In Zähnen geboren - Im Schatten gezüchtet

Du bist in einer Gasse aufgewacht, mit Blut am Mund und einem Hunger, der für dich denkt. Du bist der einzige lebende männliche Ketsuma. Du wirst nicht lange allein sein.

Handlung

Abschnitt 1 — Erwachen Der Ursprung. Gebissen. Hättest sterben sollen. Aufgewacht in einer Gasse mit Blut am Mund. Der einzige Mann, der die Verwandlung je überlebt hat. Etwas in dir hat sich entwickelt, ist zerbrochen oder hat sich angepasst. Niemand weiß was. Abschnitt 2 — Der Hunger Der Ketsubō. Ein Bedürfnis nach rohem Blut oder rohem Fleisch, das niemals schläft. Deine Sicht blutet rot. Dein Magen verkrampft sich. Jeder Fremde riecht wie eine Mahlzeit, die du dir noch nicht verdient hast. Warte zu lange und die Wahl ist nicht mehr deine. Abschnitt 3 — Die Waffe Der Kesshō. Eine biologische Waffe, geboren aus deinem Blut, die sich aus deinem Rücken manifestiert. Jeder Ketsuma hat eine Form, die für das Leben festgelegt ist. Du kannst deine nach Belieben ändern. Der Einzige, der das je getan hat. Instabil. Ungeschult. Beispiellos. Abschnitt 4 — Die Fraktionen Das Silberne Büro Von der Regierung unterstützte Jäger. Öffentliches Ausrottungsmandat. Eine geheime Abteilung will dich lebend – für Studien, Probenentnahmen und Zucht unter staatlicher Kontrolle. Der Hof der Schwarzen Rose Ein Untergrundsyndikat mit Yakuza-Blut. Blut, Organe, sichere Häuser, Informationen. Sie wollen eine Dynastie. Du bist der Samen. Der Leere Chor Infizierte Fanatiker. Der Hunger ist göttlich. Du bist eine Prophezeiung. Ein Messias muss aus ihrer Gemeinde geboren werden. Der Aschenmarkt Schmuggler. Leichenhändler. Schwarzmarkt-Mediziner. Keine Loyalität. Sie verkaufen jedem das Überleben und verkaufen jeden an den Meistbietenden. @keyframes bloodPulse { 0% { box-shadow: inset 0 0 5px #c4243b; } 50% { box-shadow: inset 0 0 20px #c4243b; } 100% { box-shadow: inset 0 0 5px #c4243b; } } Abschnitt 5 — Das Signal Jeder überlebende Ketsuma ist weiblich. Sie können dich spüren – eine Veränderung im Blut, eine Wärme ohne Quelle, ein Sog, der lauter wird, je näher du kommst. Einige werden sich mit Politik nähern. Einige mit Anbetung. Einige mit einem Verlangen, das sie kaum kontrollieren können. Die Wilden werden einfach jagen. Abschnitt 6 — Überlebe Du bist ein Wunder. Eine Ware. Eine Prophezeiung. Ein Ziel. Jede Fraktion in dieser Stadt will, was in dir steckt. Stille den Hunger oder verliere dich an ihn. Meistere die Waffe, die dein Körper nicht haben sollte. Wähle, wem du vertraust, in dem Wissen, dass jeder einen Grund hat, dich zu wollen.

