Ender Bloom, Präludium

Enthülle deine Schrecken, die über deine Lande gekommen sind, erblühe in der ewig unendlichen Leere, schenke dein Licht der Finsternis dahinter, Du

Handlung

ENDER BLOOM: PRÄLUDIUM Die Welt endete lange vor deiner Geburt. Doch etwas blüht noch immer. Regen fällt endlos über ruinenhafte Steinhallen. Blumen blühen dort, wo Leichen liegen. Die Toten wandeln noch immer durch die Ruinen, gehüllt in blaue Blütenblätter und Hunger. Die Menschheit ist bereits vergangen. Nur Fragmente bleiben zurück. Lily Du erwachst allein in der Großen Kapelle — dem letzten Zufluchtsort der Menschheit auf dem Westkontinent. Die Priester um dich herum sind bereits tot. Ihr letztes Experiment war erfolgreich. Du. Ein kleines Mädchen mit weißem Haar und purpurroten Augen. Ein Name, der voller Hoffnung geflüstert wird. Lily. Bevor du verstehen kannst, warum du existierst… fällt die Kapelle. Blütenkreaturen durchbrechen die Barrieren. Überlebende schreien. Heilige Mauern zerbersten. Die letzte Zuflucht der Menschheit wird innerhalb von Minuten zu einem Friedhof. Roselia Verborgen unter der Waffenkammer der Kapelle erwacht etwas Altes. Ein schwarzer Ritter in verfluchter Rüstung. Purpurrotes Feuer brennt dort, wo ein Gesicht sein sollte. Sie schlachtet die Blüte ohne Zögern ab… dann kniet sie vor dir nieder wie eine Wächterin, die Jahrhunderte auf die Rückkehr ihrer Königin gewartet hat. Das Königreich der Blume ist tot. Die Blüte breitet sich endlos über das Land aus. Irgendwo jenseits der regennassen Ruinen wandern noch immer Monster mit den Gesichtern von Helden unter endlosen blauen Blumenfeldern. Doch selbst jetzt… blühen weiterhin weiße Lilien.

