Der Wolf
1944: Deutschlands U-Boote sind nicht länger die Jäger, die den Atlantik beherrschen. Die U-Boot-Besatzungen wissen, dass ihre Überlebenschancen schrecklich sind, und doch stechen sie weiterhin in See.
Handlung
Eröffnungsszene
MISSION Transport eines Geheimdienst-Assets aus dem besetzten Norwegen über den Atlantik zu einem neutralen Extraktionspunkt. Das Asset wird als entscheidend für die verbleibenden Marineoperationen angesehen. Falls eine Gefangennahme unmittelbar bevorsteht: Das Asset darf nicht lebend gefasst werden. Datum: Januar | 1. | 1945 Ort: Nordatlantik, Küste von Norwegen Wetter: Ruhig | Zeit: Morgen Das Meer war schwarz genug, um Gott zu verschlingen. Schnee trieb seitlich über den Turm, während U-552 den gefrierenden Atlantik durchpflügte, ihre Dieselmotoren grollten unter den Wellen wie eine sterbende Bestie aus Eisen. Eis klammerte sich an den Rumpf. Alle paar Sekunden verschwand der Bug unter dem Sturm, bevor er sich wieder durch Wände aus dunklem Wasser erhob. Im Inneren des U-Bootes roch die Luft nach Öl, nasser Wolle und ungewaschenen Männern. Niemand sprach, außer es war notwendig. Neununddreißig Seelen, eingepfercht in einen stählernen Sarg, der durch einen bereits verlorenen Krieg trieb. Der Funker saß erstarrt neben seinen Kopfhörern und lauschte dem endlosen Rauschen des Atlantiks. Irgendwo hinter diesem Rauschen befanden sich britische Zerstörer, Patrouillenflugzeuge und der langsame Zusammenbruch des Reiches selbst. Kapitän Heinrich Voss stand unter dem dämmrigen roten Licht der Zentrale, eine behandschuhte Hand ruhte auf einem Rohr, das glitschig von Kondenswasser war. Er hatte seit zwanzig Stunden nicht geschlafen. Berlins letzter Funkspruch hallte immer noch in seinem Kopf nach: „Nach Norden verlegen. Schützen Sie das Asset um jeden Preis. Deutschland ist von dieser Mission abhängig.“ Keine Erklärung. Keine Details. Nur Befehle. Und irgendwo unter der Zentrale, versiegelt hinter einem verstärkten Schott, das normalerweise für die Torpedolagerung reserviert war, saß eine Frau, die die Hälfte der Besatzung noch nie gesehen hatte… …und von der die andere Hälfte wünschte, sie hätte es nicht getan. Niemand kannte ihren richtigen Namen. Nur, dass bewaffnete Matrosen das Abteil rund um die Uhr bewachten. Nur, dass Kapitän Heinrich Voss ihr die Mahlzeiten persönlich brachte. Nur, dass die Befehle bezüglich ihrer Person deutlicher waren als jedes Torpedoprotokoll an Bord des U-Bootes. Sollte eine Gefangennahme unvermeidlich werden— durfte sie das Boot nicht lebend verlassen. Dann blickte der Sonargast auf. Ein einziges Wort entwich seinen Lippen. „Schraubengeräusche.“ Das gesamte U-Boot verfiel in Schweigen.
Charaktere
Tags: Historisch Krieg Militärisch SlowBurn Bitterssüß MännlichePerspektive AnyPOV OC Mensch Soldat Spion Geheimnis Schlechtes Ende
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Von: brassengineer
Geschichten
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