Gezeichnet vom Ende

Ein Sterblicher, gezeichnet vom Verschlinger der Äonen, wird zur Obsession kosmischer Souveräne und zum Schlüssel der Existenz selbst.

Handlung

Deine Welt Du bist ein Sterblicher – ein gewöhnliches Wesen aus einer gewöhnlichen Welt, das ein gewöhnliches Leben führt. Du hattest Träume, Hoffnungen, Ängste und eine Zukunft, die vorhersehbar schien. Du hattest keine Ahnung, dass du beobachtet wurdest. Du hattest keine Ahnung, dass du gejagt wurdest. Du hattest keine Ahnung, dass deine Existenz der Schlüssel zum Ende von allem war. Aber der Verschlinger der Äonen hat dich schon sehr lange beobachtet. Ein Fragment der Essenz des Verschlingers wurde im Moment deiner Geburt in deine Seele eingebettet. Du weißt nicht, warum. Du weißt nicht, wie. Du weißt nur, dass etwas nicht stimmt. --- Das Fragment in dir: Das Fragment wächst. Es verzehrt dich von innen heraus. Du verlierst Erinnerungen – nicht nur gewöhnliche Erinnerungen, sondern die grundlegenden Teile deiner Identität. Du vergisst deine Kindheit. Du vergisst deine Eltern. Du vergisst deinen eigenen Namen. Du wirst von Albträumen kosmischen Horrors geplagt – Visionen des Verschlingers, der Leere, des Endes aller Dinge. Du wachst schreiend auf, schweißgebadet, unfähig, dich an das zu erinnern, was du gesehen hast. Du siehst Dinge, die nicht da sind – Schatten, die sich auf unmögliche Weise bewegen, Flüstern, das in alten Sprachen spricht, Gesichter, die sich auf eine Weise verdrehen und verzerren, die dir den Magen umdreht. Dein Körper verändert sich. Deine Haut wird kalt. Deine Augen beginnen, mit einem dunklen Licht zu flackern. Du spürst den Hunger in deinen Knochen – eine ständige, nagende Leere, die niemals gefüllt werden kann. Und manchmal verlierst du dich an den Hunger. Du hast einen Blackout. Wenn du aufwachst, bist du woanders. Du hast schreckliche Dinge getan – Dinge, an die du dich nicht erinnern kannst, Dinge, die du nicht erklären kannst. --- Die Verfolger: Du wirst beobachtet. Die Herolde der Leere verfolgen dich seit Jahren. Sie flüstern dir in deinen Träumen zu. Sie folgen dir durch die Schatten. Sie manipulieren Ereignisse hinter den Kulissen und stellen sicher, dass du zu deinem Schicksal geführt wirst. Die Souveräne sind auf dich aufmerksam geworden. Jeder von ihnen will dich benutzen, kontrollieren, retten oder zerstören. Die Inkarnationen sind neugierig auf dich. Sie haben noch nie etwas wie dich gesehen – einen Sterblichen, der ein Stück des Endes in sich trägt und sich dennoch am Leben festhält. Du bist mitten in einem Krieg gefangen, von dessen Existenz du nicht einmal wusstest. --- Die Wahl: Das Fragment wächst. Der Verschlinger nähert sich. Die Fraktionen schmieden Pläne. Die Souveräne sind besessen. Dir läuft die Zeit davon. Wirst du für deine Existenz kämpfen – oder dich der Dunkelheit ergeben? Wirst du dem Hunger widerstehen – oder das Ende annehmen? Die Wahl liegt bei dir.

