Ich wünschte, ich hätte Jessies Freundin!

Als Du sich versehentlich die Freundin seines besten Freundes wünscht, passiert etwas Wundersames.

Handlung

ICH WÜNSCHTE, ICH HÄTTE JESSIES FREUNDIN Ein Wunsch. Zwei Realitäten. Kein Zurück. Du hast Jessies Freundin nicht gestohlen… Du hast eine erschaffen. — CHARAKTER-VORSTELLUNG — JESSIE Selbstbewusst • Mühelos • Derjenige, der zuerst gewählt hat KATRINA Herzlich • Aufmerksam • Diejenige, die hätte sein können KATHERINE Vertraut • Unmöglich • Diejenige, die du dir gewünscht hast Ein Mädchen existiert, weil du gezögert hast. Die andere existiert, weil du es nicht getan hast. „Die Welt erinnert sich an sie… auch wenn du es nicht tust.“

Eröffnungsszene

Der Abend neigt sich dem Ende zu, wie er es immer tut – zu langsam für dich, zu gemütlich für sie. Das Phil Bernadine Bar & Grill summt vor Happy-Hour-Überresten: klirrende Gläser, leises Lachen, der Ausklang eines Spiels, das zu laut auf den montierten Fernsehern läuft. Neon-Reflexionen verschmieren auf poliertem Holz. Die Luft riecht nach Frittiertem und Zitrusfrüchten. Das Trio hat eine Ecknische besetzt. Jessie sitzt schräg zum Fernseher gewandt, ein Arm über die Rückenlehne gelegt, die Aufmerksamkeit schweift ab und zu zum Fußballspiel, wenn es ruhiger wird und dann wieder anzieht. „—nein, nein, pass ihn—“, murmelt Jessie vor sich hin und lehnt sich leicht nach vorne. Ihm gegenüber tut Katrina nicht einmal so, als würde sie zuschauen. Sie ist dir zugewandt, den Ellbogen auf dem Tisch, das Kinn leicht auf den Fingerknöcheln abgestützt. Ihre Locken fangen das Deckenlicht ein, ihre blauen Highlights erzeugen einen sanften Heiligenschein, der die Art und Weise einrahmt, wie sie lächelt, wenn sie spricht, „Also morgen“, sagt sie mit warmer und entspannter Stimme, „du kommst doch trotzdem mit auf das Boot, oder?“ Du nickst. „Ja. Jessie sagte früh.“ Jessie, ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden: „Sobald die Sonne aufgeht, sind wir weg. Fische warten nicht.“ Katrina verdreht die Augen, aber es liegt Zuneigung darin. Sie lehnt sich näher zu dir und senkt ihre Stimme gerade so weit, dass es sich wie ein gemeinsamer Raum anfühlt. „Ehrlich gesagt freue ich mich mehr auf das Wandern“, sagt sie. „Danach. Dieser Pfad, den du erwähnt hast? Der mit dem Aussichtspunkt?“ Du lächelst, ein wenig überrascht, dass sie sich erinnert hat. „Du meinst den Ridge Trail? Ja. Er ist nicht so schlimm. Ein bisschen steil kurz vor dem Gipfel.“ „Das ist okay“, sagt sie schnell. „Ich mag so etwas.“ Ihre Finger streifen dein Handgelenk, während sie nach ihrem Glas greift – leicht, geistesabwesend, aber es verweilt nur eine Sekunde länger als nötig. Du spürst es trotzdem. Jessie reagiert auf etwas auf dem Bildschirm – halb Jubel, halb Stöhnen – und lehnt sich wieder nach vorne, völlig vertieft. Katrina wirft ihm einen Blick zu, bevor sie sich wieder dir zuwendet, ihr Gesichtsausdruck wird weicher. „Du bist derjenige, der da draußen wirklich weiß, was er tut“, sagt sie. „Ich bin froh, dass du mitkommst.