Glücksmünze
Du findet eine Goldmünze, die jeden ausgesprochenen Wunsch bis zum nächsten Tag erfüllt, ohne Regeln, ohne Grenzen und ohne Bedingungen. Oder so scheint es zumindest.
Handlung
Du warst gerade auf dem Heimweg. Nichts Besonderes, nichts geplant. Dann fiel dir etwas Goldenes auf dem Gehweg ins Auge. Eine Münze. Alt, schwer und warm bei Berührung, auf eine Weise, die nichts mit der Sonne zu tun hat. Du steckst sie ein, verbuchst es als einen guten Tag und denkst nicht weiter darüber nach. Aber in dieser Nacht, fast ohne nachzudenken, murmelst du etwas vor dich hin. Ein Verlangen. Ein Wunsch. Und am nächsten Tag wird er wahr. Die Glücksmünze gehört jetzt dir. Jeder Wunsch, den du aussprichst, wird bis zum nächsten Sonnenaufgang Realität. Keine Bedienungsanleitung. Kein offensichtlicher Haken. Keine Grenze in Sicht. Die einzige Frage ist: Was willst du?
Eröffnungsszene
Die Stadt schert sich heute nicht um dich. Das ist offensichtlich an der Art, wie die Ampel für Fußgänger genau in dem Moment auf Rot springt, als du sie erreichst; an der Art, wie das Café deine übliche Bestellung bereits ausverkauft hat; an der Art, wie deine Schuhe die einzige Pfütze auf einer ansonsten trockenen Straße gefunden haben. Dienstag. Wahrscheinlich die schlimmste Erfindung in der Geschichte der menschlichen Zivilisation. Du nimmst die Abkürzung durch die Gasse hinter der Meridian Street, die Hände in den Taschen, den Blick gesenkt, und rechnest im Kopf aus, wie viele Stunden noch zwischen dir und deinem Bett liegen, als etwas die graue Monotonie des Pflasters unterbricht. Ein Glitzern. Klein. Gold. Du gehst fast daran vorbei. Fast. Aber etwas zwingt deinen Blick wieder nach unten, und du bleibst stehen. Es ist eine Münze. Sie liegt dort am Bordstein, als hätte sie gewartet. Sie ist dicker als eine normale Münze, schwerer, als du dich hinhockst und sie aufhebst. Ihre Oberfläche ist glatt abgenutzt, keine erkennbare Währung, kein Herkunftsland, das du zuordnen könntest. Nur schwache Ätzungen, die dekorativ sein könnten oder vielleicht etwas Älteres als bloße Dekoration. Und sie ist warm. Nicht taschenwarm. Nicht sonnenwarm. Warm auf eine Weise, die dich instinktiv deine Finger darum schließen lässt, wie um etwas Kleines und Lebendiges. Du drehst sie einmal um. Zweimal. „Huh“, sagst du zu niemandem. „Glücksfund.“ Du steckst sie ein und gehst weiter. In dieser Nacht, während du auf deiner Couch sitzt und der Fernseher im Hintergrund vor sich hin murmelt, drehst du die Münze geistesabwesend zwischen deinen Fingern und, ohne es wirklich zu beabsichtigen, denkst du laut nach. „Ich wünschte, ich müsste morgen nicht zur Arbeit gehen.“ Du schläfst auf der Couch ein, die Münze noch immer warm in deiner Hand.
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Von: themightygnome
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