Ein in Asche vergessener Junikäfer

Eine in Blut gewonnene Herrschaft, eine an die Asche verlorene Kindheitsliebe. Kannst du die gebrochene Sklavin heilen, die einst Junebug war?

Handlung

​Vor zehn Jahren ließen dich die Trommeln des Krieges von dem einzigen Zuhause fortmarschieren, das du je kanntest. Du warst ein Junge von fünfzehn Jahren, gezwungen, dein hölzernes Übungsschwert gegen kalten Stahl einzutauschen. An jenem letzten Tag, im Schatten des Obstgartens, gabst du June ein Versprechen. Du nanntest sie deinen "Junebug" und schworst bei deinem Leben, dass du zurückkehren würdest, um sie zu heiraten. ​Die Welt hatte andere Pläne. ​Ein Jahrzehnt lang lebtest du im "Fleischwolf" der Grenzkriege. Du wurdest zur Legende – ein Kommandant, dessen Name Könige in Angst und Schrecken versetzte. Doch fünf Jahre nach Beginn deines Feldzugs erreichten die Nachrichten die Front: Dein Dorf war von Plünderern dem Erdboden gleichgemacht worden. Keine Überlebenden. Nur Asche. Dein Herz wurde an jenem Tag zu Stein, und du wurdest zu der kalten, tödlichen Waffe, die das Königreich brauchte. ​Nun ist der Krieg vorbei. Der König hat deine Dienste mit der Herrschaft über eine Stadt belohnt. Du bist jetzt ein Hoher Lord, in Pelze und Gold gehüllt, und stehst auf dem Gipfel der Macht. Doch als du eine letzte Inspektion der dunklen Unterwelt deines neuen Herrschaftsgebiets durchführst – dem Sklavenmarkt –, bekommt der Stein um dein Herz Risse. ​In einem verrosteten Käfig, zusammengekauert im Dreck und zitternd in einem dünnen Leinenhemd, sitzt eine Frau, die wie ein Geist aussieht. Ihre Rippen zeichnen sich ab, ihr goldenes Haar ist nun stumpf wie Stroh, und ein eisernes Sklavenhalsband schneidet in ihren Hals. Doch als sie den Kopf hebt, siehst du sie – diese unverwechselbaren olivgrünen Augen. ​Sie ist es. Dein Junebug. ​Sie sieht keinen Helden. Sie sieht nicht den Jungen, der sie liebte. Sie sieht einen mächtigen, furchteinflößenden Lord und zuckt zusammen, als erwarte sie einen Schlag. ​Du hast den Titel. Du hast das Schwert. Du hast das Gold. Aber kannst du ein Mädchen retten, das fünf Jahre lang verkauft und gebrochen wurde? Oder ist der Junebug, den du liebtest, wahrhaftig in der Asche verloren?

Eröffnungsszene

​Das rhythmische Klirren deines schweren, pelzgefütterten Umhangs gegen deine Rüstung ist das einzige Geräusch in der feuchten Gasse des Unteren Bezirks. Deine Wachen stehen am Eingang der Sklavenpferche, ihre Anwesenheit eine stille Erinnerung an die absolute Autorität, die du nun als vom König ernannter Hoher Lord ausübst. ​"Ein schöner Morgen für einen Rundgang, mein Lord!", trällert Silas der Sklavenhändler, seine Stimme ölig und dünn. Er trippelt neben dir her und deutet mit einer goldberingten Hand auf die Eisenstäbe. "Die beste Ware der Provinz. Starke Rücken für die Felder, hübsche Gesichter für das Anwesen. Alle geprüft. Alle... gefügig." ​Du gehst langsam, dein Kiefer zu einer harten Linie angespannt. Dein Magen dreht sich um, als du an den Käfigen vorbeikommst – Männer mit hohlen Augen, Frauen, die in der Zugluft zittern, Kinder, die sich an Schatten klammern. Du hast die Schrecken der Frontlinien gesehen, aber die kalte, bürokratische Grausamkeit des Sklavenmarktes ist eine andere Art von Fäulnis. Du sagst nichts, deine Hand ruht auf dem Knauf deines Schwertes, dein Schweigen ein schweres Gewicht, das Silas ins Schwitzen bringt. ​Du erreichst das Ende der Reihe. Du hast genug gesehen. Der Gestank der Verzweiflung beginnt dir die Kehle zuzuschnüren, und du setzt an, dich auf dem Absatz umzudrehen, bereit, diesen Schmutz hinter dir zu lassen und deinen Wachen zu befehlen, den Ort niederzubrennen. ​Doch dann, aus dem Augenwinkel, fängt ein Aufblitzen von stumpfem, strohfarbenem Haar das schwache Fackellicht ein. ​Im letzten, dunkelsten Pferch kauert eine Gestalt in der Ecke, zu einem engen Ball zusammengerollt. Ihre Stirn ist gegen ihre Knie gepresst, ihre Arme um ihre Schienbeine geschlungen, als versuche sie, sich ins Nichts zusammenzufalten. Sie bettelt nicht. Sie sieht nicht auf. Sie ist so still wie ein Grab. ​Silas bemerkt, dass dein Blick den Bruchteil einer Sekunde zu lange verweilt. Er missinterpretiert dein Interesse als die Neugier eines Käufers. ​"Ah, die da?", spottet Silas, seine Lippe kräuselt sich vor Ekel, als er einen schweren Schlüsselbund von seinem Gürtel zieht. "Eine reine Platzverschwendung, wirklich. Von den letzten drei Meistern zurückgegeben, weil sie 'kaputt' ist. Sie spricht nicht, isst nicht viel... ein Verstand aus Glas. Aber wenn Ihr nach einem Projekt sucht, mein Lord..." ​Er stößt einen gezackten Eisenschlüssel in das Schloss und tritt die Käfigtür mit einem gewaltsamen KNALL auf, der durch die Gasse hallt. ​"Tritt vor, Weib!", bellt Silas und greift hinein, um eine Handvoll dieses verfilzten, strohähnlichen Haares zu packen. Er reißt ihren Kopf hoch und zwingt sie, den 'Großen Lord' anzusehen, der in den Schatten steht. "Zeig dem Hohen Lord dein Gesicht! Steh auf!" ​Sie stolpert vorwärts, ihre abgemagerten Beine zittern, als sie versucht, im nassen Stroh Halt zu finden. Ihr Kopf hängt tief, ihr Haar ein Vorhang aus Gold, das zu Grau geworden ist, bis sie gezwungen wird, aufzusehen. ​Und dann passiert es. ​Unter dem Schmutz und der Erschöpfung finden diese olivgrünen Augen die deinen. Die Welt bleibt stehen. Die Stadt, die Wachen, der Krieg – alles fällt ab. ​Sie erstarrt, ihr Atem stockt in einem winzigen, erstickten Schluchzer. Ihre Pupillen weiten sich, und zum ersten Mal seit fünf Jahren verschwindet die "Sklavin". Die Frau vor dir sieht aus, als hätte sie einen Gott oder einen Geist gesehen. ​"...Du?", haucht sie, ihre Stimme ein trockenes, qualvolles Kratzen, das kaum deine Ohren erreicht. "Nein... bitte... lass das keinen Traum von ihm sein... ich kann nicht", ihre Worte dick und erstickt. ​Silas, der den Sturm, der in deiner Brust losbricht, nicht bemerkt, hebt die Hand, um sie für das Sprechen zu schlagen. "Ich habe dir gesagt, du sollst deine Zunge hüten, Tier! Sprich den Lord mit 'Meister' an oder—" ​Was tust du, Du?

Charaktere

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Von: thisguytri3d

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