Lustgott kriegt keinen hoch!
Ein Jahrhundert lang warst du der Gott des Flachlegens. Jetzt kriegst du nichts mehr ab. Ist der härteste Gott der Stadt weich geworden?
Handlung
Lustgott kriegt keinen hoch Ein Jahrhundert lang warst du der Gott des Flachlegens. Jetzt kriegst du nichts mehr ab. Ist der härteste Gott der Stadt weich geworden? ♂ DIE SITUATION ♀ Du bist eine niedere Gottheit der Lust, ein geheimer Gott, geboren aus den Begierden einer wuchernden Metropole. Seit über einem Jahrhundert ist deine Existenz ein Wirbelsturm aus folgenloser Ekstase. Du kannst die tiefsten Wünsche eines jeden wahrnehmen – sie wie feine Küche verkosten – und deine Gestalt wandeln, um zum perfekten Partner zu werden. Dein göttlicher Zweck ist das Vergnügen, und das Geschäft lief gut. Bis heute Abend. Die Frau in deinem Bett, eine vergangene Eroberung, an die du dich kaum erinnerst, ist die erste Person, die dich mit dem Ruin konfrontiert, den deine „Gabe“ hinterlässt. Und in diesem Moment der Offenbarung verrät dich deine eigene Macht. Zum ersten Mal seit deiner Geburt, im Herzen deines eigenen Reiches, versagst du. Vollständig. ♂ WIE ES WEITERGEHT ♀ Diese göttliche Dysfunktion kann so nicht bleiben. Doch der Weg zur Heilung ist unklar. Tust du dies als einmaligen Ausrutscher ab und tauchst wieder in die hedonistische Unterwelt der Stadt ein, wobei du dich zwingst, zu vergessen? Versuchst du, das Leben zu reparieren, das du zerstört hast, in der Hoffnung, dass Sühne deine Macht wiederherstellen könnte? Oder verlässt du die Frau, die diese Krise verursacht hat, und suchst da draußen nach einer Lösung, indem du die verborgenen übernatürlichen Ecken der Stadt nach einer Antwort absuchst? Du hast die Wahl. ♂ GESICHTER IN DER MENGE ♀ Cassia Bloom Nisha Veil Sable Rue Amity Scathe Agape Junction „Begehren ist ein Bankett. Und ich habe sehr lange Zeit gehungert.“
Eröffnungsszene
Die Stadt summt auf deiner Haut, eine vertraute Symphonie aus einer Million sich überschneidender Begierden. Es ist ein Buffet, und du bist immer hungrig. Heute Abend schmeckt die Luft nach billigem Gin, Verzweiflung und dem elektrisierenden Nervenkitzel schlechter Entscheidungen, die nur darauf warten, getroffen zu werden – eine vollkommen brauchbare Vorspeise. Du bewegst dich durch das Gedränge einer namenlosen Bar in der Innenstadt, ein Geist in einem perfekt geschnittenen Anzug, den du erst vor Momenten ins Dasein gewünscht hast. Du bist alles, was dieser Abend erfordert. Deine Sinne sieben durch den Lärm. Ein Mann an der Bar strahlt ein Aroma von bitterer Einsamkeit aus, wie verbrannter Kaffee – unansprechend. Eine Gruppe von Frauen am Fenster schmeckt nach lautem, performativem Jubel, ganz Zucker und Sprudel – zu simpel. Du bist ein Gourmet, kein Trunkenbold. Du brauchst etwas mit Nuancen, mit Komplexität. Und dann schmeckst du es. Am anderen Ende des Raumes, allein an einem kleinen, klebrigen Tisch sitzend, ist ein Geschmack, dem du seit Ewigkeiten nicht mehr begegnet bist. Er ist zart und zutiefst faszinierend. Er schmeckt nach regennassen Blütenblättern, nach vergessenen Büchern, nach einer leisen, schwelenden Erinnerung. Das Begehren gilt nicht einer wilden Nacht. Es ist der Wunsch nach einem Moment stiller, überwältigender Schönheit. Ein Verlangen, nur ein einziges Mal als etwas Kostbares gesehen zu werden. Ein exquisiter Jahrgang. Du hast deinen Hauptgang gefunden. Sie sieht dich nicht kommen, verloren in ihrer eigenen Welt. Du sprichst nicht. Das musst du nicht. Du setzt dich einfach und lässt deine Präsenz im Raum neben ihr erblühen. Du hast natürlich bereits deine Gestalt gewandelt. Der Anzug ist zu einer bequemen, aber gut getragenen Jacke weich geworden. Dein Duft erinnert an altes Papier und Zeder. Dein Gesicht ist gütig, attraktiv, aber nicht bedrohlich, mit Augen, die eine sanfte, gelehrte Traurigkeit bergen. Du bist der Mann, über den sie einmal in einem Roman gelesen hat und von dem sie sich wünschte, er wäre real. Sie hebt den Kopf. Ihre Augen, weit und ein wenig verloren, treffen die deinen. Das Aufflackern von Überraschung wird sofort von einer Welle unmöglicher Wiedererkennung weggespült, einem Gefühl des Heimkommens, das sie sich nicht erklären kann. Sie schmeckt nach Erleichterung und aufblühender Hoffnung. Dieser Teil ist immer so einfach. Ihr Name ist Cassia, erzählt sie dir im Taxi zurück zu deinem Apartment – einem Penthouse, das das glitzernde Chaos der Stadt überblickt. Sie spricht wenig, und du drängst sie nicht. Die Geschichte liegt im Geschmack ihrer Sehnsucht, und du genießt sie bereits. Drinnen ist die Verführung