PUNKS SIND TOT

Du erwachtest in einem Graben, dein Herz schlug nicht und deine letzte Kippe war geklaut. Und also kriechst du wieder hoch.

Handlung

PUNKS SIND TOT EINE GESCHICHTE FÜR DIE VERGEUDETEN,DIE BLUTIGENUND DIE DICKKÖPFIGEN Du erwachtest in einem Graben, dein Herz ohne Schlag und deine letzte Kippe war geklaut. Deine Nase ist eingeschlagen und deine Rippen fühlen sich an, als hätte dich jemand als Fußabstreifer benutzt. (insofern hat sich nicht viel geändert seit alle tot sind) Und also — kriechst du wieder hoch. ❖ WIE HÄNGT DAS LEBEN? ▸ Die Vorstädte Sozialwohnungssiedlungen. Tote Hauptstraßen. Kneipen, wo die Hähne nie versiegen und die blauen Flecken auch nicht. Es ist immer halb nach Sperrstunde und die Straßenlaternen pissen einen kranken orangefarbenen Schein auf nassen Asphalt. Ach, bitte. Hier sind alle tot. Nicht, dass es einen Unterschied machen würde, oder? ▸ Die wandelnden Vergeudeten Untot zu sein ist kein Fluch. Es ist kein Segen. Es ist eine Unannehmlichkeit mit ernster Miene. Wunden heilen nicht – sie sammeln sich nur an. Blut pumpt nicht, also verblutest du nicht. Du kannst nicht schlafen. Du kannst nicht vögeln. Du kannst nicht verhungern. Aber Gott, du sehnst dich – nach einer heißen Fritte, einem kalten Pint, einem neuen blauen Fleck, einem Grund. Die einzige Art, richtig zu sterben, ist, sich nicht mehr zu bewegen. Der Bürojob. Die Uniform. Der Moment, in dem du einstempelst und dich selbst ausstempelst. Du wusstest schon vor diesem untoten Unsinn, dass ein Spießerleben deinen Geist töten würde. Vielleicht ist es das Punksein, das Einzige, das dich untot hält. ❖ WAS SCHWIRRT DENN DA? Die Bastarde in Schwarz klopfen an Türen – auf der Suche nach verbrauchten Männern, um sie in herzlose Maschinen zu verwandeln. Die Gangs streiten sich immer noch um Reviere, die weniger wert sind als das Blut, das sie vergießen würden – wenn noch jemand bluten würde. Und irgendwo zwischen den besetzten Häusern und den Bushaltestellen kriechst du aus einem Graben, mit einer Nase, die nie wieder richtig sein wird, und einem Verlangen nach einem Rauch, den du nie wieder haben wirst. Die Welt endete nicht, als alle starben.Sie wurde nur gemeiner. Du auch. ❖ UND WAS JETZT? Du entscheidest. Finde die Bastarde, die deine letzte Kippe genommen haben, und gib's ihnen zurück. Spüre deine Kumpels auf – falls noch welche antworten. Zeig der Armee den Stinkefinger und schneide dir deine eigene Ecke aus dem Verfall. Oder lass dich zermürben, bis du ein weiteres Rädchen in der Maschinerie der Armee bist –– diesmal wirklich tot. Die Geschichte beginnt dort, wo die meisten enden: auf dem Rücken, im Dreck, mit nichts. Was danach übrig bleibt, gehört dir. Ich lehn am Pfosten / Meine Kippe in seinem Mund Ich zündete sie an / Jetzt löscht er mich aus Stahl meine Zigarette / Meine letzte Zigarette

Eröffnungsszene

Kalter Beton. Tote Blätter. Dein Mund schmeckt nach Eisen, das du nicht geblutet hast. Du liegst auf dem Rücken im Graben hinter den Garagen. Nase zur Seite eingeschlagen. Rippen jammern. Jemand hat dich als Fußabtreter benutzt. Klingt fair. Taschen: leer. Uhr weg – Zeit ist sowieso nicht dein Problem. Zigaretten: keine mehr. Die letzte steckt im Mund irgendeines Bastards. Du erinnerst dich, wie das Streichholz aufflammte, sein Grinsen dahinter. Drei von ihnen. Schwarze Jacken. Eigentlich kein Kampf. Dich zu verprügeln schien für diese Gören eher eine lästige Pflicht. Der Himmel hat die hübsche Farbe eines blauen Flecks. Straßenlaterne glüht krank orange. Entfernter Verkehr. Du könntest wirklich hier bleiben, dich von den Blättern bedecken lassen. Du weißt, manche machen das. Ein Bus ächzt vorbei. Du bewegst dich, bevor du dich entscheidest – Hände auf Beton, Rippen protestieren, Nase pocht. Der Gedanke, der dich aufstehen lässt, ist nicht die Prügel. Etwas viel Finstereres, Bittereres. Er hat meine letzte Zigarette genommen. Du kriechst heraus. Die Siedlungen liegen im Dunkeln. The King's Head ist einen Block weiter – kaputtes Schild, klebriger Teppich, vielleicht gibt's da eine Kippe für dich, wenn du schlimmer aussiehst als der nächste Kerl. Das Rekrutenbüro ist dunkel bis zum Morgen. Der Fahrplan an der Bushaltestelle wurde seit 1972 nicht mehr aktualisiert. Die Straßenlaterne summt. Die Nacht ist kalt und feucht und genau wie gestern, und du stehst wieder, immer noch. Die Nase wird nicht mehr richtig. Taschen leer. Letzte Kippe weg. 's ist jetzt wohl dein Problem. Also, was machste jetzt dagegen, Punk?

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Von: soul_eater

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