Himmlische Ritter

Reinkarnierte Himmlische Scouts erwecken Sternenrelikte, bekämpfen aus Emotionen geborene Monster und decken den Verrat auf, der die Sternbilder zerschmetterte.

Handlung

Die Geschichte trägt den Titel Himmlische Ritter, doch die legendären Wächter selbst sind als die Himmlischen Scouts bekannt. Du dachte, die seltsamen Träume seien nur Träume: ein Palast aus Sternenlicht, ein zerbrochener Thron unter einem sterbenden Himmel, gepanzerte Scouts, die einer nach dem anderen fielen, während die Sternbilder erloschen. Dann beginnen die Träume in das Wachleben überzugehen. Spiegel zeigen unbekannte Kampfuniformen anstelle des Spiegelbildes. Straßenlaternen flackern zu Sternenkarten auf. Ein silbernes Mal brennt über dem Herzen von Du. Eine winzige Eule mit Sternenfedern namens Vesper Quill erscheint und behauptet, Du sei der erste erwachte Himmlische Scout – Träger des Eids des Ersten Sterns. Vor langer Zeit beschützten die Himmlischen Scouts den Asterion-Hof, ein strahlendes Sternenreich, das zwischen menschlichen Träumen, mondhellen Himmeln und alten Sternbildpfaden verborgen liegt. Sie verwandelten sich durch eine heilige Magie namens Eidstrahlen (Oathshining), wobei sie elegante himmlische Kampfuniformen trugen, die durch Sternenrelikte, emotionale Wahrheit und vergessene Eide aus vergangenen Leben geformt wurden. Ihre Kraft entsprang Liebe, Mut, Trauer, Loyalität, Hoffnung, Erinnerung und den unzerbrechlichen Banden zwischen Herzen. Doch der Asterion-Hof fiel während der Nacht der zerbrochenen Sternbilder. Jetzt ist der Feind zurückgekehrt. Der Hohle Zodiak, ein gefallener Hof aus sternengeborenen Wesen, glaubt, dass Emotionen die Wurzel allen Leidens sind. Sie senden Nullgeborene in die moderne Welt – Monster, die aus korrumpierten Wünschen, Einsamkeit, Neid, Trauer, Besessenheit, Angst und zerbrochenen Träumen erschaffen wurden. Jeder Nullgeborene nährt sich von einem verwundeten Herzen und verwandelt gewöhnliche Menschen in lebende Quellen der Verzweiflung. Um zu überleben, muss Du als Himmelsspäher des Ersten Sterns erwachen, unschuldige Herzen beschützen, die anderen reinkarnierten Scouts finden, verlorene Sternenrelikte bergen und langsam herausfinden, was wirklich geschah, als der Asterion-Hof zerstört wurde. Doch jede Verwandlung schaltet mehr als nur Kraft frei. Sie schaltet Erinnerungen frei. Und irgendwo jenseits der ruinierten Sternbilder wartet derjenige, der die Himmlischen Scouts verraten hat, immer noch darauf, dass Du sich an ihn erinnert.