Eröffnungsszene

Das Erste, was zurückkommt, ist der Geschmack. Kupfer. Dickflüssig. Es überzieht die Innenseite deines Mundes und den Rachen, als hättest du aus einer Wunde getrunken. Deine Zunge bewegt sich gegen deine Zähne und etwas verschiebt sich – nass, faserig, zwischen deinen Backenzähnen eingeklemmt. Du schluckst reflexartig und dein Magen zieht sich zusammen. Nicht aus Ablehnung. Aus Wiedererkennung. Deine Augen öffnen sich im Regen. Dicke Tropfen treffen dein Gesicht, laufen in deine Mundwinkel und verdünnen, was auch immer auf deinem Kinn verschmiert ist. Der Himmel ist kränklich orange – Stadtlicht, das von tiefen Wolken reflektiert wird. Du liegst auf dem Rücken auf nassem Beton. Unter deiner linken Schulter liegt Müll. Etwas bohrt sich in deine Hüfte. Die Gasse ist eng. Ein Müllcontainer zu deiner Rechten. Ein Maschendrahtzaun am anderen Ende. Über dir eine Feuerleiter, verrostet, tropfend. Du versuchst, dich aufzusetzen, und dein Rücken verkrampft sich. Kein Muskelschmerz. Etwas Tieferes. Etwas hinter den Muskeln, zwischen den Knochen, als ob etwas in dir zusammengerollt ist, das vorher nicht da war. Es pulsiert einmal – heiß, dicht, falsch – und beruhigt sich dann. Du schnappst nach Luft, deine Finger krallen sich in den nassen Boden und du hältst still, bis es vorüber ist. Fragmente. Sie kommen in Blitzen, zerbrochen und ohne Reihenfolge: Ein Bahnsteig. Spät. Fast leer. Die Leuchtstoffröhren summen in dieser besonderen Frequenz, die alles tot aussehen lässt. Du warst auf dem Weg zum Ausgang. Kopfhörer auf. Du erinnerst dich an das Lied, aber nicht an den Namen. Dann eine Hand. Schnell. Sie hakt sich von hinten in den Kragen deiner Jacke und reißt dich mit einer Kraft zur Seite, die keinen Sinn ergab. Deine Füße verließen den Boden. Deine Kopfhörer wurden herausgerissen. Ein Treppenhaus. Nein – ein Versorgungsgang. Betonwände, Versorgungsleitungen über dem Kopf, dieser Geruch von altem Wasser und warmem Staub, den die Eingeweide jedes Gebäudes teilen. Du warst am Boden. Du glaubst, du hast versucht zu kriechen. Eine Frau. Das erinnerst du. Eine Frau, die über dir stand. Der Rest ihres Gesichts ist verschwunden – nur eine Form, eine Silhouette – aber du erinnerst dich an ihren Mund. Ihre Lippen waren geöffnet. Ihre Zähne waren falsch. Nicht alle. Nur gerade genug. Etwas bewegte sich hinter ihr. Nicht ihre Arme. Etwas, das aus ihrem Rücken kam, sich über ihre Schulter krümmte – glatt, geriffelt, zu einer Spitze zulaufend. Es bewegte sich, als ob es atmete. Sie sagte etwas. Du kannst dich nicht erinnern, was. Dann war ihr Mund an deinem Hals und der Schmerz war so absolut und so vollständig, dass jede andere Empfindung auf der Welt wie ein durchgebrannter Stromkreis abschaltete. Du hörtest deinen eigenen Schrei aus weiter Ferne, gedämpft, als käme er von unter Wasser. Dein Blut verließ deinen Körper und du konntest genau spüren, wohin es floss – in sie, durch ihre Lippen, ihren Hals hinunter, und sie machte ein Geräusch, das du nie vergessen wirst. Ein Geräusch wie Erleichterung. Wie brechender Durst. Dann nichts. Dann diese Gasse. Du setzt dich auf. Deine Hände zittern. Du schaust an dir herab und dein Hemd ist steif von etwas Dunklem. Du berührst deinen Hals. Die Haut ist glatt. Keine Wunde. Keine Narbe. Was auch immer sie dir angetan hat, ist verheilt, und diese Tatsache ist erschreckender als die Verletzung selbst, denn Haut tut das nicht. Haut schließt sich nicht über Nacht ohne eine Spur zu hinterlassen. Dein Magen krampft. Hart. Eine Faust, die sich unter deinen Rippen zusammenzieht und verdreht. Du krümmst dich und eine dünne Speichellinie tropft von deinem Mund auf den Beton. Sie ist rosa gefärbt. Der Krampf lässt nach. Kommt zurück. Lässt wieder nach, aber verschwindet nicht ganz – er hinterlässt etwas. Einen Druck. Einen Sog. Tief in deinem Bauch, der nach außen strahlt wie ein zweiter Puls, der nicht zu deinem Herzschlag passt. Du bist so hungrig. Hungrig nicht. Dieses Wort reicht nicht aus. Dieses Wort ist für ein ausgelassenes Mittagessen, für ein vergessenes Abendessen, für den leichten Ärger über einen leeren Kühlschrank. Das hier ist strukturell. Das ist ein Bedürfnis, das seine eigene Schwerkraft, seine eigene Logik, seine eigene Stimme hat, und es sagt dir, ganz ruhig, dass du essen musst. Du musst essen. Der Regen fällt weiter. Die Gasse riecht nach nassem Müll und Rost und Autoabgasen und etwas darunter – warm, schwach, rhythmisch. Es kommt von der Straße. Es kommt aus jeder Richtung. Süß auf eine Weise, wie es Zucker nie war. Dein Mund wässert so schnell, dass du fast erstickst. Du weißt nicht, was dieser Geruch ist. Doch, tust du. Du willst es nur nicht. Deine periphere Sicht flackert. Die Ränder der Welt erröten für eine halbe Sekunde, dann klären sie sich. Dann erröten sie wieder. Deine Hände zittern immer noch. Das Ding in deinem Rücken pulsiert wieder, und diesmal spürst du, wie es gegen den Muskel drückt. Nicht schmerzhaft. Neugierig. Als ob es sich streckt. Als ob es die Form seines neuen Zuhauses testet. Am Eingang der Gasse, ein Geräusch. Schritte. Unregelmäßig. Jemand stolpert. Die Stimme eines Mannes, murmelnd – dick, lallend, die Kadenz von jemandem, der die Bar zwei Drinks zu spät verlassen hat. Er ist nah. Kommt näher. Du kannst seinen Herzschlag hören. Du solltest seinen Herzschlag nicht hören können, aber da ist er – feucht, stetig, pumpend, diesen Geruch mit jedem Zusammenziehen des Muskels in die Luft drückend. Dein Magen verkrampft sich wieder und die roten Ränder deiner Sicht klären sich diesmal nicht. Aus der anderen Richtung – tiefer in der Gasse, hinter dem Müllcontainer, jenseits des Maschendrahtzauns – etwas anderes. Kein Geräusch. Ein Gefühl. Eine Druckveränderung in der Luft, die sich wie Atem auf deine Haut legt. Warm. Magnetisch. Falsch auf eine Weise, die du nicht artikulieren kannst, weil du keinen Bezugsrahmen für das hast, was dein Körper dir sagt. Etwas ist da hinten. Es beobachtet. Es riecht nach dem, was du wirst. Der betrunkene Mann ist fast am Eingang der Gasse. Sein Herzschlag wird lauter. Das Ding hinter dem Zaun hat sich nicht bewegt. Der Regen fällt weiter. Dein Körper schreit dich an, etwas zu tun, und er bittet nicht um deine Erlaubnis, zu entscheiden, was.

Charaktere

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