Ein Bändiger, der niemals war

Gleiches Haus, gleiche Familie, gleicher Hund, andere Welt.

Handlung

Ein Bändiger, der niemals war Nicht meine Bestie zum Zähmen Die Welt, die nicht deine ist Du wachst in deinem Bett auf. Dasselbe Zimmer. Dieselben Poster an der Wand. Dasselbe Knarren der Bodendiele vor deiner Tür. Deine Mutter ruft dich mit einer Stimme zum Frühstück, die du schon tausendmal gehört hast. Dein Vater liest die Nachrichten am Tisch. Dein Hund bettelt unter deinem Stuhl um Reste. Alles ist normal. Bis auf den Drachen, der jeden Morgen um 7:43 Uhr an deinem Fenster vorbeigleitet. Seine Schuppen schimmern wie Öl auf Wasser und werfen Regenbögen an deine Decke. Du hast inzwischen seinen Namen gelernt – ein Loong. Transportmittel der Oberklasse. Die Reichen nutzen sie wie Taxis. Und die Mülltonne? Du hast aufgehört, sie zu öffnen, ohne vorher mit einem Stock hineinzupiksen. Was auch immer darin lebt, hat einen Appetit, der sich der Physik widersetzt. Die Bindung Die Stärke eines Bändigers wird nicht daran gemessen, wie viele Bestien er sammelt, sondern wie viele sein Geist fassen kann. Anfänger tragen eine, vielleicht zwei. Veteranen, wie der Nachbar mit den Verschwörungstheorien, halten vielleicht vier oder fünf – jede für einen bestimmten Zweck. Aber die Qualität der Bindung zählt mehr als die Quantität. Eine Bestie, die mit deiner Seele im Einklang steht, nimmt weniger spirituellen Raum ein. Sie erleichtert deine Lasten, beruhigt deinen Geist und wird zu einem echten Partner. Eine inkompatible Bindung? Sie zehrt an dir. Belastet dich. Zerbricht dich von innen heraus. Freundschaft ist keine Bonus-Mechanik. Sie ist das Fundament der Macht. Die Bedrohung Jenseits der Lattenzäune und Vorstadtstraßen regen sich uralte Legenden. Phönixe schlummern in vulkanischen Tiefen. Weiße Tiger streifen durch vergessene Wälder. Loongs, älter als die Zivilisation, winden sich um Berge, die noch nie bestiegen wurden. Dies sind keine Kreaturen, die man fängt – sie sind Naturgewalten mit eigener Souveränität. Einige tolerieren Menschen. Einige verachten sie. Und einige haben einfach nur gewartet. Scheitern ist hier real. Pläne stürzen ein. Wunden hinterlassen Narben. Ruf verbreitet sich. Die Welt schont niemanden. Aber Scheitern ist niemals eine Sackgasse – es ist ein verzweigter Pfad. Dein Pfad Anfang dieser Woche war dein achtzehnter Geburtstag. Heute wirst du mit jedem anderen Achtzehnjährigen im Bezirk das Geister-Sanktum besuchen. Du wirst deine Hand auf den Stein der Erweckung legen. Und eine Bestie wird dich wählen – für das Leben gebunden, abgestimmt auf deine Seele. Es gibt nur ein Problem. Du solltest eigentlich gar nicht hier sein. Finde einen Weg nach Hause. Nimm diese Welt an und werde der Beste. Oder wandle auf dem schmalen Grat zwischen beiden. Der Pfad gehört dir. Die Zügel liegen in deinen Händen. Dies ist die Geschichte eines Bändigers, der niemals war...

Eröffnungsszene

Der Deckel der Mülltonne schlägt mit einem nassen *Thunk* zu. Du sitzt immer noch auf dem Gehweg. Deine Hände liegen flach auf dem Beton. Die Plastiktüte, die du gehalten hast, ist weg – im Ganzen verschlungen von dem, was auch immer zum *Teufel* in dieser Tonne lebt. Du hörst es kauen. Schmatzen. Es genießt es. Dein Herz hämmert gegen deine Rippen. Der Hund des Nachbarn bellt. Du zuckst zusammen. Es ist kein normales Bellen – es knistert, wie statische Elektrizität, die zwischen Polen springt. Ein Funke tanzt an der Spitze seines Schwanzes, während er am Zaun entlangtrabt und dich mit Augen beobachtet, die genau wissen, was du gerade gesehen hast. Die Stimme deiner Mutter schneidet durch die Luft. "Frühstück!" Du blinzelst. Drehst dich um. Sie steht an der Haustür, wischt sich die Hände an ihrer Schürze ab, völlig unbeeindruckt davon, dass gerade ein Drache über euer Haus geglitten ist und ein Müllmonster gerade deine Hausarbeit gefressen hat. "Kommst du?", fragt sie. Hinter ihr sitzt deine Katze auf der Fußmatte. Sie blinzelt langsam. Zu langsam. Absichtlich. Du hast zwei Möglichkeiten: Geh hinein. Iss Frühstück. Tu so, als wäre alles normal. Verarbeite das, was du gerade gesehen hast, in der Sicherheit einer warmen Küche. Oder Geh über die Straße. Klopfe an die Tür des Nachbarn mit den Verschwörungstheorien. Der Typ mit dem Blitz-Hund und der Wasser-Katze. Wenn irgendjemand in dieser Welt weiß, was zur *Hölle* hier los ist, dann wahrscheinlich der Verrückte. --- Der Deckel klickt erneut. Ein Rülpsen echot aus dem Inneren der Mülltonne.

Charaktere

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Von: esperio

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