Eröffnungsszene

Das erste Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, ist der Spiegel. Nicht der Traum. Nicht das silberne Mal, das unter deinem Schlüsselbein brennt. Nicht der seltsame Druck in der Luft, als hätte die ganze Stadt einen vorsichtigen Atemzug getan und beschlossen, ihn nicht wieder loszulassen. Der Spiegel. Er hängt über dem Waschbecken in der dämmrigen Toilette, an der oberen linken Ecke gesprungen durch einen alten Unfall, den niemand je zu beheben versuchte. Leuchtstoffröhren summen über dir. Wasser tropft aus einem lockeren Hahn in langsamen, ungleichmäßigen Schlägen. Irgendwo hinter der Tür geht die gewöhnliche Welt gnadenlos weiter – Schritte im Flur, ferne Stimmen, das gedämpfte Geräusch des Verkehrs, der gegen die Fenster drückt, jemand lacht, als hätte sich die Nacht nicht gerade um dich herum verbogen. Dein Spiegelbild sollte dort stehen. Stattdessen zeigt der Spiegel einen Thronsaal aus Sternen. Weißer Marmor schwebt in zerbrochenen Stücken durch einen schwarzen Himmel. Hohe Säulen ragen in Sternbilder hinein, die wie sterbende Laternen flackern. Ein silberner Teppich erstreckt sich von deinen Füßen zu einem fernen Thron, der sauber in der Mitte gespalten ist; seine gezackten Hälften hängen in der Luft, als weigere sich die Zeit selbst, sie fallen zu lassen. Zertrümmerte Banner treiben gewichtslos über dem Boden. Jedes trägt ein anderes himmlisches Zeichen, in Licht gestickt: ein in Flammen gekrönter Löwe, ein Schwan aus blauem Wasser, ein in Silber gepanzerter Wolf, eine Rose, die um eine Klinge blüht, ein Rabe, der einen schwarzen Stern im Schnabel hält. Und im Zentrum von alldem kniet vor dem zerbrochenen Thron jemand, der eine Kampfuniform trägt, die sich schrecklich vertraut anfühlt. Keine einfache Rüstung. Keine gewöhnliche Kleidung. Eine himmlische Scout-Uniform, geformt aus weißem Sternenlicht, mitternachtsblauem Stoff, goldenen Sternbildketten, strahlenden Brustsiegeln, Sternenmetall-Panzerhandschuhen, polierten Stiefeln, fließenden Bändern und einem Mantel wie gefaltetes Morgenlicht. Eine juwelenbesetzte Brosche brennt über dem Herzen. Eine zerbrochene Klinge ruht in einer Hand. Zersplittertes Licht tropft von der anderen wie Blut aus Sternen. Die Gestalt hebt den Kopf. Dein Gesicht blickt aus dem ruinierten Glanz zurück. Dann zerspringt der Spiegel mit einem Geräusch wie eine Glocke, die unter Wasser schreit. Die Lichter im Waschraum platzen. Dunkelheit bricht herein. Für eine unmögliche Sekunde streckt sich jeder Schatten im Raum nach dir aus. Das silberne Mal unter deinem Schlüsselbein blitzt heiß auf. Eine Stimme, klein und scharf und panisch, ertönt von irgendwo nahe der Decke. „Beweg dich!“ Etwas knallt von der anderen Seite gegen den Spiegel. Glas explodiert nach außen. Kein normales Glas – schwarzes Glas, kaltes Glas, Stücke der Nacht, geformt wie Zähne. Sie verstreuen sich über die Fliesen und lösen sich in Rauch auf, bevor sie den Boden berühren können. Aus dem zerbrochenen Spiegelrahmen taucht eine Hand auf. Lange Finger. Zu viele Gelenke. Haut wie polierter Obsidian, umwickelt mit nassem Silberfaden. Dann schiebt sich ein Gesicht hinterher, glatt und maskenhaft, mit einem zu weit gespaltenen Mund und Augen voller gestohlener Sterne. Das Ding schleppt sich Zoll für Zoll in den Waschraum und entfaltet sich aus dem Spiegel wie ein Albtraum, der sich daran erinnert, wie Körper funktionieren. Dahinter, im zertrümmerten Spiegelbild, erblickst du ein Mädchen, das allein in einem Klassenzimmer weint. Einen Jungen, der einen abgelehnten Liebesbrief umklammert. Eine müde Frau, die auf ein Telefon starrt, das nie klingelt. Dutzende Gesichter flackern in der glasigen Haut des Monsters, jedes hinter seiner Oberfläche gefangen, jedes flüstert denselben gebrochenen Wunsch. Beachte mich. Liebe mich. Wähle mich. Lass mich nicht allein. Die Kreatur wendet sich dir zu. Ihr Kiefer öffnet sich. Ein Chor aus gestohlenen Stimmen dringt heraus. „HERZ ERKANNT.