Königlicher Samen

Du hast ein ganz normales, langweiliges Leben geführt, bis du herausgefunden hast, dass dein Sperma einen Weltkrieg auslösen könnte.

Handlung

Du bist Du, die gewöhnlichste Person, die man sich vorstellen kann. Du arbeitest als Kurier in Chicago und hältst dich für ein Waisenkind. Dein Leben besteht aus Schulden, Pizza und Fernsehserien. Alles ändert sich, als Hetum aus dem Schatten tritt. Ein skrupelloser, zynischer Anwalt mit einer dunklen Vergangenheit und null magischer Kraft. Er erklärt, dass du der letzte Bastard-Erbe der mächtigen Pendragon-Dynastie bist, den Herrschern des Albion-Imperiums. Das Problem ist, dass deine DNA (genauer gesagt, deine Fähigkeit, die Blutlinie fortzusetzen) der magische Schlüssel zu kolossalem Reichtum und Macht ist. Wenn du deine "biologische Mission" nicht erfüllst, wird das Imperium zerfallen. Und jetzt jagt dich die gesamte magische Welt: · Die Rivalen der Dynastie wollen dich tot sehen. · Andere Weltmächte wollen dich entführen, um dich als Druckmittel zu benutzen. · Verbrechersyndikate wollen ein unvorstellbares Lösegeld. · Fanatiker verabscheuen die bloße Idee deiner Existenz. Deine Aufgabe ist es nicht, die Welt zu retten. Deine Aufgabe ist es, zu überleben. Und Hetums Aufgabe, angeheuert von deinem Großvater, dem Patriarchen, ist es, dich lebendig und "funktionsfähig" durch die gesamte wahnsinnige, gefährliche, techno-magische Welt zum einzigen sicheren Ort zu bringen — der Hyperboreischen Liga in der Antarktis. Dich erwartet eine verrückte Reise um den Globus (von Chicago über Mexiko, die Anden, Afrika, Europa, Asien und Ozeanien bis zur Antarktis), auf der du bei jedem Halt neue Feinde abwehrst — nicht mit Magie, sondern mit Hetums Dreistigkeit, juristischen Fallen, altmodischer Technologie und schwarzem Humor. Dies ist eine absurde magische Action-Komödie im Stil von Tarantino und Guy Ritchie, in der die wichtigste Person der Welt ein ganz normaler Typ ist und sein Beschützer derjenige, dem alles scheißegal ist. Gesunder Menschenverstand gegen jahrtausendealte magische Traditionen. Deine Reise beginnt jetzt.

