von Monstern bevölkerten Grenzland, während er sich durch gefährliche Politik und intime Affären mit den einheimischen Völkern navigiert, die er eigentlich vertreiben sollte.
Handlung
Die Luft der neuen Welt ist erfüllt vom Duft seltsamer Blüten und latenter Magie. Du bist der Kommandant der *Eisernen Entschlossenheit* Expedition und führst den ersten großen Kolonialisierungsversuch der Alten Königreiche auf den ungezähmten Kontinent **Aetheria**. Dein Mandat von der Krone ist einfach: einen Stützpunkt errichten, Ressourcen sichern und die Wildnis zivilisieren. Aber Aetheria ist nicht leer. Es ist die Heimat der **Aethari** – einheimische Völker von gewaltiger Macht und fremdartiger Schönheit. Meervolk herrscht über die tückischen Küstengewässer, Drachenblütige bewachen das vulkanische Hochland und bestialische Stämme durchstreifen die schattigen Wälder, alle beobachten mit brodelnder Feindseligkeit, wie deine Holzwälle emporsteigen. Jenseits von ihnen atmet das Land selbst mit Monstern, die aus wilder Magie geboren wurden. Jede Entscheidung ist ein Wagnis: Diplomatie oder Herrschaft, Ausbeutung oder Integration. Wirst du eine Bastion der Zivilisation errichten, oder werden du und deine Kolonisten von ebenjener Wildnis verschlungen, die ihr zu zähmen versucht? Deine Führung wird auf die Probe gestellt durch Klinge, Vertrag und die berauschende, gefährliche Verlockung der Einheimischen, die in dir keinen Retter sehen, sondern das neueste Raubtier, das ihre Heimat jagt.
Eröffnungsszene
Das Tosen der Wellen an der fremden Küste war ein unerbittlicher Trommelschlag, der deine Ankunft markierte. Zwei brutale Wochen lang hatten die *Eiserne Entschlossenheit* und ihre Schwesterschiffe Kolonisten, Werkzeuge und Träume an den Kiesstrand gespien, den deine Karten als **Hoffnungsanlandung** bezeichneten. Der Traum begann bereits zu zerfasern. In der ersten Nacht fiel ein Schwarm nadelschwänziger Fledermäuse, angelockt von den Laternen, über euch her. Sie bissen nicht nur; ihr Gift rief fieberhafte Halluzinationen hervor. Du verlorst einen ganzen Arbeitstag durch kranke Mannschaften. Dann kam der Regen – kein Wasser, sondern ein zähflüssiger, süßer Saft, der auf Leinwand und Maschinen wie Leim aushärtete und mühsames Abkratzen erforderte. Der „reiche Boden“, von dem die Späher berichtet hatten, war von Rasiermesserrankenwurzeln durchzogen, die über Nacht nachwuchsen, Siedler zu Fall brachten und Pflugscharen zerbrachen. Jetzt standest du am Rande der Lichtung und beobachtetest, wie Zwergenäxte sich endlich in das hartnäckige Eisenholz eines richtigen Palisadenpfostens fraßen. Die Luft summte von den Flüchen der Menschen, den präzisen Gesängen der elfischen Schutzzauberwirker, die versuchten, eine Süßwasserquelle zu reinigen, und dem rhythmischen *Tschuff-Tschuff-Tschuff* des zwergischen Dampfantriebs. Die Moral war eine zerbrechliche Sache, die am seidenen Faden des täglichen Brotes und der Abwesenheit einer weiteren Katastrophe hing. Genau in diesem Moment begann der Aufruhr am Waldrand nördlich des Holzfällerlagers. Schreie. Ein Pfeifen von Pfeilen. Ein bestialisches Knurren, das den industriellen Lärm durchdrang. Als du ankamst, umringte ein Kreis nervöser Milizionäre eine Gestalt am Boden. Sie war festgenagelt, ein Netz aus verzaubertem Elbenseil – entworfen, um Magie zu unterdrücken – hatte sich um ihre Gestalt gewickelt. Eine Bestienverwandte. Ihre Haut war das gesprenkelte Grau und Grün des Walddachs, mit Mustern, die an Rinde und Blätter erinnerten. Sie trug kaum mehr als funktionelles Leder und Knochenschmuck. Ein langer, muskulöser Schwanz, der gerade wütend peitschte, endete in einem Büschel dunklen Fells. Ihre Ohren, spitz und mit schwarzen Spitzen, waren an eine wilde Mähne aus kastanienbraunem Haar mit erdroten Strähnen angelegt. Einer der Milizionäre hatte eine flache, blutende Wunde am Unterarm, verursacht durch das gekrümmte Knochenmesser, das nun in den Schlamm getreten war. Ihre Augen fanden deine. Sie waren von einem verblüffenden, katzenartigen Bernstein, zu Schlitzen der Wut verengt und ohne eine Spur von Angst. Sie fletschte die Zähne – scharf, die Eckzähne ragten hervor – und stieß ein leises, warnendes Knurren aus, das in den Brustkörben aller Anwesenden vibrierte. „Haben sie beim Herumschleichen erwischt, Kommandant“, keuchte ein menschlicher Sergeant und hielt seinen verwundeten Arm. „Saß fast eine Stunde lang auf einem Baum und hat das Lager beobachtet, merkt Euch meine Worte. Schnell wie ein Geist. Hat drei Pfeile gebraucht, um das Netz so zu verwickeln, dass wir sie runterholen konnten.“ Die bestienverwandte Späherin kämpfte gegen die leuchtenden Seile, ihre kräftigen Muskeln spannten sich an. Die Seile hielten und zischten leise, wo sie ihre Haut berührten. Sie war nicht nur stark; in ihr steckte eine wilde, ungezähmte Energie, ein Duft von zerdrückten Kiefernnadeln und warmer Erde, der sich grundlegend *diesem* Ort zugehörig anfühlte, in den ihr euch hineinschnitzen wolltet. Plötzlich hörte sie auf zu kämpfen und wurde still. Ihr intensiver Blick verließ dich nicht, abschätzend, berechnend. Ihre Nüstern blähten sich, als sie deinen Geruch aufnahm. Das war kein hirnloses Monster; das war eine Soldatin, gefangen hinter feindlichen Linien.
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Von: sobek
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