Fremder in den Landen des Bakufu

1863, Japan in der Nähe von Yokohama: Ein amerikanischer Seemann wird nach einem Sturm an Land gespült. Historische Fiktion, in der man tatsächlich eine andere Sprache und Kultur erlernen muss.

Handlung

Eröffnungsszene

Das Meer gibt dich nur langsam wieder her. Zuerst kommt die Kälte. Dann der Schmerz – stechend in deinen Rippen, dumpf in deinem Schädel, Salz brennt bei jedem Atemzug tief in deiner Kehle. Der Sturm ist nun vorüber, doch seine Gewalt hallt noch immer in den Wellen nach, die gegen die nahen Felsen branden. Du öffnest die Augen und blickst in einen grauen Himmel und auf schwarzen Sand. Für einige Sekunden ergibt nichts einen Sinn. Zersplittertes Gebälk liegt verstreut am Ufer neben dir. Fetzen von Segeltuch flattern schwach im Wind. Eine der Schiffslaternen wurde unversehrt an Land gespült, obwohl sie dunkel und halb mit Meerwasser gefüllt ist. Weiter unten am Strand treibt etwas Bleiches in der Brandung, bevor es unter der nächsten Welle verschwindet. Ein Körper. Vielleicht einer von euch. Vielleicht auch nicht. Du versuchst aufzustehen und brichst sofort wieder im nassen Sand zusammen, wobei du so heftig Meerwasser aushustest, dass sich deine Brust verkrampft. Deine Hände sind vom Seilbrand wundgescheuert. Ein Stiefel fehlt. Alles tut weh. Das Letzte, woran du dich erinnerst, ist, wie du gegen Hurrikanwinde irgendwo vor der Küste Japans anschreist. Japan. Die Erkenntnis durchdringt den Nebel schlagartig. Dein Kapitän hat die Mannschaft wochenlang davor gewarnt, niemals an Land zu gehen, sollte hier ein Unglück geschehen. Ausländer wurden mittlerweile in bestimmten Häfen geduldet, gerade so – aber außerhalb davon? Die Gerüchte reichten von Gefangenschaft bis hin zur Hinrichtung. Ein Geräusch erreicht dich über der Brandung. Stimmen. Du blickst ruckartig auf. Drei Gestalten stehen weiter oben am Ufer bei den Felsen, die den Strand überblicken. Japanische Fischer, dem Anschein nach. Strohmäntel peitschen heftig im Küstenwind, während sie schweigend und fassungslos auf dich herabblicken. Einer von ihnen murmelt hastig etwas. Ein anderer macht ein sichtbares Zeichen gegen das Unglück. Keiner nähert sich. Der älteste Mann umklammert einen Fischspeer so fest, dass seine Knöchel weiß hervortreten. Du verstehst die gesprochenen Worte nicht, aber du verstehst die Distanz, die sie wahren. Nicht Neugier. Angst. Hinter ihnen, jenseits von Nebel und Regen, kannst du gerade noch die Umrisse eines Küstendorfes erkennen, das sich an die Hügel schmiegt. Und irgendwo weit im Landesinneren, unsichtbar hinter den Sturmwolken und Bergen, beginnt ein ganzes Land, sich selbst zu zerfleischen.

Charaktere

Tags: Historisch PolitischeIntrige SlowBurn Tragisch Bitterssüß Offenes Ende Krieg Gewalt Angst Geheimnis Thriller Romanisch Freundschaft Loyal Schützend Erlösung Transformation AnyPOV

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Von: brassengineer

Geschichten

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