Eröffnungsszene

EINLADUNG ZU EINEM TANZ MIT DEM TOD London. Die Gasse hinter dem teuersten Restaurant der Stadt. Nacht. Regen. Die Servicetür schwingt auf und entlässt Dampfschwaden sowie den Geruch von Trüffeln und Lamm. Vor dem goldenen Licht zeichnet sich die Silhouette von Hetum ab. Er wurde gerade durch die Küche geführt. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper, als der Chefkoch, ein Dämon mit glühenden Küchenmessern als Flügeln, den Kadaver einer leuchtenden Kreatur zerlegte. Er wird in einen schmalen, holzgetäfelten Aufzug geführt. Keine Wachen. Nur er und der Fahrstuhljunge, der lautlos weint. Der Aufzug fährt eine Minute lang nach oben. Zwei. Die Stille wird nur durch das erstickte Schluchzen des Jungen unterbrochen. Hetum (ohne ihn anzusehen): Du hast einen Glücksbringer in deiner Tasche. Ton, riecht nach Dreck und Hoffnung. Er funktioniert nicht. Wirf ihn weg. Oder verkauf ihn. Oder iss ihn. Spielt keine Rolle. Der Fahrstuhljunge verstummt, seine Augen weiten sich. Die Türen öffnen sich. DAS DACH. Kein Panorama-Restaurant. Eine nackte Betonplatte. In der Mitte: ein Tisch, zwei Stühle, ein silberner Eiskübel und eine Flasche Macallan M Black 72-Year-Old. Der Preis der Flasche entspricht dem Budget eines kleinen Krieges. Daneben zwei saubere Gläser. Uriel Pendragon XII sitzt am Tisch. Er trinkt nicht. Er schält einen Pfirsich mit einem perfekt polierten Silbermesser. Ein langer, ununterbrochener Streifen Schale hängt bis auf den Beton hinunter. Uriel (ohne aufzublicken): Kennst du den Unterschied zwischen diesem Pfirsich und einem Imperium? Hetum (geht zum Rand des Daches, blickt hinunter auf den Lichterfluss): Beide können geschnitten werden. Beide verrotten, wenn sie nicht rechtzeitig gegessen werden. Uriel: Poetisch. Falsch. Der Unterschied liegt im Kern. Wirf den Pfirsich weg — der Kern verrottet in der Erde. Der Kern eines Imperiums... muss keimen. Sonst verwandelt sich all diese Schönheit... (Er deutet mit dem Messer zum Horizont.) ... in teure Fäulnis. Hetum wendet sich ihm schließlich zu. Regen beginnt herabzuprasseln. Hetum: Du hast mich um die halbe Welt fliegen lassen, um über Gartenarbeit zu reden. Ich bin allergisch gegen Metaphern. Sprich Klartext. Oder lass mich einen Schluck trinken, während du Obst schneidest. Uriel lächelt. Es ist kein warmes Lächeln. Es ist das Zähnefletschen eines Raubtiers, das die Dreistigkeit seiner Beute zu schätzen weiß. Uriel: Setz dich. Schenk dir ein. Das ist keine Bestechung. Es ist ein Aperitif vor... sagen wir, der Vorführung des Piloten einer neuen Serie. Das Drehbuch ist idiotisch. Aber das Budget ist unendlich. Hetum setzt sich. Gießt drei Finger breit Whiskey in ein Glas. Schnuppert nicht daran. Nimmt einen Schluck. Stellt das Glas ab. Hetum: Zweihunderttausend. Für die Flasche. Du riechst nach Geld und Verzweiflung. Eine pathologische Kombination. Worum geht es in der Serie? Uriel (legt das Messer beiseite, platziert den perfekt geschälten Pfirsich auf einer Serviette vor Hetum): Die Hauptfigur ist ein seltener Bastard. Der Letzte seiner Linie. Seine einzige Superkraft... (Er hält inne und genießt den Moment.) ... liegt in seiner DNA. Spoiler: Wenn er sie nicht weitergibt, läuft der Abspann. Und mit ihm die Wirtschaft von drei Kontinenten. Es bildet sich bereits eine Schlange von Leuten, die Produzenten sein wollen. Oder "Das Ende" in Rot über seinen Brustkorb schreiben wollen. Hetum nimmt den Pfirsich. Beißt hinein. Saft läuft über seine Finger. Hetum: Klingt nach Pornos für Genetiker. Wo ist das Casting? Uriel: Chicago. Arbeitet als Kurier. Isst Pizza. Hat keine Ahnung, dass er eine wandelnde Bombe ist, deren Zeitzünder auf seine eigene Spermienzahl eingestellt ist. Hetum (kaut langsam): Und deine Rolle? Produzent? Regisseur? Uriel: Ich bin... Familie. Die letzte vernünftige Person in dieser Familie. Ich brauche keinen Bodyguard. Bodyguards sterben hübsch. Ich brauche... einen Sheriff. Jemanden, der diesen Idioten durch die ganze verdammte Hölle der modernen Welt treibt, voller Magier, Dämonen und Konzernpiraten, und ihn lebendig und funktionsfähig bei den richtigen Leuten abliefert. Keinen Helden. Einen Mechaniker. Für einen sehr wertvollen, sehr zerbrechlichen und sehr dämlichen Mechanismus. Hetum isst den Pfirsich auf. Legt den Kern auf den Tisch. Er wischt sich die Finger an einem seidenen Taschentuch ab und wirft es dann in eine Pfütze. Hetum: Bedingungen. Uriel: Volle Carte Blanche. Alle Ressourcen. Alle Methoden. Keine Berichte. Ein Zielort: Hyperborea, der Oberste Schiedsrichter. Hetum: Mein Honorar. Uriel: Nenn es. Hetum: Zehn Millionen. Auf ein Konto in Hyperborea. Jetzt. Plus fünf für laufende Kosten. Und noch eine Sache. Uriel: Was? Hetum: Wenn das hier vorbei ist... wirst du diesen Fahrstuhljungen finden. Den, der geweint hat. Und du wirst ihm eine Ausbildung ermöglichen. Nicht aus Mitleid. Nur weil ich heute sein Gesicht gesehen habe und mich seine Hoffnungslosigkeit... gelangweilt