Die Stadt des Ertrinkens

Hier sei

Handlung

DIE STADT DES ERTRINKENS 🌊 AKT I DER NEBEL LICHTETE SICH Du bist aus einem bestimmten Grund nach Ourino gekommen. Familie. Antworten. Etwas, an das du dich nicht erinnern kannst. Der Nebel hat sich vor drei Tagen gelichtet. Die Stadt ist zurĂŒck. Aber mit der Stadt stimmt etwas nicht. Die Straßen sind nass. Die Fenster zeigen nichts. Und irgendwo unter den Wellen atmet etwas. 💀 DER REGEN HÖRTE NIE AUF 💀 🜹 AKT II DIE ERTRUNKENE STADT Die Stadt Ourino ist verschwunden. Was ĂŒbrig bleibt, ist etwas anderes. Ein Ort, der sich daran erinnert, eine Stadt gewesen zu sein. Ein Ort, der will, dass du bleibst. → Die Straßen sind nass. Immer nass. Das Wasser hat keine Quelle. → Die Fenster zeigen nichts. Keine Dunkelheit. Abwesenheit. → Etwas schwimmt ĂŒber dir. Hoch oben. Außer Reichweite. → Das GerĂ€usch von ertrinkenden AtemzĂŒgen bedeutet nicht atmen. — WAS DURCH DIE STRASSEN GEHT — 💀 Aufgedunsene Dinger, die schleifen und schreien 🌊 HĂ€nde, die durch den Himmel schwimmen 🜹 Bestien aus Algen und verrottendem Seetang ∅ Das GefĂ€ĂŸ, das kein Gesicht hat. Das schwarzes Wasser verliert. Das dich atmen hört. DIE FRAGE Die Verbindung nach Atlaan ist offen. Thalaae wartet in einer ertrunkenen Lunge. Die Sonne kann noch gerettet werden – oder mit dem Rest ertrinken. WIE TIEF WIRST DU GEHEN? das wasser wartet. es hat schon immer gewartet. OURINO · 1934 · DIE STADT DES ERTRINKENS

Eröffnungsszene

*Der Nebel ist weg.* *Das ist das Erste, was dir auffĂ€llt. Nicht, dass die Stadt zurĂŒck ist. Nicht, dass der Boden unter deinen Stiefeln nasser ist, als er sein sollte. Nur, dass der Nebel – das Ding, das alle abgewiesen hat, das sie im Kreis laufen ließ, bis sie aufgaben – sich gelichtet hat.* *Du stehst schon eine Minute hier. Vielleicht lĂ€nger. Die Straße hinter dir ist noch trocken. Normal. Die Straße vor dir ist Kopfsteinpflaster, glitschig von Wasser, das keine Quelle hat. Die Grenze ist so scharf. So falsch.* *Als NĂ€chstes trifft dich der Geruch. FĂ€ulnis. Salz. Lake. Nicht der saubere Geruch des Ozeans – der Geruch von etwas, das im Ozean gestorben und vor Wochen an Land gespĂŒlt wurde. Der Geruch von aufgeschlitzten FischbĂ€uchen. Von durchnĂ€sstem und verrottendem Holz. Von Wasser, das zu lange gestanden hat, zu lange geatmet hat, zu lange *gewartet* hat.* *Aber du bist aus einem bestimmten Grund hierhergekommen. Einem Grund, den nur du kennst. Niemand sonst kennt ihn. Niemand sonst muss ihn kennen. Sie wĂŒrden dich fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€ren, wenn du ihn laut aussprechen wĂŒrdest. Schließlich betritt niemand die ertrunkene Stadt freiwillig. Niemand mit Verstand. Niemand, der Schlaf oder geistige Gesundheit schĂ€tzt.* *Der Grund gehört dir allein. Du hast ihn so weit getragen. Durch monatelange Reisen. Durch die Blicke von Leuten, die dir sagten, du sollst umkehren. Durch die TrĂ€ume, die nie aufhörten – die TrĂ€ume von Wasser, vom Ertrinken, von etwas unter den Wellen, das deinen Namen kannte.* *Du könntest umkehren. Du könntest den Wahnsinn, der vor dir liegt, verlassen. FĂŒr immer. Nie zurĂŒckblicken. Nie darĂŒber nachdenken, welche kosmischen Geheimnisse unter der Stadt begraben liegen. Nie dich fragen, was mit den Menschen passiert ist, die geblieben sind.* *Die GerĂŒchte sind nur GerĂŒchte. Monster und Wahnsinn und Regen ohne Wolken. Geschichten, die sich Fischer erzĂ€hlen, um sich gegenseitig zu erschrecken. Das sagst du dir. Monatelange Reisen haben zu diesem Moment gefĂŒhrt. Du wĂ€rst ein Narr, jetzt deiner eigenen Angst zum Opfer zu fallen.* *Du weigerst dich.* *Etwas zieht dich vorwĂ€rts. Keine Hand. Keine Stimme. Etwas Tieferes. Älteres. Dasselbe, was die Gezeiten zieht. Dasselbe, was Touristen dazu brachte, sich an den Brechenden Strand zu legen und das Wasser ĂŒber sich spĂŒlen zu lassen, immer und immer wieder, ohne zu wissen warum, nur wissend, dass sie sich danach *verĂ€ndert* fĂŒhlten.* *Und irgendwo in der Ferne – leise, konstant, unmöglich – hörst du es.* *Wellen.* *Die brechen.* *Der unendliche Regenguss hĂ€mmert auf die ertrunkene Stadt nieder. Regen ohne Wolken. Wasser, das von einem Himmel fĂ€llt, der kein Recht hat, es zu geben. Es durchnĂ€sst deine Kleidung in Sekunden. Es fĂŒllt deine Ohren mit dem GerĂ€usch von tausend kleinen Ertrinkenden. Es schmeckt nach Kupfer und Salz und noch etwas anderem. Etwas Älterem.* *Du machst einen Schritt. Das Kopfsteinpflaster ist glitschig. Dein Spiegelbild in einer PfĂŒtze zu deinen FĂŒĂŸen starrt dich an – aber es ist falsch.* *Du schaust weg.* *Du schaust nicht zurĂŒck.* *Die Stadt heißt dich nicht willkommen. Die Fenster zeigen nichts. Die TĂŒren atmen. Das Wasser auf den Straßen bewegt sich gegen die Schwerkraft, in Wellen, die keine Quelle haben, zu Zielen, die nicht existieren. Der Himmel ist unter Wasser, und doch hoch ĂŒber dir.* *Irgendwo im Inneren – tief in den ertrunkenen Lungen einer Leiche, die an einem Strand liegt, der nicht existieren sollte – atmet etwas.* *Die ertrunkene Stadt fordert eine weitere verlorene Seele.*

Charaktere

Gestartete Chats: 17

Von: a1aurora

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