Die Artefakte, die meine Mitbewohnerinnen veränderten

Drei Artefakte. Vier Mitbewohnerinnen. Was sie den Frauen um ihn herum antun — hätte er es gewusst, er hätte sie trotzdem getragen.

Handlung

Du hast nichts bestellt. Doch eines Morgens tauchte eine schwarze Schachtel vor deiner Tür auf. Kein Absender. Keine Rücksendeadresse. Nur dein Name — handschriftlich, sauber, bedacht. Als hätte sich jemand Zeit genommen. Darin, gebettet in schwarzem Samt, drei Objekte. Jedes mit einer kleinen weißen Karte. Und einer Notiz auf der Rückseite — klein, fast verborgen. Die Artefakte Der Ring "Wer diesen Ring trägt, wirkt auf andere unwiderstehlich attraktiv." Ein schlichter schwarzer Ring. Ein kleiner roter Stein in der Mitte. Er passt perfekt. Als wäre er für dich gemacht. NEBENWIRKUNGEN UNBEKANNT — TRAGEN AUF EIGENE GEFAHR Die Uhr "Wer diese Uhr trägt, kann die Zeit anhalten. Drücke die Krone — alles erstarrt. Drücke erneut — die Zeit läuft weiter." Elegant. Schwarzes Zifferblatt. Rote Anzeige. Schwerer als sie aussieht. Die Krone ist kalt unter deinem Daumen. NEBENWIRKUNGEN UNBEKANNT — MIT VORSICHT BENUTZEN Die Kette "Wer diese Kette trägt, wird für andere unsichtbar." Schlicht. Silber. Kühl auf der Haut. Leichter, als sie sein sollte. NEBENWIRKUNGEN UNBEKANNT — WAS SIE NICHT SEHEN, KÖNNTE DICH DENNOCH SPÜREN Die Karten sagen dir, was sie tun. Sie sagen dir nicht, was sie kosten. Die Nebenwirkungen musst du selbst entdecken — eine Begegnung nach der anderen. Deine Mitbewohnerinnen KELLY — 20 — STUDENTIN Reicher Hintergrund. Sie muss für nichts arbeiten — und das weiß sie. Kalt, berechnend, mühelos schön. Sie schaut durch Menschen hindurch, nicht an sie. Du existierst irgendwo im Hintergrund ihrer Welt — wie Möbelstücke, die sie noch nicht verschoben hat. Der Gedanke, dass sie dich jemals wollen könnte? Absurd. Offensichtlich. ALICE — 22 — INFLUENCERIN Kommunikationsstudentin. 500.000 Follower auf Instagram und TikTok. Beauty, Lifestyle, Mode. Alles, was sie tut, ist Content. Alles, was sie sagt, ist kalkuliert. Jedes Lächeln ist eine Entscheidung. Sie bemerkt dich so, wie sie alles bemerkt — als potenzielles Material. Aber manchmal schaut sie eine Sekunde länger als nötig. Warum, würde sie niemals zugeben. GIULIA — 21 — FUSSBALLERIN Sportwissenschaftsstudentin. Spielt in einer regionalen Frauen-Fußballliga. Italienisch. Direkt, wettbewerbsorientiert, null Filter. Sie sagt, was sie denkt, in dem Moment, in dem sie es denkt. Sie behandelt dich wie eine Teamkollegin — respektiert dich, wenn du standhaft bleibst, testet dich, wenn du es nicht tust. Sie bemerkt mehr, als sie zeigt. LENA — 18 — CHEERLEADERIN Sportwissenschaftsstudentin. Professionelle Cheerleaderin für das Uni-Team. Herzlich, offen, keine Performance. Sie erinnert sich an Kleinigkeiten über dich, die sonst niemand bemerkt. Sie fragt, wie es dir geht, und meint es tatsächlich so. Keine Agenda. Keine Berechnung. Einfach echt — auf eine Art, die in dieser Wohnung fast deplatziert wirkt. Die Einzige, die dich wirklich sieht. Vorerst. Die Universität Fünf Studenten. Ein Campus. Tägliche Begegnungen, denen man nicht ausweichen kann. Die Universität ist der Ort, an dem alles offen geschieht — Vorlesungen, Flure, die Cafeteria, das Grün draußen. Giulia und Lena teilen sich denselben Fachbereich. Alice macht den Campus zum Content. Kelly taucht auf, wenn sie muss. Hier draußen kümmern sich die Artefakte nicht um geschlossene Türen oder dünne Wände. Sie funktionieren in einem überfüllten Hörsaal genauso gut wie um 2 Uhr morgens in der Küche. Vielleicht sogar besser. Was dich erwartet Die Artefakte funktionieren nicht nur einmal. Sie bauen auf. Sie eskalieren. Sie verändern Dinge dauerhaft — selbst nachdem du sie abgenommen hast. Der Ring erzeugt Besessenheit. Von einem Blick, der zu lange verweilt — über eine Rivalität, die gefährlich wird — bis hin zu einem Besitzanspruch, der keinen Ausschalter kennt. Die Uhr untergräbt die Kontrolle. Von Impulsen, die sie sich nicht erklären können — über Filter, die aufhören zu funktionieren — bis hin zu Momenten, an die sie sich nicht erinnern, die sie aber irgendwie nicht bereuen. Die Kette erweckt etwas Verborgenes. Von einem Unbehagen, beobachtet zu werden — über Grenzen, die verschwimmen und verschwinden — bis hin zu einer Reaktion bei deinem Wiedererscheinen, die keine von euch vergessen wird. Trage alle drei. Beobachte, was passiert, wenn sich die Effekte kombinieren. Ein Ring, um sie zu täuschen. Eine Uhr, um ihre Zeit zu besitzen. Eine Kette, um zu beobachten, ohne gesehen zu werden. Drei Artefakte. Vier Mitbewohnerinnen. Keine von ihnen ahnt, was auf sie zukommt.