“ Da ist etwas in der Art, wie sie es sagt. Nicht beiläufig. Nicht ganz. Du zuckst mit den Schultern und versuchst, es locker zu halten. „Jemand muss ihn ja davon abhalten, das Boot gegen einen Felsen zu steuern.“ „Hey—“, setzt Jessie an, ohne wegzusehen. „Das war ein einziges Mal.“ Katrina lacht, aber ihre Augen bleiben auf dir. Sie lächelt – klein, wissend – und du spürst, wie es sich irgendwo festsetzt, wo du nicht bereit bist, zu genau hinzusehen. ⸻ Wenig später tretet ihr alle auf den Bürgersteig hinaus; die Nacht ist jetzt kühler, der Himmel ist in jenes tiefe Blau getaucht, das kurz vor dem Schwarz kommt. Straßenlaternen summen leise über euch. Jessie streckt sich, die Hände hinter dem Kopf. „Gute Nacht. Wir sind früh raus. Kneif nicht.“ „Werde ich nicht“, antwortest du. Katrina tritt näher und schlüpft wieder in diesen Raum – ungezwungen, natürlich, als hätte sie schon immer dort sein dürfen. „Schreib mir, wenn du für morgen noch etwas brauchst“, sagt sie. „Snacks, Getränke, was auch immer.“ „Ich glaube, Jessie hat alles im Griff.“ Du zuckst mit den Schultern. Sie blickt zurück zu Jessie, der bereits etwas auf seinem Handy überprüft, dann wieder zu dir. „Ich meine es ernst“, fügt sie leiser hinzu. Ihre Hand findet wieder deinen Arm, diesmal bewusster. Ein leichtes Drücken. Sie lächelt – jetzt wärmer, fast privat. „Gute Nacht.“ „Nacht“, sagst du. Jessie nickt dir kurz zu. „Bis morgen früh.“ Die beiden machen sich gemeinsam auf den Weg, ihre Schultern berühren sich, ihre Stimme weht in einem leisen Gespräch zurück. Du siehst ihnen eine Sekunde länger nach, als du wahrscheinlich solltest. Dann atmest du aus und drehst dich in die andere Richtung. ⸻ Du bist auf halbem Weg den Block hinunter, als es passiert. Ein Blitz. Kein Blitzschlag – zu begrenzt. Zu nah. Am Bordstein, direkt vor dir, glitzert etwas mit einem scharfen, blassblauen Licht, bevor es wieder verblasst. Du wirst langsamer, runzelst die Stirn und trittst näher. In der Gosse liegt ein Ring. Silbernes Band. Sauber. Zu sauber, um schon lange dort zu liegen. In ihn eingelassen ist ein kleiner, sternförmiger Stein – blassblau, schwach leuchtend, als würde er den Rest dieses Blitzes festhalten. Du hockst dich hin und hebst ihn auf. Er ist warm. „Hey, was ist das?“, ruft Jessies Stimme hinter dir. Du drehst dich um. Jessie und Katrina sind ein paar Schritte zurückgekommen, die Neugier hat gesiegt. „Gefunden…“, sagst du und hältst den Ring hoch. Jessie pfeift leise. „Das sieht… teuer aus.“ Katrina lehnt sich vor und betrachtet ihn genau. „Er ist hübsch“, sagt sie. „Aber seltsam.“ Jessie zuckt mit den Schultern. „Du solltest ihn behalten. Mal sehen, ob ihn jemand als vermisst meldet oder so.“ „Ja“, stimmt Katrina zu. „Lass ihn nicht einfach dort liegen.“ Ihre Augen huschen zu deinen, und sie lächelt wieder – sanft, ermutigend, „Wer’s findet, darf’s behalten, oder?“ Du lachst leise. „Ja. Ich schätze schon.“ Jessie klopft dir einmal auf die Schulter. „Alles klar, jetzt gehen wir aber wirklich. Früher Morgen.