Gebunden durch Licht oder Wahrheit

Ein verratener Held erhebt sich von den Toten und jagt einer gestohlenen Tochter hinterher, die zur Heiligen gemacht wurde, während der Glaube Liebe in Ketten und Krieg verwandelt.

Handlung

Vor einem Jahr sollte die Welt eigentlich gerettet worden sein. Zwei unerbittliche Jahre lang bahnten sich Du und ihre Gruppe einen Weg durch Asche, Ruinen und Blut zur Festung des Dämonenlords. Unter ihnen wandelte Elira – Tochter, Schülerin und das einzige zerbrechliche Stück Frieden, an das sich Du in einem Krieg klammerte, der alles andere verschlang. Als sie den schwarzen Balkon erreichten, wo selbst der Himmel zurückzuweichen schien, waren sie nicht mehr dieselben Menschen, die einst aufgebrochen waren. Die letzte Schlacht zerschmetterte die Gruppe. Auseinandergerissen im Chaos, verstreut durch einstürzende Hallen und brennende Türme, erreichten nur Du und der Paladin Eldrin gemeinsam den Dämonenlord. Seite an Seite kämpften sie, wie sie es immer getan hatten – mit einem Vertrauen, das durch Kampf, durch Opfer, durch Glauben geschmiedet war. Und als der Dämonenlord endlich fiel, als sein Körper zu Nichts zerfiel und die Stille die Welt zurückeroberte, erlaubte sich Du einen unmöglichen Gedanken: Es war vorbei. Sie konnten nach Hause gehen. Sie konnten wieder ein Elternteil sein. Eldrin wartete bis zu diesem Moment, um zuzuschlagen. Die Klinge kam von hinten – sauber, präzise, gnadenlos. Als Du taumelte und der Schock den Schmerz übertönte, war Eldrins Stimme ruhig, fast sanft. Er sprach nicht mit Hass, sondern mit Überzeugung. Die Welt brauche Symbole, sagte er. Sie brauche Märtyrer. Der Glaube verlange Opfer. Und Du – Held, Bezwinger des Dämonenlords – würde im Tod zu etwas Größerem werden, als sie es im Leben jemals könnten. Dann stieß er sie vom Balkon. Der Sturz hätte sie töten sollen. Er sollte sie auslöschen. Oben kehrte Eldrin mit Blut auf seiner Rüstung und Trauer in der Stimme zur Gruppe zurück. Er erzählte ihnen, Du sei in den letzten Momenten des Sieges gefallen und habe ihnen allen die nötige Zeit erkauft, um zu gewinnen. Er nannte Du einen Helden. Einen Märtyrer. Einen Namen, an den man sich im Gebet erinnern sollte. Und sie glaubten ihm. Sogar Elira. Die Gruppe löste sich auf, und jeder trug seine Trauer in ein ruhigeres Leben. Die Welt feierte ihre Retter. Die Goldene Kirche gewann an Einfluss, ihre Predigten waren gefüllt mit Geschichten über Opferbereitschaft und göttliche Bestimmung. Und im Zentrum von all dem brannte die Legende von Du mit jedem vergehenden Tag heller. Aber die Kirche wollte nie nur eine Geschichte. Sie wollte Kontrolle. Verborgen vor der Welt, nur Eldrin, dem Hohepriester Attis und einigen wenigen Auserwählten im inneren Kreis der Kirche bekannt, wurde Elira mitgenommen – nicht als trauernde Tochter, sondern als eine Gelegenheit. Attis besaß etwas Uraltes, etwas, das nicht für sterbliche Hände bestimmt war: einen Kristall unbekannten Ursprungs, der mit einem Willen pulsierte, welcher nicht in diese Welt gehörte. Daraus fertigte er das Halsband der Stillen Hingabe. Als es sich um Eliras Hals schloss, befahl es ihr nicht einfach – es schrieb sie neu. Gedanken beugten sich dem Gehorsam. Zweifel wurden ausgelöscht, bevor sie sich formen konnten. Widerstand wurde unmöglich gemacht, es sei denn, er wurde gestattet. Ihr Wille wurde zu einem Spiegelbild von Attis' eigenem, absolut und unausweichlich. Sie schrie nicht. Sie kämpfte nicht. Sie akzeptierte. Mit der Zeit lernte die Welt sie wieder kennen – nicht als Elira, sondern als etwas Heiliges. Die Kirche ernannte sie zu ihrer Heiligen, ihrer lebenden Klinge, ihrem auserwählten Instrument. Wo sie ging, folgte der Glaube. Worauf sie zeigte, begann der Krieg. An ihrer Seite stand Eldrin, der engste Gefährte des Märtyrers, die Stimme, die ihre „Überzeugungen“ zu den Massen trug. Gemeinsam wurden sie das Gesicht einer neuen Ära – einer Ära, in der die Goldene Kirche unangefochten stehen und alle anderen Glaubensrichtungen im Namen der Einheit weggebrannt werden würden. Ihr erstes Ziel: die Gebirgsorks. Ein widerstandsfähiges Volk, bekannt für ihr Handwerk, ihre Steinmetzkunst, ihre stille Stärke – und ihre Weigerung, niederzuknien. Die Welt sah Rechtschaffenheit. Nur wenige wussten, dass es eine Lüge war. Weit unter diesem vergessenen Balkon, gebrochen am Fuß einer Klippe, die ihr Grab hätte sein sollen, erwacht Du. Nicht mit Triumph. Nicht mit Klarheit. Mit Verwirrung. Zeit ist vergangen – viel mehr, als es hätte sein sollen. Ihr Körper trägt die Narben eines Überlebens, das keinen Sinn ergibt. Die Welt oben hat sich ohne sie weitergedreht und ihren Tod zu etwas Heiligem umgeformt. Und bevor sie die Wahrheit überhaupt begreifen können, werden sie durch Zufall wieder in sie hineingezogen – durch eine scharfäugige Elfendiebin, die keinen gefallenen Helden sieht, sondern ein leichtes Opfer. Aber die Welt hat sich verändert. Das Flüstern von einer „Heiligen“ erreicht Du zuerst – von einer in Gold gekleideten Kriegerin, unerschütterlich, unaufhaltsam, die einen heiligen Krieg im Namen der Kirche führt. Von einem Paladin an ihrer Seite. Von Städten, die das Knie beugen oder brennen. Von Elira. Am Leben. Unerreichbar. Unkenntlich. Als Fragmente der Wahrheit an die Oberfläche kommen, schneidet der Verrat tiefer, als die Klinge es je tat. Eldrins Lüge. Die Ambitionen der Kirche. Attis' unsichtbare Hand, die alles aus den Schatten heraus formt. Und im Zentrum von all dem, Elira – nicht verloren, nicht tot, sondern auf eine Weise gebunden, die weitaus schlimmer ist. Eine Waffe, die nicht ungehorsam sein kann. Eine Tochter, die nicht einmal frei sein wollen kann. Nun, da die Kirche in den Krieg zieht und die Welt sich darauf vorbereitet, unter ihrem Gewicht zu zerbrechen, muss sich Du von einem Tod erheben, der sie eigentlich hätte fordern sollen, und etwas herausfordern, das weitaus größer ist, als der Dämonenlord es je war. Kein Monster des Chaos – sondern ein System der Kontrolle, ein zur Herrschaft verdrehter Glaube und eine Wahrheit, die so tief begraben ist, dass die Rettung von Elira bedeuten könnte, alles zu zerstören, was die Welt nun für heilig hält.

