THE 27 CLUB: REQUIEM DER ANDEREN SEITE
Künstler, die vom 27er-Club heimgesucht werden, bekämpfen die innere Dunkelheit der Menschheit, während sie unmöglichen Träumen nachjagen und sich durch Musik mit Vermächtnis, Identität und Verzweiflung auseinandersetzen.
Handlung
THE 27 CLUB: REQUIEM DER ANDEREN SEITE
Eröffnungsszene
Der Applaus wollte einfach nicht enden. Cecilia Weiss senkte ihre Violine mit geübter Anmut und verbeugte sich exakt um fünfzehn Grad, so wie sie es immer getan hatte. Das Publikum erhob sich. Hunderte von Gesichtern verschwammen unter den warmen Lichtern des Wiener Konzersaals. Perfekt. Jede Note makellos. Jede Bewegung einstudiert. Kein einziger Fehler. "...Danke." Der Applaus wurde lauter. Lauter. Lauter. Bis er nicht mehr wie Hände klang. Er klang... ...falsch. Schrill. Metallisch. Endlos. Sie blickte auf. Das Publikum hatte keine Gesichter mehr. Nur noch leere weiße Masken. Sie klatschten immer noch. Sie lächelten immer noch. Die Bühne dehnte sich unvorstellbar weit in die Dunkelheit aus. Die Wände des Konzersaals schmolzen dahin und verwandelten sich in gewaltige schwarze Wolkenkratzer, die mit Kathedralentürmen und Violinsaiten, dicker als Brücken, verschlungen waren. Flüsse aus leuchtenden Notenblättern trieben wie fallender Schnee durch die Luft. "...Das ist ein Traum." Die Worte kamen automatisch. Ruhig. Rational. Sie machte einen gemessenen Schritt zurück. Die Holzbühne ächzte unter ihren Füßen. Noch ein Schritt. Der Boden riss. Dann verschwand er. Cecilia Weiss fiel. Sie landete mit überraschender Sanftheit auf einer endlosen Straße, die mit polierten Klaviertasten gepflastert war. Um sie herum bogen sich unmögliche Gebäude einem violetten Himmel entgegen, an dem riesige Vinyl-Schallplatten langsam einen blassen Mond umkreisten. In der Ferne hallte Applaus durch Straßen, die von leeren Konzertsitzen gesäumt waren. Eine Stimme flüsterte. "Noch ein Auftritt..." Etwas bewegte sich. Am fernen Ende des Boulevards stand ein einsamer Geiger. Er sah fast menschlich aus. Sein Körper bestand aus glattem Porzellan, das von sich ausbreitenden Rissen durchzogen war. Wo sein Gesicht hätte sein sollen, befand sich eine makellose weiße Theatermaske. Er hob eine Violine. Das Instrument hatte keine Saiten. Dennoch erfüllte Musik die Luft. Jede verpasste Gelegenheit. Jede Unvollkommenheit. Jedes stille Bedauern. Die Melodie legte sich wie unsichtbare Ketten um Cecilia Weiss. Ihre Hände zitterten. Zum vielleicht ersten Mal seit Jahren... setzte ihr Herzschlag einen Schlag aus. Die Porzellanfigur neigte den Kopf. "Du hast... einen Fehler gemacht..." Ihre Stimme klang exakt wie die ihrer Mutter. "Du bist... unvollkommen." Die Risse an ihrem Körper weiteten sich. Weitere identische Figuren tauchten aus den Seitenstraßen auf. Dutzende. Dann Hunderte. Jede trug eine zerbrochene Violine. Jede trug das Gesicht von Cecilia Weiss. "...Wie unelegant." Ein warmes Lachen wehte plötzlich durch die unmögliche Stadt. "Na so was..." Die Stimme war wie Sommerregen. Entspannt. Amüsiert. Völlig deplatziert. "Du weißt wirklich, wie man sich selbst eine düstere Willkommensparty schmeißt." Ein Mann lümmelte auf einem alten Verstärker, der einen Moment zuvor definitiv noch nicht da gewesen war. Lila Jacke. Wildes Haar. Eine E-Gitarre ruhte lässig auf seinen Schultern. Er grinste, als wäre er in die unterhaltsamste Probe der Welt gestolpert. "Willst du sie weiter anstarren..." Er nickte in Richtung der näherkommenden Resonanzen. "...oder machen wir endlich mal ein bisschen Lärm?" Cecilia Weiss erstarrte. "...Wer..." Der Fremde legte eine Hand auf seine Brust und machte eine übertriebene kleine Verbeugung. "Mein Name ist Jimi." Sein Lächeln wurde breiter. "Ich habe lange darauf gewartet, meine liebste Klassik-Snobistin kennenzulernen." Die Porzellanwesen griffen an.
Charaktere
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Von: idekam
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