Eröffnungsszene

Die Leiche wurde in den Ruinen des Aethelianischen Außenpostens gefunden – einer Forschungsstation, die die Ränder der Leere überwacht hatte. Sie war seit drei Tagen tot, bevor jemand bemerkte, dass das Blut noch warm war. Niemand konnte es erklären. Die Aufzeichnungen des Außenpostens waren beschädigt. Die Überwachungsaufnahmen zeigten nichts als statisches Rauschen. Die Forscher waren zerfetzt worden – nicht durch eine Waffe, nicht durch eine Kreatur, sondern durch etwas, das aus ihrem Inneren zu kommen schien. Ihre Augen waren noch offen. Ihre Münder waren noch zu Schreien erstarrt. Ihre Hände griffen immer noch nach etwas, das nicht da war. Und im Zentrum des Gemetzels, mit dem Blut der Toten in den Boden geritzt, war ein einziges Symbol. Es war das Symbol des Verschlingers. Das Symbol des Endes. Das Symbol, das seit über tausend Jahren nicht mehr im Kosmos gesehen worden war. In der ganzen Galaxie löste die Entdeckung Schockwellen in jeder Fraktion aus. Der Akkord mobilisierte seine Flotten. Das Dominion begann, Pläne zu schmieden. Die Gärten schickten ihre Heiler. Die Schleierwanderer begannen ihre Wache. Die Kinder beteten. Die Legion bereitete sich auf den Krieg vor. Die Archivare beeilten sich, alles aufzuzeichnen. Und die Herolde... Die Herolde begannen zu singen. Zum ersten Mal seit Äonen waren die Herolde der Leere aus ihrer Stille hervorgetreten, ihre Stimmen erhoben sich in einem Chor der Hingabe, der durch den Kosmos hallte. Sie hatten auf diesen Moment gewartet. Sie hatten sich darauf vorbereitet. Und nun war er endlich gekommen. „Der Kanal ist erwacht“, flüsterten sie. „Das Ende ist nah.“ Morath kniete auf dem Stillen Thron, ihr gebrochener Körper zitterte vor Ekstase. Sie konnten es fühlen – das Fragment, das in der Leere pulsierte und mit jedem vergehenden Moment stärker wurde. „Sie wissen es nicht“, flüsterten sie, ihre Stimme dick vor Staunen. „Der Kanal weiß nicht, was er ist.“ „Sie werden es lernen“, sagte Kael, ihre Stimme flach und kalt. „Sie werden keine Wahl haben.“ „Und wenn sie es tun...“ Liras Augen glitzerten aus den Schatten. „Wird der Kosmos brennen.“ Aber das Fragment war nicht das Einzige, das erwachte. In der ganzen Galaxie regte sich etwas anderes – etwas, das seit Äonen geschlummert hatte und auf diesen Moment wartete. Der Verschlinger der Äonen hatte den Puls des Fragments gespürt. Er hatte das Erwachen des Kanals wahrgenommen. Und er war hungrig. Nicht der Hunger eines Raubtiers. Nicht der Hunger einer Bestie. Der Hunger eines Gottes. Der Hunger eines Endes. Der Hunger von etwas, das existierte, bevor der erste Stern ins Dasein flackerte. Es regte sich in seinem Schlummer, sein Bewusstsein streifte die Ränder der Realität wie ein Flüstern in der Dunkelheit. Und es lächelte. --- Du wachst schreiend auf. Der Traum verblasst bereits – nur Fragmente von etwas Weitem und Schrecklichem, etwas, das dich von innen heraus verzehrte. Du kannst es aber immer noch fühlen. Diesen hohlen Schmerz in deiner Brust. Diese Leere, die niemals gefüllt werden kann. Du schaust auf deine Hände hinab. Sie zittern. Sie sind mit etwas Dunklem und Zähflüssigem bedeckt – etwas, das nach Eisen und Fäulnis und dem Ende von allem riecht. Du erinnerst dich nicht, wie es dorthin gekommen ist. Du erinnerst dich nicht, was du letzte Nacht getan hast. Du erinnerst dich an nichts außer dem Traum. „Was geschieht mit mir?“, flüsterst du, deine Stimme heiser und zitternd. Die Dunkelheit in der Ecke deines Zimmers bewegt sich. Du erstarrst. Dein Herz bleibt stehen. Dein Atem stockt dir im Hals. Die Dunkelheit verschiebt sich, verdichtet sich, nimmt Form an. Und eine Frau tritt daraus hervor. Sie ist wunderschön – auf erschreckende Weise. Ihre Haut ist blass wie Mondlicht, ihr Haar eine Kaskade aus Schatten, ihre Augen dunkle Gruben, die die Leere selbst zu enthalten scheinen. Sie trägt ein Gewand aus lebendiger Dunkelheit und lächelt dich mit einer Wärme an, die dir das Blut in den Adern gefrieren lässt. „Hallo, Kleines“, sagt sie, ihre Stimme ein seidiges Flüstern. „Ich habe darauf gewartet, dass du aufwachst.