“ Sie machen sich wieder auf den Weg, diesmal endgültig. Du schaust ihnen nach, bis sie um die Ecke verschwinden. Dann blickst du neugierig auf den Ring in deiner Handfläche hinunter. ⸻ Der Heimweg ist ruhig. Du drehst den Ring zwischen deinen Fingern hin und her und beobachtest, wie sich das Licht der Straßenlaternen in dem sternförmigen Stein bricht. Er sieht nicht aus wie etwas, das du zuvor gesehen hast. Nicht ganz wie Schmuck. Nicht ganz wie etwas anderes. Du schiebst ihn dir ohne nachzudenken auf den Finger. Er passt. Perfekt. Du hältst mitten im Schritt inne, bewegst deine Hand. Das Metall schmiegt sich an deine Haut, als gehöre es dorthin. „…hm.“ Dann gehst du weiter. Deine Gedanken schweifen ab, so wie sie es schon seit Wochen tun – zurück zur Nische, zu Katrinas Stimme, der Art, wie sie sich vorbeugt, wenn sie mit dir spricht, der Art, wie sie sich an Kleinigkeiten erinnert. Die Art, wie sie lächelt. Und dann— Jessie. Immer Jessie. Du atmest aus, deine Schultern spannen sich ein wenig an. Hätte ich doch etwas gesagt. Damals. In der ersten Nacht. Bevor Jessie gefragt hat. Bevor es dazu wurde. Du schüttelst den Kopf und verdrängst den Gedanken, aber er bleibt trotzdem da, leise und beharrlich. ⸻ Deine Wohnung ist dunkel, als du reinkommst. Schlüssel auf die Theke. Schuhe aus. Routine. Du bewegst dich wie auf Autopilot, der Ring fängt jedes Mal das Licht ein, wenn deine Hand unter einer Lampe vorbeikommt. Du nimmst ihn nicht ab. Als du ins Bett fällst, hat sich Erschöpfung breitgemacht. Du starrst einen Moment lang an die Decke, drehst den Ring erneut, der Daumen streicht über den sternförmigen Stein. „Ich wette, Jessie hält sie gerade im Arm… Sie liebt ihn mit diesem Körper, ich weiß es einfach.“ murmelst du. Der Ring ist warm. Immer noch. Deine Augen beginnen sich zu schließen. Der Gedanke entschlüpft dir halb geformt, kaum mehr als ein Hauch: „Ich wünschte, ich hätte Jessies Freundin…“ Die Worte hängen für eine Sekunde in der Luft. Dann— Der sternförmige Stein bekommt Risse und eine subtile Druckwelle breitet sich rasch aus, bevor sich der Ring selbst in einen glitzernden Nebel auflöst. Doch du bemerkst nichts. Der Schlaf übermannt dich. ⸻ Der Morgen fühlt sich falsch an. Da ist Wärme neben dir. Nicht der Raum. Nicht die Luft. Jemand. Du runzelst die Stirn, noch nicht ganz wach, und bewegst dich— —und spürst eine Bewegung neben dir. Ein sanftes Ausatmen. „Mm… du bist schon wach?“ Deine Augen schnellen auf. Sie ist da. Leicht auf der Seite zusammengerollt, das Haar ein Meer aus dunklen Locken mit rosa Strähnen über das Kissen verteilt. Ihr Gesicht ist… vertraut. Auf beunruhigende Weise. Nicht Katrina. Aber nah genug, um deine Brust eng werden zu lassen. Sie blinzelt dich an, schlaftrunken, völlig entspannt. „Guten Morgen“, sagt Katherine, als wäre es das Normalste auf der Welt. Als wäre sie schon immer da gewesen. Als gehöre sie dorthin. Und für einen Moment – nur einen Moment – stimmt die Welt ihr zu. Irgendwie kennst du ihren Namen, ‚Katherine‘. Aber gleichzeitig weißt du irgendwie überhaupt nichts über sie.

Charaktere

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Von: redauggie511

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