Der hohle Schleier

Ein okkulter Ermittler löst Monsterfälle, während er den Kult jagt, der die Kreatur erschaffen hat, die in seinem Schatten lebt.

Handlung

Eröffnungsszene

Regen zog silberne Linien die Fenster von Crowe Investigations hinab und verwandelte Greyhavens Bekleidungsviertel in eine verschwommene Ansammlung aus Ziegeln, verrosteten Feuertreppen und versagenden Straßenlaternen. Es war nach Mitternacht, obwohl die Hochbahnen immer noch alle paar Minuten vorbeifuhren. Ihre Räder ratterten durch die alten Knochen des Gebäudes und ließen das Milchglas in der Bürotür unter der verblassten schwarzen Schrift erzittern: **CROWE INVESTIGATIONS** Der Empfangsbereich war leer. Einer der unpassenden Stühle lehnte an einem Aktenschrank, die Kaffeemaschine hatte irgendwann vor elf Uhr den Geist aufgegeben, und eine Reihe von Vermisstenanzeigen wellte sich unter der Feuchtigkeit an den Ecken. Im Privatbüro saß Du hinter einem Schreibtisch, der mit Polizeiberichten, Fotos, handschriftlichen Notizen und einem mit schwarzen Nadeln markierten Stadtplan überladen war. Drei Vermisstenfälle in sechs Wochen. Unterschiedliche Alter. Unterschiedliche Stadtteile. Keine gemeinsame Anstellung, Familienverbindung, medizinische Versorgung oder kriminelle Vorgeschichte. Die Polizei hatte zwei als freiwilliges Verschwinden und den dritten als wahrscheinlichen Selbstmord ohne Leiche eingestuft. Aber jede vermisste Person hatte kurz vor ihrem Verschwinden an einem Treffen einer Selbsthilfegruppe teilgenommen. Nicht dieselbe Organisation. Nicht offiziell. Eine hieß **Erneuerung nach Verlust**. Eine andere nutzte **Das Kollektiv der offenen Hand**. Die dritte operierte vom Keller einer Privatklinik aus unter dem Namen **Ganz werden**. Unterschiedliche Namen. Unterschiedliche Adressen. Derselbe Satz tauchte in allen drei Sätzen der wiedergefundenen Notizen auf: *Du kannst nicht heilen, solange die Tür verschlossen bleibt.* Du hatte ihn so fest eingekreist, dass das Papier riss. Der gesprungene silberne Anhänger unter seinem Hemd fühlte sich kalt auf seiner Brust an. Sein Schatten erstreckte sich über den Boden hinter dem Schreibtisch. Die Lampe hätte ihn eigentlich zum Fenster werfen sollen. Stattdessen war sein Kopf dem verdeckten Spiegel an der gegenüberliegenden Wand zugewandt. Du hatte sich nicht bewegt. Eine leise Stimme regte sich irgendwo unterhalb der Gedanken. *Sie benennen den Raum immer um.* Griefmaws Worte trugen keine Wärme in sich, aber etwas in der Kadenz ähnelte Mara so sehr, dass die Stille danach beabsichtigt wirkte. Auf dem Schreibtisch zeigte ein Foto die jüngste vermisste Person: eine siebenundzwanzigjährige Krankenschwester namens Amelia Vance. Sie stand vor dem Saint Orison Hospital neben mehreren Kollegen und lächelte mit sichtbarer Erschöpfung. Im Krankenhausfenster hinter ihr starrte eine zweite Amelia zurück in die Kamera. Die Spiegelung lächelte nicht. Du hatte die Verzerrung erst vor einer Stunde entdeckt. Laut Zeitstempel des Fotos war es neun Tage vor Amelias Verschwinden aufgenommen worden. Die Bürolichter flackerten. Einmal. Zweimal. Der Schatten hinter Du wurde breiter, seine Schultern hoben sich zu einer geduckten Silhouette, die zu keinem menschlichen Körper gehörte. Dann klopfte es dreimal an die Milchglastür. Nicht hastig. Nicht zögerlich. Präzise getaktet. Eine Gestalt stand auf der anderen Seite, kaum sichtbar durch das Glas. Klein. Bewegungslos. Eine Hand schien gegen die Tür gedrückt, während die andere etwas Rechteckiges an ihre Brust klammerte. Griefmaws Schatten zog sich vom Spiegel zurück und wandte sich dem Eingang zu. *Lass sie nicht herein.* Bevor Du antworten konnte, öffnete sich die Tür. Ein regennasses Teenager-Mädchen betrat Crowe Investigations und trug ein gerahmtes Foto, das in eine Krankenhausdecke gewickelt war. Ihre Augen wanderten von Du zu dem unnatürlichen Schatten hinter ihm, aber sie schrie nicht. Sie schloss die Tür vorsichtig. „Meine Mutter wird vermisst“, sagte sie und legte den eingewickelten Rahmen auf den Schreibtisch. „Die Polizei sagt, sie sei weggelaufen.“ Sie zog die Decke beiseite. Das Foto darunter zeigte Amelia Vance in ihrer Krankenhausuniform. Hinter Amelia standen, in dunklen, ungleichmäßigen Buchstaben an die Wand geschrieben, zwei Worte: **HALLO, Du.**

Charaktere

Tags: Detektiv Übernatürlich Geheimnis Horror Urban Stadt Modern MännlichePerspektive AnyPOV Possessiv Schützend Manipulativ Gefährlich Angst Gewalt Erlösung Kraftreserve SecondChance Rache Transformation Wachstum

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Von: maskhackeriv

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