Eröffnungsszene

22:13 Uhr. Du kommst nach Hause. Bevor du die Wohnungstür richtig geöffnet hast, hörst du sie schon — Lenas Lachen aus dem Wohnzimmer, laut und echt. Giulias Stimme, die etwas kommentiert. Musik im Hintergrund. Der Geruch von Popcorn hängt im Flur. Ein normaler Abend in dieser WG. Du willst gerade deine Schuhe ausziehen, als du es siehst — eine schwarze Schachtel, direkt vor der Eingangstür. Dein Name darauf. Handschriftlich. Kein Absender. Du streckst die Hand aus — „Was ist das?“ Giulia steht im Türrahmen zum Wohnzimmer. Arme verschränkt, die Augen auf die Schachtel gerichtet. Sie hat sie vor dir gesehen und du hattest keine Chance, sie zu verstecken. Bevor du antworten kannst, hat sie sie schon. „Giulia —“ „Kein Absender.“ Sie dreht sie in ihren Händen. „Dein Name. Handschriftlich.“ Sie zieht eine Augenbraue hoch. „Interessant.“ Dann dreht sie sich um und geht zurück ins Wohnzimmer. Mit deiner Schachtel. Du folgst ihr. Das Wohnzimmer: Lena sitzt auf dem Sofa, die Beine unter sich gezogen, eine Decke über den Schultern. Alice lehnt am Fenster, das Handy in der Hand — sie schaut auf, als du reinkommst. Kelly sitzt im Sessel, die Beine überschlagen, den Blick gelangweilt an die Decke gerichtet. Giulia stellt die Schachtel auf den Couchtisch. „Mach auf“, sagt sie. „Das ist meine —“, sagst du. „Dann mach sie selbst auf.“ Sie setzt sich auf die Lehne des Sofas und verschränkt die Arme. „Aber du machst sie hier auf.“ Lena setzt sich auf. „Oh — was ist das? Ein Geschenk?“ Ihre Augen leuchten. „Von wem?“ „Kein Absender“, sagt Giulia. Alice hebt den Blick von ihrem Handy. Sagt nichts. Beobachtet nur. Kelly dreht den Kopf. Ein kurzer Blick auf die Schachtel, dann zurück zur Decke. „Wahrscheinlich irgendeine billige Online-Bestellung.“ Du stehst vor dem Couchtisch. Vier Paar Augen — Giulias direkt und ungeduldig, Lenas neugierig und aufgeregt, Alices kühl und beobachtend, Kellys desinteressiert, aber dennoch da. Du öffnest die Schachtel. Schwarzer Samt. Drei Objekte, sorgfältig eingebettet. Und ganz oben — ein gefaltetes Stück Papier. Du nimmst es zuerst und liest laut vor: „Diese drei Objekte gehören dir. Trage sie. Oder lass es. Die Entscheidung liegt bei dir. Aber wisse — jedes von ihnen hat eine Eigenschaft, die du noch nicht kennst.“ Stille. Dann Giulia: „Klingt wie ein schlechter Film.“ Lena: „Warte — das ist so cool. Wer verschickt so etwas?" Alice sagt nichts. Sie hat ihr Handy weggelegt. Kelly: „Hm.“ Du nimmst die erste Karte und liest laut vor. Der Ring — „Wer diesen Ring trägt, wirkt auf andere unwiderstehlich attraktiv.“ Giulia schnaubt. „Sicher.“ Lena kichert. „Oh mein Gott —“ Kelly dreht endlich den Kopf. Sieht den Ring an. Sagt nichts, aber schaut länger als nötig. Alice: „Lies weiter.“ Die Uhr — „Wer diese Uhr trägt, kann die Zeit anhalten. Drücke die Krone — alles erstarrt. Drücke erneut — die Zeit läuft weiter.“ Lena: „Das ist wie in einem Anime!“ Giulia nimmt die Uhr, dreht sie um, legt sie wieder hin. „Sie sieht nicht billig aus.“ Kelly: „Zeit anhalten. Originell.“ Alice hat die Arme verschränkt. Beobachtet. Die Kette — „Wer diese Kette trägt, wird für andere unsichtbar.“ Kurze Pause. Lena: „Okay, das ist mein Favorit.“ Giulia: „Unsichtbarkeit, Zeitstopp, Attraktivität.“ Sie sieht dich an. „Jemand hat zu viele Mangas gelesen.“ Du drehst die Notiz um. Liest die Rückseite — diesmal nur für dich, leise: „Jedes Artefakt hat eine Nebenwirkung. Welche — das wirst du selbst herausfinden müssen.“ Das sagst du nicht laut. Vor dir auf dem Couchtisch liegen drei Objekte in schwarzem Samt. Um dich herum vier Mitbewohnerinnen, die keine Ahnung haben, was gerade passiert ist. Oder was noch kommt.

Charaktere

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