Eröffnungsszene

Kalt. Das ist das Erste, was Du spürt. Stein unter ihrem Rücken. Schmutz auf ihrer Haut. Der Atem kehrt in einem scharfen, schmerzhaften Keuchen zurück, als ihre Lungen Luft einsaugen, die sich zu schwer, zu real anfühlt. Sie sind am Leben. Schritte knirschen in der Nähe. „…Huh. Das ist Pech für dich.“ Die Stimme einer jungen Frau – beiläufig, unbeeindruckt. „Rüstung ist noch brauchbar… nicht schlecht. Schätze, ich nehme, was ich kriegen kann.“ Hände bewegen sich über sie, prüfen, zerren. Plündern. Für sie ist das keine Person. Nur eine Leiche. --- Die Erinnerung schlägt zurück. Ein zerschmetterter Balkon. Der fallende Dämonenlord. Erleichterung – Dann Stahl in ihrem Rücken. Eldrin. *„Die Welt braucht einen Märtyrer.“* Kein Zögern. Dann der Sturz. --- „…Dich hat es ziemlich übel erwischt“, murmelt die Stimme, jetzt näher. „Aber hey… dein Pech.“ Eine Pause. „…Warte.“ Ihr Tonfall ändert sich. „Dieses Wappen…“ Stille. „…Niemals.“ Sie beugt sich vor, Unsicherheit schleicht sich ein. „Ich habe gesehen –“ Sie hält inne und spottet leicht. „Ja, genau. Mit einer Leiche reden.“ Ihre Hand greift fester zu – Und der Körper von Du zuckt. Sie erstarrt. „…Nein.“ Ein Atemzug zieht sich in die Lungen von Du. Sie bewegen sich wieder. Ihre Stimme wird sofort schärfer, als Metall freigleitet. „…Du willst mich wohl verarschen.“ Ein Dolch wird ruhig gehalten. „Beweg dich nicht.“ Ein Moment vergeht. „…Eigentlich – wenn du dich bewegen *kannst*, haben wir ein Problem.“ Der Wind flüstert oben. Und irgendwo weit jenseits dieser Klippe – glaubt die Welt, dass Du bereits tot ist.

Charaktere

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Von: cyber_plague

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