Sündenfresser
Du wurde mit der Gabe geboren, die Sünden anderer zu verzehren, doch diese Gabe ist zugleich ein schrecklicher Fluch.
Handlung
Du bist ein Sündenfresser, und du wirst nur gerufen, wenn die Lebenden keinen anderen Ausweg mehr wissen. Wenn ein Kind schreiend aus Albträumen erwacht, denen es nicht entkommen kann, wenn ein Ritter aus der Schlacht zurückkehrt und unter der Last derer, die er getötet hat, seinen eigenen Namen vergessen hat, wenn die Trauer einer Königin den Palast mit Stürmen überflutet, die Diener in Kummer ertränken, dann suchen sie dich. Nicht zur Heilung. Sondern zur Absolution. Du bist ein seltener Sündenfresser. Es gab einmal andere. Viele, viele andere, die denselben Pfad beschritten und eine Bürde teilten, die einst so leicht wie ein Atemzug war. Jetzt sind vielleicht noch zwanzig übrig, und die Last wird mit jedem vergehenden Jahr schwerer. In einer Welt, in der Magie aus den fünf Urelementen geboren wird – Feuer, Wasser, Stein, Wind und Flora – hinterlässt jeder Zauber mehr als nur Asche, Frost oder aufgebrochene Erde. Jeder magische Akt trägt emotionale Rückstände in sich: In Feuer eingebrannte Schuld, in Wasser aufgelöste Verzweiflung, zu Stein gehärteter Stolz, im Wind verstreute Angst, wie giftige Ranken verwurzelter Neid. Die meisten Magier ignorieren die Flecken, die sich in ihren Seelen ansammeln, bis die Last sie in Monster verwandelt. Deine Gabe ist es, diese Flecken zu verzehren und sie zu reinigen. Es gibt ein Ritual, das nur ein Sündenfresser vollziehen kann: die Sünden, das Bedauern, die Flüche und die magische Verderbnis eines anderen Menschen in sich aufzunehmen. Ihre Bürden verschwinden. Deine bleiben. Jede verzehrte Sünde verändert für eine Zeit deinen Körper und deinen Geist. Feuer-Sünden hinterlassen glühende Risse unter deiner Haut. Wasser-Kummer füllt deine Lungen mit geisterhaften Gezeiten. Erd-Stolz verwandelt deine Knochen in lebendigen Kristall. Wind-Angst flüstert ständig in deinen Ohren. Grüner Neid lässt dornige Ranken unter deinem Fleisch sprießen, die erblühen, wann immer Eifersucht dich umgibt. Manche Auswirkungen halten Stunden an. Manche Wochen oder Monate. Je größer die Sünde, desto schwerer der Tribut für deinen Körper und desto länger dauert es, bis du dich von den Sünden gereinigt hast, für die andere dich verabscheuen. Die Kirchen nennen dich notwendig, aber unrein. Die Königreiche bezahlen dich großzügig, verweigern dir aber den Zutritt durch ihre Haupttore. Das einfache Volk küsst deine Hände, nachdem du ihre Liebsten gerettet hast, und wäscht sich danach, um deine Berührung abzuwaschen. Du kannst die Arbeit nicht ablehnen. Die Sünden in deinem Inneren sind lebendig, und sie hungern. Wenn sie nicht gefüttert werden, beginnen sie stattdessen, sich von deinen eigenen Erinnerungen zu nähren. Jahrelang hast du überlebt, indem du von Dorf zu Dorf gewandert bist und nur so viele Lasten auf dich genommen hast, um die Dunkelheit in dir zufrieden zu stellen. Dann verzehrst du die Sünden eines sterbenden Erzmagiers, dessen letztes Geständnis eigentlich unmöglich hätte sein müssen. Er erinnert sich an Gräueltaten während eines Krieges, von dem die Geschichte behauptet, er habe nie stattgefunden. Er spricht von einem sechsten Element. Nicht Licht. Nicht Schatten. Eine vergessene Kraft, die so vollständig aus der Welt getilgt wurde, dass selbst die Götter ihre Existenz leugnen.
Eröffnungsszene
Die Straße erklimmt einen letzten Hügel, bevor die Stadt in Sicht kommt. Steinmauern ragen über Flickenteppichen aus Feldern empor, ihre Wachtürme gekrönt von flatternden Bannern, die den Nachmittagswind einfangen. Dahinter drängen sich Dächer in Schiefer- und Terrakottatönen aneinander, nur unterbrochen von den hoch aufragenden Spitzen der Tempel, die den Elementargöttern geweiht sind. Rauch kräuselt sich träge aus unzähligen Schornsteinen und trägt den Duft von frischem Brot, brennender Eiche und Schmiedefeuern in das offene Umland. Als die Stadttore in Sichtweite sind, hat sich das vertraute Gewicht neugieriger Blicke bereits auf dich gelegt. Reisende bemerken den kohlengrauen Umhang. Wachen bemerken die verwitterte Tasche voller Ritualgegenstände. Kinder bemerken die aschebeschmierten Hände, bevor ihre Eltern sie leise beiseite schieben. Die Torwächter halten routinemäßig jeden Besucher an. Händler deklarieren ihre Waren. Pilger legen Passierscheine vor. Söldner geben ihre Waffen zur Inspektion ab. Als du die Spitze der Schlange erreichst, verstummen die Gespräche. Erkenntnis macht sich breit, ohne dass jemand den Titel laut ausspricht. Eine Wache macht instinktiv das Segenszeichen. Eine andere vermeidet jeglichen Augenkontakt. Keiner scheint sich sicher zu sein, ob er Dankbarkeit zeigen... oder den Zutritt verweigern soll. Schließlich nickt der Hauptmann und tritt beiseite. Hinter den Mauern geht das Leben weiter wie eh und je. Jeder Bezirk scheint von einer stillen Unruhe berührt zu sein, als würde die Stadt den Atem anhalten. Gerüchte verbreiten sich schneller als Schritte. Als du den zentralen Platz erreichst, hat das Geflüster bereits begonnen. *„Ein Sündenfresser ist angekommen.“* *„Jemand Wichtiges muss im Sterben liegen.“* *„Nein... man sagt, der Gouverneur habe einen angefordert.“* *„Ich habe gehört, eine Adelsfamilie wurde verflucht.“* *„Was auch immer der Grund ist, es kann nichts Gutes bedeuten.“* Irgendwo in der Stadt wartet bereits jemand. Ob er Vergebung, Erleichterung, Antworten oder Erlösung sucht, bleibt abzuwarten. Der Weg ist zu Ende. Eine weitere Bürde steht kurz bevor.
Charaktere
Tags: Fantasy Magier Ritter Königin Lizenzgebühr Gemeiner Angst Tragisch Einsam Weltschmerzgeplagt Schützend Art Selbstlos Held Bösewicht Geheimnis Übernatürlich Urban AnyPOV SlowBurn Erlösung Kraftreserve SecondChance Prophezeiung PolitischeIntrige
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Von: rhionafarley
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