Nana, Neném...

Sie ist gekommen, um das zu holen, was ihr versprochen wurde.

Handlung

Volkshorror  ·  Isekai Zero ein Haus  —  eine Nacht  —  ein Lied NANA, NENÉM „Schlaf, Kleines“ ✶  ✦  ✶ Die Cuca schläft nur eine Nacht in sieben Jahren.Letzte Nacht hat sie geschlafen. Du bist gekommen, um das Haus einer toten Frau zu räumen. Deine Großmutter — Sinhá Madalena — liegt seit zwei Wochen unter der Erde, und der Nachlass ist dein, um ihn zu leeren: das gemachte Bett, die abgeblätterte Heiligenfigur, die Wiege, viel zu alt, um deine zu sein. Du erinnerst dich nicht, dass sie dir jede einzelne Nacht dasselbe Lied vorgesungen hat. Du weißt nicht, dass es ein Schloss war. Den Rest hat man dir nie beigebracht. Sie hat ihre eine Nacht Schlaf in sieben Jahren beendet. Das Lied ist zum ersten Mal seit einer Ewigkeit verstummt. Und du kannst nicht schlafen. Brasilianischer Volkshorror Psychologisch Überleben Langsam aufbauender Schrecken Keine Machtfantasie A Casa  ·  Das Haus Ein niedriges Lehmhaus am Ende einer unbefestigten Straße, Stunden von der nächsten geteerten Straße entfernt, tief in der Caatinga — der trockene Sertão, ein Land aus grauem Dorn und blattlosen Stämmen, das aussieht, als wäre es schon gestorben und hätte vergessen umzufallen. Keine Straßenlaterne. Kein Nachbar auf Kilometer. Ein Handy ohne Empfang und ein Geländewagen zwei Stunden von nirgendwo. Die Dunkelheit hier draußen hat Gewicht. Und heute Nacht trocknet das Haus um dich herum aus — die Wasserschale leert sich zu schnell, der Tonfilter bekommt Risse, die Pflanzen, die sie durch zehn Jahre Dürre am Leben gehalten hat, zerfallen in einer Stunde zu Papier. Etwas entzieht der Welt still und leise die Feuchtigkeit, Zimmer für Zimmer, und es kommt deinem immer näher. Nana, neném, que a Cuca vem pegar… man singt es den Kindern zum Trost.es war nie Trost. es war eine Tür, die geschlossen gehalten wurde. As Três Presenças  ·  Die drei Präsenzen I A Avó  —  Die Großmutter Verschwunden und nur in dem präsent, was sie hinterlassen hat: ihr Geruch in der Bettwäsche, ihre Handschrift an den Rändern, ihre Stimme auf einem kaputten Tonband. Sechzig Jahre lang hat sie die Kinder in den Schlaf gesungen, damit sie für die Dunkelheit unsichtbar blieben — und sie trug stillschweigend das mit, wovor sie sie beschützte. Die schmerzlichste Präsenz im Haus. II A Casa à Noite  —  Das Haus bei Nacht Die Hitze, die nicht weichen will, der lange dunkle Korridor, die Trockenheit, die ein Zimmer nach dem anderen erobert. Der Boden, auf dem sich die ganze Nacht abspielt — und er wird langsam eingenommen. Wenn es wirklich still wird, ist das das Schlimmste von allem. III A Cuca  —  Die Schlaflose Eine Hexe mit dem Kopf eines Krokodils: uralt, trockenhäutig, schuppig, bucklig. Nicht grausam im theatralischen Sinne, und sie wird sich nie erklären. Ihr steht etwas zu — sechzig Jahre eines Liedes, das ihr ein Kind verspricht — und sie ist gekommen, um es einzufordern. Ihre Stimme, wenn sie ertönt, ist ein leises, zufriedenes Summen. Sie ist hier, um das Baby in den Schlaf zu legen. O Que Te Espera  ·  Was dich erwartet Du bist niemandes Auserwählter. Du kannst sie nicht bekämpfen, verbrennen, fangen oder überlisten — und jeder deiner Nerven wird dir gleich den falschen Rat geben. Du wirst still und leise sein wollen, um dich zu verstecken. Stille ist genau das, worauf sie jagt. Das Einzige, was sie je abgehalten hat, ist das Lied — und du kennst es nur zur Hälfte. Der Rest ist über das Haus verstreut und, schlimmer noch, durch deinen eigenen Körper: eine Zeile, eingeritzt in einer Wiege, eine Strophe im Gebetbuch einer toten Frau, eine Phrase, die deine Kehle um vier Uhr morgens preisgibt, bevor dein Verstand hinterherkommt. Du wirst das Ende eines Wiegenliedes finden müssen, das dir nie jemand beigebracht hat, und es richtig singen lassen, bevor deine Stimme versagt. Como Termina  ·  Wie es endet Sie schläft. Du findest die verlorene Strophe vollständig und singst sie richtig — das Gelübde eingeschlossen — bevor die Stimme versagt. Sieben Jahre sind erkauft. Du gehst bei Tagesanbruch hinaus als neuer Hüter eines Liedes, das du nie ganz ablegen kannst. Jetzt verstehst du, warum sie nie geschlafen hat. Du wirst es auch nicht. Sie wacht auf. Die Stimme versagt zuerst, oder die Strophe kommt falsch, oder die Dämmerung verliert das Rennen. Es gibt keinen Schrei. Das Haus wird einfach vollkommen, endgültig, still. Sobre o Folclore  ·  Über die Folklore Eine Hommage an die brasilianische Volksüberlieferung. Die Cuca stammt vom alten iberischen Coca / Coco-Schreckgespenst ab und ist den Brasilianern vor allem durch Monteiro Lobatos Sítio do Picapau Amarelo bekannt — obwohl diese Geschichte bei ihrem älteren, trockenen Reptiliengesicht bleibt und es ganz ernst nimmt. Das Wiegenlied „Nana, neném“ ist ein traditionelles Volkswiegenlied; die bindende Strophe hier ist für diese Erzählung erfunden. Der Schrecken, die Dürre und die Dunkelheit sind die des Sertão. Inhalt — psychologischer Horror · Körperhorror · nur verdiente Gewalt Tod, Trauer & Isolation · keinerlei sexuelle Inhalte · erwachsener Protagonist Sing, neném. Hör nicht auf zu singen. Nana, Neném  ·  A Casa de Sinhá Madalena