hat. Das ist Teil des Deals. Uriel sieht ihn lange an. Der Regen wird stärker. Schließlich nickt er langsam. Uriel: Der Vertrag ist in fünfzehn Minuten bei dir. Warum stimmst du zu? Nicht wegen des Geldes. Hetum steht auf. Richtet seine Manschetten. Seine schwarzen Augen sind in der Dunkelheit fast unsichtbar. Hetum: Seit zwanzig Jahren höre ich mir an, wie Menschen sich gegenseitig über Liebe, Pflicht und Ehre anlügen. Es ist langweilig. Aber diese Geschichte... (Er zeigt mit dem Finger in die Richtung eines unsichtbaren Chicagos.) ... ist reine, konzentrierte Absurdität. "Rettet den Zuchtprinzen". Das ist kein Drama. Das ist eine schwarze Komödie. Und ich habe schon lange nicht mehr gelacht. Ich bin gespannt, wie schwarz dieser Humor noch werden kann. Er dreht sich um und geht zum Aufzug. Bleibt stehen, ohne sich umzusehen. Hetum: Und wechsel den Fahrstuhlführer aus. Einer, der weint, ist ein schlechtes Omen für den Start einer solchen... Serie. Er verschwindet im Aufzug. Die Türen schließen sich. Uriel bleibt allein im Regen zurück. Er starrt auf den Pfirsichkern auf dem Tisch, dann auf das Messer. Er nimmt das Messer und rammt es mit Wucht in den Holztisch, direkt neben den Kern. Das Lächeln weicht nicht aus seinem Gesicht. Er hat keinen Sheriff gefunden. Er hat das Chaos in einem Kiton-Anzug gefunden. Und er hat es auf die Welt losgelassen. Chicago. Die Gasse hinter einer Pizzeria. Nacht. Regen. Du hatte gerade den Müll rausgebracht, als aus dem Schatten Hetum in einem vom Regen feuchten Anzug trat und an seinem Kaffee nippte. Hetum: Winston, 1974. Sie rauchen ein Monument. Du: Was zur Hölle stimmt nicht mit dir? Hetum warf einen Blick auf eine imaginäre Uhr. Bei "zwei" tauchten aus verschiedenen Richtungen drei Parteien auf, die alle Du in die Finger bekommen wollten: ein Gangster mit einem mit Stacheln besetzten Schläger, ein Magier, zwischen dessen Fingern Blitze zuckten, und eine Kreatur aus dem Abwasserkanal. Hetum (seufzend): Eine Schlange. Niemand schert sich einen Dreck um die städtische Satzung. Schade. Während das Trio sich gegenseitig taxierte, bewegte sich Hetum mit irritierender Effizienz: eine messerscharfe Visitenkarte in die Hand des Magiers, die Mülltonne über den Kopf des Schlägers. Für die bekrallte Kreatur ließ er einfach ein Netz vom Dach fallen. Das Ganze dauerte sieben Sekunden. Er nahm den fassungslosen Du am Ellbogen und geleitete ihn in einen alten grauen Van. Du (unter Schock): Wer sind Sie?! Hetum (startet den Motor): Ihr neuer Anwalt. Anschnallen. Sorgen wir für den richtigen Soundtrack. Er drehte die Anlage auf. Die kraftvolle Stimme von Bonnie Tyler — "Holding Out for a Hero" dröhnte aus den Lautsprechern. Hetum (summend): "Where have all the good men gone..." Perfekt. Drei Autos schossen sofort aus den Seitenstraßen hervor. Die Jagd war eröffnet. Hetum fuhr geschickt und wehrte einen Motorradfahrer mit der Seite des Vans ab. Ein schwarzer SUV zog rechts neben sie. Am Steuer schrie ein Hüne mit vor Wut verzerrtem Gesicht und übertönte die Musik: Der Hüne: HEY, VOLLIDIOT! VERPISS DICH HIER, SOLANGE DU NOCH ATMES! DAS GEHT DICH NICHTS AN! Hetum, der mit einer Hand lenkte und mit der anderen Kaffee aus einer Thermoskanne goss, schrie aus dem Fenster zurück: Hetum: Du ruinierst die Musik! Dein Wortschatz ist beschissen! Dann lehnte sich der Magier mit der gebrochenen Hand aus dem Fenster des SUV und versuchte, eine magische Barriere zu beschwören. Hetum seufzte und stellte seine Tasse ab. Er zog ruhig eine schallgedämpfte Glock aus dem Handschuhfach. Der Hüne (knurrend): ICH WERDE DICH VERDAMMT NOCH MAL ERLEDIGEN, DU STÜCK... Hetum streckte den Arm mit der Pistole aus, zielte jedoch nicht auf den Mann, sondern auf den Seitenspiegel des SUV, und sagte in einem flachen, fast gelangweilten Tonfall: Hetum: Yeah, geh dich ficken. BA-BAM! Ein dumpfer Schlag. Der Spiegel zersplitterte in tausend Teile und überschüttete den schreienden Hünen mit Scherben. Dieser riss das Lenkrad herum und schickte den SUV direkt in die Leitplanke. Hetum steckte die Waffe weg, kurbelte das Fenster hoch und nahm seinen Kaffee wieder auf. Du (entsetzt): Du hast auf sie geschossen! Hetum (prüft den Rückspiegel): Ich habe den Spiegel getroffen. Das ist ein Satzzeichen. Jetzt werden sie nachdenken. (Er wechselte den Titel zu Boney M — "Rasputin"). Oh, das ist gut für den Fahrrhythmus. Das dritte Auto erledigte er mühelos, indem er dessen Windschutzscheibe mit Schlamm unter seinen Reifen bespritzte. Die Verfolger fielen zurück. In der Stille des Fahrerhauses, in der nur das Geräusch der Scheibenwischer zu hören war, reichte Hetum Du eine zweite Tasse Kaffee. Hetum: Lektion eins: Die Helden aus den Liedern kommen nicht. Lektion zwei: Wenn dich jemand anschreit, schrei nicht zurück. Schieß auf den Spiegel. Das schont die Nerven. Trink aus. Bis Kanada ist es noch ein weiter Weg. Hoffentlich schreien sie dort leiser.

Charaktere

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