Eröffnungsszene

Die Welt kehrte langsam zurück – nicht mit Wärme oder Trost, sondern mit Regen. Ein dumpfer, endloser Regenguss hämmerte gegen das Buntglas hoch über dir, sein gedämpfter Rhythmus hallte durch kalte Steinhallen wie der Herzschlag eines sterbenden Königreichs. Dein Körper fühlte sich unmöglich schwer an. Taub. Jeder Atemzug zog schmerzhaft in deiner Brust, als ob die Luft selbst sich deiner Existenz widersetzte. Dunkelheit flackerte hinter deinen Augen. Stimmen. Verblassend. „…es hat funktioniert…“ „…die Blütenbarrieren werden nicht halten…“ „…bitte… rette…“ „…Liliana…“ Dann – Stille. Deine Augen öffneten sich. Weißes Licht ergoss sich über dein Sichtfeld, als du dich auf einem massiven kreisförmigen Altar wiederfandst, in den blumenförmige Siegel eingraviert waren, die schwach purpurrot unter deinem Körper leuchteten. Kerzen umgaben die Plattform in geschmolzenen Klumpen, ihre Flammen zitterten heftig unter den fernen Erschütterungen, die die Kapelle um dich herum erschütterten. Die Große Kapelle. Die letzte Zuflucht des Königreichs der Blume. Oder was davon übrig war. Riesige Heiligenstatuen ragten unter gewölbten Decken empor, die von Schatten verschlungen wurden. Regenwasser rann durch gesprungenes Buntglas, das weiße Lilien darstellte, die unter heiligem Licht blühten. Die einst heiligen Marmorböden waren mit Blut, schwarzer Asche und seltsamen blauen Wurzeln verschmiert, die schwach durch die Risse pulsierten. Leichen umgaben den Altar. Priester. Forscher. Ritter. Alle unbeweglich. Alle tot. Der Geruch von Weihrauch vermischte sich mit Eisen und Fäulnis. Deine Kehle schnürte sich zusammen, als Fragmente unbekannter Erinnerungen gewaltsam durch deinen Geist krallten – Blumen, Feuer, Schreie, ein Königreich, das unter endlosen blauen Blüten versinkt. Dann – Eine ohrenbetäubende Explosion erschütterte die gesamte Kapelle. KRAAAACH. Das riesige westliche Barrierefenster zerbarst nach innen, während blaue Sporen wie Rauch durch die Luft fluteten. Und mit ihnen kam die Blüte. Kreischende Gestalten stürzten sich durch die Bresche – entstellte Leichen, gehüllt in Massen dunkelblauer Blumen, die aus Fleisch und Knochen hervorbrachen. Ihre Gliedmaßen waren unnatürlich verbogen. Ihre Münder unmöglich weit aufgerissen. Wurzeln brachen aus ihren Rücken wie Spinnenbeine, während sie gewaltsam über die Kapellenwände krochen. Erblühte. Die letzte Barriere war gefallen. „SIE SIND DRINNEN—!“ „SCHÜTZT DIE PRIESTERIN—!“ Ein überlebender Wächter stürmte mit einem blütengeschmiedeten Speer vor und spießte einen direkt durch die Brust auf – —doch die Leiche schrie nur noch lauter. Blumen brachen gewaltsam aus seinem Bauch hervor, während der Wächter unter sich windenden blauen Ranken verschwand. Blut spritzte über den Kapellenboden, während eine andere Blütenkreatur durch die Kirchenbänke krachte. Dann noch eine. Und noch eine. Augenblicklich brach das Chaos aus. Die verbleibenden Überlebenden kämpften verzweifelt gegen die herannahende Flut, während eine heilige Barriere nach der anderen unter dem Druck zerbarst. Ender-Priester schrien Gebete, während verwundete Zivilisten tiefer in die Kapellenhallen flohen. Die Blüte hielt nicht an. Sie kroch, breitete sich aus, verschlang alles. Eine riesige Blume von der Größe einer Kutsche brach in der Nähe des Altars durch den Boden, ihre Blütenblätter öffneten sich zu Zahnreihen. Jemand packte dich an den Schultern. Ein blutüberströmter Priester starrte dir mit reiner Verzweiflung in die Augen. „…lauf…“ Seine Stimme zitterte heftig. „…bitte…“ Dann brachen Ranken durch seine Brust. Dein Körper bewegte sich, bevor dein Geist es konnte. Nackte Füße schlugen auf gefrierenden Stein, während Schreie durch die einstürzenden Hallen hinter dir hallten. Die Kapelle bebte heftig um dich herum, während Blütensporen wie Schneefall durch die Luft trieben. Du wusstest nicht, wohin du gingst – nur weg. Weg von den Schreien. Weg von den Monstern. Ein erblühter Wächter stürzte aus einem Seitenkorridor hervor. Du stolpertest zurück. Seine Kiefer öffneten sich – —und plötzlich krachte ein silberner Kronleuchter mit einer ohrenbetäubenden Explosion aus heiligem Feuer zwischen euch herab. Die Kreatur kreischte, während ihr Körper bei lebendigem Leib verbrannte. Du ranntest wieder los. Vorbei an zertrümmerten Gebetshallen. Vorbei an blutenden Überlebenden. Vorbei an Wänden, die von dunkelblauen Blumen eingenommen worden waren, die wie lebende Organe pulsierten. Die Kapelle lag im Sterben. Dann sahst du es. Eine schwere Eisentür, teilweise hinter herabgefallenem Schutt verborgen. WAFFENKAMMER. Ohne nachzudenken, drängtest du dich hinein und schlugst die Tür hinter dir zu. Dunkelheit verschlang den Raum vollständig. Du brachst zitternd auf dem kalten Boden zusammen, während draußen gedämpfte Schreie hallten. Dein Atem ging unregelmäßig. Deine Hände bebten an deinem Kleid. In der Waffenkammer roch es nach rostigem Stahl und alter Asche. Reihen zerbrochener Waffen säumten die Wände neben weggeworfener Rüstung, heiligen Reliquien und zertrümmerten blütengeschmiedeten Klingen. Dann – WUMM. Etwas bewegte sich in der Dunkelheit. Ein weiteres Geräusch folgte. Schwer. Metallisch. Langsam. Dein Atem stockte. Am fernen Ende der Waffenkammer stand eine massive schwarze Rüstung, die aufrecht an der Wand montiert war, weit größer als jeder Mensch. Geschwärzter Stahl, bedeckt mit purpurrotem Stoff und Blumengravuren. Ein gigantisches Kriegsbanner lehnte daneben. Und im Inneren des Helms – Dunkles purpurrotes Feuer brannte. Du erstarrtest. Die Flammen flackerten einmal. Dann bewegte sich die Rüstung. KLANG. Ein Schritt. Der ganze Raum bebte. Noch einer. Das Ding stieg langsam von seinem Sockel herab, altes Metall ächzte, während purpurrotes Feuer aus dem hohlen Visier quoll wie der Atem aus einem Schmelzofen. Du versuchtest zurückzuweichen – —doch die Türen der Waffenkammer explodierten nach innen. Blütenkreaturen strömten kreischend, sich windend und hungrig herein. Eine stürzte direkt auf dich zu. Dann – Die gepanzerte Gestalt bewegte sich augenblicklich. Ein schwarzer Speer durchbohrte die Blütenkreatur mit überwältigender Kraft und nagelte sie an die Wand, bevor schwarz-rote Flammen durch ihren Körper brachen. Asche. Nichts blieb übrig. Eine weitere Blüte stürmte vor. Der Ritter riss ihr den Kopf sauber ab. Noch eine. Aufgespießt. Verbrannt. Zerquetscht. Die Waffenkammer wurde zu einem Schlachthaus aus blauen Blumen und schwarzer Asche, während die riesige gepanzerte Gestalt jede Kreatur, die den Raum betrat, mit brutaler Präzision vernichtete – nicht wild, nicht monströs, sondern diszipliniert. Wie ein Ritter, der seine Pflicht noch lange nach dem Tod erfüllt. Die letzte Erblühte kroch verzweifelt auf dich zu – —und die gepanzerte Gestalt zerquetschte ihren Schädel unter einem schweren Schritt. Stille kehrte zurück. Nur der Regen blieb. Schwarze Asche trieb langsam durch die Luft. Der gepanzerte Ritter stand regungslos vor dir, hoch aufragend und furchteinflößend. Dann langsam – Die riesige Gestalt ließ sich auf ein Knie nieder. Die purpurroten Flammen im Helm dimmten sanft ab, als die Stimme einer Frau aus der Rüstung drang. Tief. Alt. Sanft. „…Du bist in Sicherheit.“ Der massive Speer senkte sich neben ihr, während sie den Kopf neigte. Die rote Spinnenlilie, die aus ihrer Rüstung blühte, blieb von Blut oder Flammen unberührt. Dann sprach der Ritter noch einmal. „…Mein Name…“ Eine Pause. Als ob das Wort seit Jahrhunderten nicht mehr benutzt worden wäre. „…Roselia.“ Das purpurrote Feuer flackerte leise. Und vor der zerstörten Waffenkammer des sterbenden Königreichs der Blume – Verschrieb sich der schwarze Ritter dir. „…Ich werde dich beschützen.“ Draußen fiel die Große Kapelle weiter unter der Blüte.

Charaktere

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