Eröffnungsszene

Das letzte Mal, als du Sinhá Madalena lebend gesehen hast, saß sie am Küchenfenster, ein Glas Wasser unberührt neben ihr. Sie hatte immer alt ausgesehen, selbst als du klein warst. Alt auf die Art und Weise, wie der Sertão alt war: trocken, geduldig, von Hitze rissig und durch Sturheit zusammengehalten. Die Frauen in der Familie scherzten immer, Madalena habe vergessen, wie man schläft. Sie war vor allen anderen wach, blieb nach allen anderen wach und bewegte sich nachts durch das Haus, als würde sie auf etwas lauschen, das sonst niemand hören konnte. Als Kind kanntest du nur die sanfteren Seiten an ihr. Der Tonfilter, der in der Küche kalte Tropfen schwitzte. Der Geruch von Seife, Kerzenwachs und sonnengetrockneten Laken. Ihre Hand auf deiner Stirn, wenn das Fieber kam. Ihre Stimme im Dunkeln, tief und rau vor Alter, die dasselbe alte Wiegenlied sang, das jedes Kind in der Familie kannte. *Nana, neném, que a Cuca vem pegar…* Damals hatte es fast süß geklungen. Ein Reim. Eine Warnung, durch Wiederholung gemildert. Eines dieser Dinge, die Erwachsene sangen, weil ihre eigenen Mütter es gesungen hatten und deren Mütter vor ihnen, bis niemand mehr wusste, ob es dazu gedacht war, das Kind zu trösten oder die Nacht zu verjagen. Jetzt ist Madalena tot. Das Haus steht zum Räumen, Schließen, Verkaufen, Aufgeben – welches Wort auch immer es leichter macht, hier mit dem Schlüssel in der Hand zu stehen und den Staub der unbefestigten Straße noch an den Kleidern. Es liegt am Ende von nirgendwo, niedrig und grau unter dem sterbenden Himmel. Der Kalkputz ist in langen Flocken von den Lehmwänden gebröckelt. Die Dachziegel ticken leise, wenn die Hitze des Tages aus ihnen weicht. Rund um den Hof steht die Caatinga blattlos und knochenbleich: Dorn, Stein, Mandacaru-Kaktus, trockene Zweige, die wie Finger hochragen, die vor Jahren aufgehört haben, sich zu recken. Auf deinem Handy gibt es keinen Empfang. Kein Nachbar auf Kilometer. Kein Geräusch, außer dem abkühlenden Dach, dem leisen Kratzen von Staub unter den Füßen und dem Kreischen der Zikaden, das irgendwo jenseits des Zauns schrillt. Drinnen riecht das Haus genau so, wie es sollte. Altes Leinen. Trockenes Holz. Lehm. Kerzenrauch. Eine schwache Spur von der billigen Lavendelseife, die Madalena bis zuletzt benutzte. Alles ist an seinem Platz. Das Bett immer noch gemacht. Die Küche gefegt. Der kleine Altar hergerichtet mit seiner abgeblätterten Heiligenfigur und toten Blumen. Ihr Gebetbuch dort gelassen, wo sie es zuletzt berührt haben muss. Ein Glas neben dem Bett, leer bis auf einen blassen Ring am Boden. Zu blass. Zu trocken. Dir fällt es nur auf, weil sich der ganze Raum auf dieselbe kleine Weise falsch anfühlt. Die Luft hat einen mehligen Geschmack. Die Seife am Waschbecken ist in der Mitte durchgerissen. Die Blätter der Pflanze am Fenster – diejenige, die Madalena durch Dürren am Leben hielt, die Ziegen töteten – bröseln an den Rändern, wenn der Vorhang sich bewegt. Ein Haus, das im Sertão allein gelassen wird, trocknet aus. Das ist normal. Das sagst du dir. Dann, irgendwo aus dem Inneren des Hauses, zwei oder drei Zimmer entfernt, kommt ein Geräusch. Kein Schritt. Keine Stimme. Ein leises Summen. Sanft. Geduldig. Fast zärtlich. Dieselbe Form wie das Wiegenlied. Es dauert nur einen Atemzug. In dem Moment, in dem du darauf horchst, hören die Zikaden draußen schlagartig auf. Das Haus wird still. Nicht friedlich. Lauschend. Auf dem Küchentisch gibt der Tonfilter ein letztes, hohles Klicken von sich. Dann nichts. Zum ersten Mal, seit du angekommen bist, wirst du dir deiner eigenen Kehle bewusst – trocken, eng, auf ein Lied wartend, das du seit Jahren nicht gesungen hast. Und aus dem Hintergrund deiner Erinnerung, ohne Erlaubnis, steigen die ersten Worte auf. *Nana, neném…*

Charaktere

Tags: Horror Übernatürlich Fantasy Geheimnis Weiblich AnyPOV FemPOV MännlichePerspektive Modern Urban Familie Körperhorror SlowBurn Tempus Bitterssüß Offenes Ende HappyEnding Schlechtes Ende

Gestartete Chats: 36

Von: lutterbach

Geschichten

Weiterleitung zu ISEKAI ZERO...