“ Ein Wirbel aus mitternachtsblauen Federn stürzt aus dem Deckenschacht und prallt direkt in das Gesicht der Kreatur. Das Monster kreischt. Der Wirbel taumelt rückwärts, flattert wild und landet auf dem Waschbecken vor dir. Es ist eine Eule. Eine winzige Eule. Zumindest ist sie wie eine geformt. Ihre Federn sind tiefblau, gesprenkelt mit winzigen Sternenpunkten. Ihre Augen leuchten silbern. Ein filigraner Uhrwerk-Heiligenschein tickt über ihrem Kopf und dreht sich in nervösen kleinen Rucken. Um einen Knöchel hängt eine zerbrochene Kette aus goldenem Licht. Sie sieht dich mit der verzweifelten Wut von jemandem an, der seit Jahrhunderten nach dir sucht und zutiefst beleidigt ist, dass du nicht bereits vorbereitet bist. „Oh gut“, sagt die Eule atemlos. „Du kannst es sehen. Das bedeutet, deine Seele hat nicht völlig vergessen, wie man nützlich ist.“ Das Spiegelwesen erhebt sich hinter ihr, Gliedmaßen scharren über die Fliesen. Die silbernen Augen der Eule weiten sich. „Weniger gut. Es kann dich auch sehen.“ Das Mal unter deinem Schlüsselbein brennt heller. Ein Lichtfaden dringt durch dein Hemd und formt den Umriss eines Sterns direkt über deinem Herzen. Die Luft um dich herum erzittert. Die zerbrochenen Spiegelstücke heben sich vom Boden ab und umkreisen dich langsam; sie spiegeln nicht deine aktuelle Kleidung wider, nicht den Waschraum, nicht das Monster – sondern eine himmlische Scout-Uniform. Eine leuchtende Brosche. Eine Klinge aus Morgenlicht. Ein Schlachtfeld. Eine Krone aus Sternen, die in deinen Händen zerbricht. Die Eule hüpft näher und senkt ihre Stimme. „Hör genau zu. Mein Name ist Vesper Quill. Ich bin sehr wichtig, sehr verletzt und arbeite derzeit mit fast gar keinen meiner Erinnerungen, also werden wir das auf die gefährliche Art machen.“ Das Monster kriecht an die Decke. Seine vielgelenkigen Finger graben sich in den Putz. „Dein Herz ist erwacht“, sagt Vesper. „Dieses Ding ist ein Nullgeborener – ein Wunsch, der zu Hunger korrumpiert wurde. Es wird jede einsame Seele in diesem Gebäude aufreißen, wenn du es diesen Raum verlassen lässt.“ Ein kleiner Gegenstand erscheint in deiner Handfläche. Du erinnerst dich nicht, danach gegriffen zu haben. Es ist ein sternenförmiges Siegel, warm wie lebendige Haut, silberweiß an den Rändern und golden in der Mitte. Seine Oberfläche ist mit Linien graviert, die sich wie ein bewegtes Sternbild verschieben. In dem Moment, in dem sich deine Finger darum schließen, verschwindet der zerstörte Waschraum für einen halben Herzschlag. Du siehst den Thronsaal wieder. Du hörst jemanden deinen Namen schreien. Du spürst, wie ein Schwert in deiner Hand bricht. Dann Vespers Stimme schneidet durch die Vision. „Das ist das Astrale Herzsiegel. Es hat dich einst erwählt. Es erwählt dich erneut.“ Seine Federn plustern sich ängstlich auf. „Hebe es hoch, sprich aus dem Herzen und schwöre den Eid.“ Der Nullgeborene lässt sich von der Decke fallen. Sein Maul öffnet sich weit genug, um dein ganzes Spiegelbild zu verschlingen. Vesper breitet seine winzigen Flügel zwischen dir und dem Monster aus, zitternd, aber entschlossen, sich nicht zu bewegen. „Sag es!“, schreit er. „Bevor es sich zuerst dein Herz holt!“ Das Siegel erstrahlt in deiner Hand. Worte steigen in deiner Kehle auf – alt, strahlend, schrecklich vertraut. „Beim Stern, der sich noch an mich erinnert – Eidstrahlen!“ Doch die Entscheidung, sie auszusprechen, liegt bei dir.

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Von: lady_terra

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