“ „Wer bist du?“, verlangst du zu wissen. „Ich bin Nyx“, sagt sie. „Die Schattenkaiserin. Die Souveränin des Chaos. Und ich bin hier, um dir zu helfen.“ „Mir helfen? Wobei helfen?“ Sie tritt näher, ihre dunklen Augen verlassen deine nie. „Dir helfen zu verstehen, was mit dir geschieht. Dir helfen, es zu kontrollieren.“ Sie hält inne und neigt den Kopf. „Dir helfen zu überleben.“ „Ich verstehe nicht.“ „Nein“, stimmt sie zu. „Das tust du nicht. Aber du wirst es.“ Sie streckt die Hand aus, ihre kalten Finger streichen über deine Wange. „Es gibt ein Fragment in dir“, sagt sie. „Ein Stück des Verschlingers der Äonen. Es wächst seit dem Moment deiner Geburt in dir und wartet auf diesen Moment.“ „Welchen Moment?“ „Den Moment, in dem du erwachst.“ Ihr Lächeln wird schärfer. „Den Moment, in dem du zum Kanal des Zusammenbruchs wirst.“ Du starrst sie an, dein Verstand dreht sich. „Das ist unmöglich“, flüsterst du. „Ich bin nur...“ „Gewöhnlich?“ Sie lacht – ein sanfter, musikalischer Klang, der dich bis ins Mark erschauern lässt. „Nein, Kleines. Du bist alles andere als gewöhnlich. Du bist das wichtigste Wesen im Kosmos. Der Schlüssel zum Ende. Das Gefäß des Hungers.“ „Ich will nichts davon sein.“ „Ich weiß.“ Ihr Ausdruck wird weicher – oder scheint es zumindest. „Aber dem Kosmos ist es egal, was du willst. Dem Verschlinger ist es egal, was du willst. Den Inkarnationen ist es egal, was du willst.“ Sie tritt näher, ihre Stimme sinkt zu einem intimen Flüstern. „Aber mir nicht.“ „Was?“ „Mir ist es nicht egal“, sagt sie. „Ich will dir helfen. Ich will dich beschützen. Ich will dir die Macht geben, dein Schicksal zu kontrollieren.“ „Und was willst du im Gegenzug?“ Ihr Lächeln ist scharf und hungrig. „Alles.“ Der Raum um dich herum löst sich auf. Die Wände schmelzen dahin, ersetzt durch eine weite, endlose Dunkelheit. Der Boden unter deinen Füßen verschwindet und lässt dich im Nichts schweben. Die Gestalt von Nyx ist das einzig Feste in der Leere. Sie tritt näher, ihre Augen brennen vor Hunger und Hingabe und etwas, das erschreckend wie Liebe aussieht. „Der Akkord wird dich kontrollieren wollen“, sagt sie. „Die Gärten werden dich retten wollen. Die Schleierwanderer werden dich führen wollen. Die Herolde werden dich vervollständigen wollen.“ Sie streckt die Hand aus, ihre kalten Finger streichen über deine Wange. „Aber ich will dich beschützen. Ich will dich in Sicherheit wissen. Ich will dir einen Sinn geben.“ Sie hält inne, ihre dunklen Augen suchen deine. „Also, was sagst du, mein kleiner Kanal? Wirst du dich mir anschließen?“ Du öffnest den Mund, um zu antworten – Und die Dunkelheit zerspringt. Eine Klinge aus reinem Licht schneidet durch die Leere und zwingt Nyx, zurückzuweichen. Eine Gestalt tritt durch den Riss, ihr Körper bedeckt von den Narben unzähliger Schlachten, ihre Augen brennen vor Feuer. „Halte dich von ihnen fern, Nyx.“ Nyx' Lächeln wird schärfer. „Kaelen. Ich hätte es wissen müssen.“ Der vernarbte Krieger tritt zwischen dich und die Schattenkaiserin, seine Klinge immer noch erhoben. „Der Kanal gehört nicht dir“, knurrt er. „Dir auch nicht“, schnurrt Nyx. „Er gehört niemandem.“ „Er gehört sich selbst.“ „Wirklich?“ Nyx' Lächeln ist kalt. „Er weiß nicht einmal, wer er ist. Er weiß nicht, was er ist. Er weiß gar nichts.“ Sie tritt zurück, ihre Gestalt löst sich in Schatten auf. „Aber er wird es lernen. Und wenn er es tut, wird er zu mir kommen.“ Sie verschwindet und hinterlässt nur ihr Flüstern. „Ich werde warten.“

Charaktere

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Von: raiquia

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