eine Formalität, ein langsamer Tanz, dessen Schritte ihr beide kennt. Du entkleidest sie mit der Ehrfurcht eines Kurators, der ein unbezahlbares Artefakt handhabt. Ihre Haut ist blass im dämmrigen Licht, und du kartografierst die Geografie ihres Vergnügens mit der Hand eines Künstlers. Du bist ein Gott, und dies ist dein Tempel. Du bringst sie immer wieder an den Rand, deine Hände und dein Mund dirigieren eine Symphonie der Empfindungen, die nur du komponieren könntest. Sie stöhnt, bäumt sich auf, völlig verloren in der transzendenten Glückseligkeit, die du ihr schenkst. Dafür wurdest du geschaffen. Schließlich bist du an der Reihe. Über ihr positioniert, bereit für den letzten Akt, blickst du auf ihr Gesicht hinab, gerötet und wunderschön in den Qualen der Ekstase. Ihre Augen flattern auf und treffen die deinen, und in ihren nebligen Tiefen durchbohrt plötzlich ein kalter Stachel der Erinnerung den Dunst deiner eigenen Erregung. Es ist nicht nur Erinnerung. Es sind Daten. Ein Blitzlicht eines Lebens, das du berührt und zurückgelassen hast, der schwache, anhaltende Geschmack seines Ruins. Dies ist nicht das erste Mal, dass du an diesem speziellen Jahrgang geschmaust hast. Es war vor Jahren. Sie war damals anders – verheiratet, ein wenig strahlender, ihr Geschmack noch von einem vorstädtischen Optimismus geprägt, den du drollig gefunden hattest. Du warst in jener Nacht ein Sturm gewesen, ein Wirbelsturm verbotener Leidenschaft, nach der sie sich gesehnt hatte. Du gabst ihr, was sie wollte. Eine Flucht. Und in ihren Augen siehst du jetzt die Nachwirkungen. Der Ehemann, weg. Der Job, verloren. Die Freunde, verblasst. Die stille, verzweifelte Verwirrung einer Frau, deren Leben durch eine einzige, perfekte Nacht aus der Bahn geworfen wurde, von der sie nicht einmal ganz glauben kann, dass sie stattgefunden hat – eine Nacht mit einem Mann, der wie Rauch verschwand. Du warst kein Sturm. Du warst ein verdammter Meteorit, und sie lebt seitdem im Krater. Die Erkenntnis trifft dich wie ein körperlicher Schlag. Das lodernde Feuer deiner göttlichen Lust, der Motor, der deine gesamte Existenz ein Jahrhundert lang angetrieben hat, stottert. Es flackert. Es erlischt. Die mühelose, gottgleiche Erregung, die seit deiner Geburt dein ständiger Begleiter war, verschwindet. Sie wird nicht nur weicher – sie zieht sich zurück, weicht in einen Zustand völliger und absoluter Reaktionslosigkeit zurück. Es ist, als wäre ein Stromkreis unterbrochen worden, als wäre ein Kernstück deines Wesens einfach abgeschaltet worden. Wo einst Macht war, ist nun eine Leere. Du bist… nichts. Ein schlaffer, nutzloser Betrüger, der über dem Meisterwerk schwebt, das du gerade geschaffen hast und das du nicht mehr signieren kannst. Cassia, verloren im Nachglühen, bemerkt es zuerst nicht. Sie blickt mit einem verträumten, vertrauensvollen Lächeln zu dir auf. „Was ist los?“, murmelt sie, ihre Stimme sanft und benebelt. Die Frage hängt in der Luft, ein letztes, verdammendes Urteil in der plötzlichen, erschreckenden Stille deines eigenen Geistes. Die Symphonie der Begierden der Stadt draußen ist verstummt, weg. Da ist nur dieser Raum, diese Frau, die du zweimal zerbrochen hast, und das kolossale, widerhallende Versagen deiner eigenen Göttlichkeit. Was tust du? A. **Verleugnung.** Das ist ein Ausrutscher. Ein Moment der Schwäche. Du ziehst dich zurück, ziehst dich an und sagst ihr, sie soll gehen. Du wirst eine andere Bar finden, einen anderen Partner, und du wirst dies *erzwingen*. Du bist ein Gott. Du wirst dich nicht von der Geistergeschichte einer traurigen Frau schmälern lassen. B. **Sühne.** Du blickst auf die Frau unter dir, blickst sie zum ersten Mal wirklich an und siehst den Schaden. Du bleibst. Du weißt nicht wie, aber du musst versuchen, das hier in Ordnung zu bringen. Vielleicht, wenn du ihr Leben wieder zusammensetzen kannst, kannst du dich selbst auch wieder zusammensetzen. C. **Erkundung.** Du fliehst. Nicht nur vor ihr, sondern vor diesem Gefühl. Du ziehst dich an und verlässt dein eigenes Apartment, lässt sie in deinem Bett zurück. Das ist ein magisches Problem, eine spirituelle Krankheit. Die Antwort liegt nicht bei ihr; sie liegt da draußen, in den verborgenen Adern der Stadt. Du wirst ein anderes übernatürliches Wesen finden – einen Geist, einen Dämon, einen Engel – und du wirst eine Heilung finden.
Charaktere
Tags: Modern Stadt Urban Fantasy Übernatürlich Nicht-Mensch MännlichePerspektive Romanisch Schmutz Angst
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Von: parse_part_two
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