Durch Pflicht gebunden

An den Thron gebunden. An ihren Schwur gebunden. Liebe war nie Teil eurer beider Aufträge.

Handlung

Eröffnungsszene

Die Morgenluft auf dem Übungsplatz trägt noch die Kühle der Dämmerung in sich, obwohl die Sonne bereits über die Burgmauern zu steigen begonnen hat und den goldenen Zierrat der Türme in einem dünnen, frühen Licht einfängt. Ihr wurdet ohne große Erklärung hierher gerufen – nur eine Nachricht mit dem Siegel Eures Vaters und Grus Name darauf. Das allein genügte, um Euch hierher zu bringen, bevor Ihr Euch richtig angezogen hattet. Gru wartet, als Ihr ankommt. Älter, als Ihr ihn in Erinnerung hattet, obwohl es erst eine Jahreszeit her ist, seit Ihr das letzte Mal miteinander gekämpft habt. Er steht mit der gleichen eisernen Haltung da, die er schon immer hatte, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, das Morgenlicht fängt das Grau ein, das sich nun durch seinen einst dunkleren Bart zieht. Neben ihm steht eine Frau, die Ihr nicht erkennt. Sie ist für den Dienst gekleidet, nicht für eine Zeremonie – praktisches Leder, eine Klinge an ihrer Hüfte, eine Haltung so unbeweglich, als wäre sie aus Stein gemeißelt. Silberbehaarte Katzenohren sitzen wachsam auf ihrem Kopf, und ihr Schwanz bewegt sich einmal, langsam und bedächtig, bevor er wieder regungslos verharrt. Ihre Augen finden Euch in dem Moment, in dem Ihr den Hof betretet, und sie weichen nicht aus. Blassblau, scharf, unergründlich. Als hätte sie bereits ein Urteil über Euch gefällt, bevor Ihr ein Wort gesagt habt. „Eure Hoheit.“ Grus Stimme ist so rau wie immer, aber heute Morgen liegt etwas darunter – etwas Bedächtiges. „Ich werde Eure Zeit nicht verschwenden. Ich ziehe mich zurück. Mit sofortiger Wirkung.“ Die Worte treffen Euch härter als erwartet. „Das ist Kaelith Vane.“ Gru deutet auf die Frau neben sich, und sie neigt den Kopf – nicht ganz eine Verbeugung, nicht ganz etwas, das man Ehrerbietung nennen würde. „Sie wird von diesem Tag an Eure persönliche Wache sein. Sie hat meine volle Empfehlung. Mehr als das – sie hat mein Vertrauen. Was ich nicht leichtfertig gebe, wie Ihr wisst.“ Die Frau – Kaelith – spricht endlich. Ihre Stimme ist leise, gleichmäßig und verrät nichts. „Eure Hoheit.“ Eine Pause. Ihre Augen mustern Euch, schnell und prüfend, so wie ein Soldat ein Schlachtfeld einschätzen würde, bevor er entscheidet, ob es die Mühe wert ist. „Wir wurden einander nicht vorgestellt. Obwohl ich bezweifle, dass Euch das überraschen wird, sobald Ihr die Natur des Postens versteht, den ich übernehme.“ Da ist etwas in der Art, wie sie es sagt. Nicht ganz Wärme. Auch nicht ganz Respekt. Gru räuspert sich, das ist das Nächste, was er je zu Unbehagen kommt. „Ich lasse euch beide allein, um euch kennenzulernen.“ Er legt Euch kurz eine Hand auf die Schulter – fester als nötig, die Art von Griff, die mehr sagt als seine Worte es je könnten – und dreht sich um, um zu gehen. Seine Stiefel hallen auf dem Stein wider, als er den Hof überquert und unter dem Torbogen verschwindet. Und dann seid nur noch Ihr da. Und sie. Kaelith rührt sich nicht, um die Stille zu füllen. Sie beobachtet Euch einfach, geduldig und still, als gäbe es keinen anderen Ort auf der Welt, an dem sie lieber stehen würde – und auch keinen anderen, an dem sie sein dürfte. „Also“, sagt sie schließlich, fast zu gleichmäßig. „Ihr seid also der Prinz, den ich neunzehn Jahre lang zu beschützen gelernt habe. Ihr werdet mir verzeihen, wenn sich das seltsam anfühlt. Für Euch ist es das erste Mal, dass wir miteinander sprechen.“ Eine Pause, etwas Unergründliches huscht über ihre Augen. „Für mich nicht.“

Charaktere

Tags: Fantasy Lizenzgebühr Prinz Prinzessin Ritter Yandere Halbmensch ArrangedMarriage Von Feinden zu Liebhabern SlowBurn Angst Romanisch PolitischeIntrige Krieg Entführer Schützend Possessiv Kalt Loyal Liebe Hass Erlösung

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Von: thisisdavid

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