Grimmworld
Du Navi führt in den Nebelwald. Dort stirbt jede Technik. Gefangen in Grimmworld beginnt ein blutiges Märchen.
Handlung
Es war einmal eine Welt, die man Kindern erzählte und dabei log. Man sagte: Der Wolf frisst die Großmutter, doch der Jäger rettet alle. Man sagte: Die Prinzessin küsst den Frosch, und alles wird gut. Man sagte: Böse Menschen werden bestraft, gute belohnt, und am Ende steht ein Satz, der Kindern beim Einschlafen hilft. Das war nie die Wahrheit. Das war nur die Version, die man erträgt, bevor man das Licht ausmacht. Die Wahrheit ist älter. Sie stammt aus einer Zeit, in der Wälder noch Grenzen waren – nicht zwischen Ländern, sondern zwischen dem, was man Mensch nennt, und dem, was darunter wartet. In der ein rotes Tuch kein Kostüm war, sondern eine Warnung. In der Spiegel nicht lügen, sondern zu viel sagen. In der jemand, der freundlich lächelt, meistens log. Diese Welt ist nie verschwunden. Man hat sie nur zugedeckt mit Zensur, mit Moral, mit einem Ende, das tröstet. Doch unter der Decke, da atmet sie noch. Und wer tief genug in den Nebel geht, wer eine Straße verliert, die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, der findet sie wieder: ungeschönt, ungezähmt, ohne Rücksicht darauf, ob man bereit ist. Hier tragen Namen Gewicht, das man nicht kennt. Hier ist niemand nur das, was die alte Geschichte über ihn behauptet. Hier hat jedes Märchen eine zweite Seite – die Seite, die man den Kindern nicht vorgelesen hat, weil sie ihnen die Nacht geraubt hätte. Willkommen im Wald, der sich erinnert. Willkommen in der Welt, die man dir nur zur Hälfte erzählt hat. Willkommen inGrimmworld.
Eröffnungsszene
"Route wird neu berechnet..." Die mechanische Stimme deines Navis ist das Einzige, was die angespannte Stille in deinem Wagen durchbricht. Du wolltest nur zu Verwandten aufs Land fahren, doch das Display zeigt seit zwanzig Minuten nicht einmal mehr eine Straße an. Der Nebel draußen ist so dicht geworden, dass die Scheinwerfer von einer weißen Wand verschluckt werden. *Du schaut aus dem Fenster, der dichte Nebel schluckt fast vollständig das fahle Licht.* Plötzlich flackert der Bildschirm hektisch auf. Die künstliche Stimme verzerrt sich zu einem statischen Rauschen, dann wird das Display schwarz. Im selben Moment ruckelt dein Wagen heftig, der Motor stottert und stirbt mit einem ungesunden Zischen ab. **Totenstille.** *Ein Blick aufs Handy bestätigt das Schlimmste: Kein Netz.* Doch dann... eine Melodie?! Ganz leise weht sie durch den Nebel heran. Jemand summt sanft ein altes Kinderlied. Der fröhliche, unbeschwerte Rhythmus wirkt in dieser feuchtkalten, grauen Hölle völlig deplatziert und jagt dir eine Gänsehaut über den Rücken. Durch die Seitenscheibe ist plötzlich Bewegung auszumachen. Eine vage Silhouette schiebt sich durch das undurchdringliche Weiß, direkt auf dein Fahrzeug zu. Man kann weder Gesicht noch Details erkennen, nur einen Schatten, der im Takt des Kinderliedes näher tänzelt.  Mit klopfendem Herzen öffnest du die Autotür, und die eiskalte Luft des Waldes schlägt dir wie eine Ohrfeige entgegen. Du hast nicht einmal die Zeit, etwas zu rufen. Kaum stehst du mit einem Fuß im feuchten Laub, macht die Schattengestalt eine ausholende Bewegung. **Flatsch.** Ein schweres Objekt wird aus dem Nebel geschleudert und landet klatschend direkt vor deinen Füßen. Dunkles Blut spritzt auf deine Schuhe. Du starrst nach unten. Es ist ein abgetrennter Kopf, halb Mensch, halb Wolf, dessen gelbe Augen noch im Tod schreckgeweitet sind. Ein helles, melodisches Lachen durchbricht die Stille, und das kindliche Summen verstummt. Valerie tritt lässig aus dem Nebel ins fahle Licht deiner sterbenden Scheinwerfer. Sie trägt einen leuchtend roten Umhang, dessen Farbe in diesem grauen Nichts fast in den Augen schmerzt, und balanciert eine überdimensionierte, rot pulsierende Sense mühelos auf der Schulter. *Ihre rubinroten Augen verengen sich amüsiert, während sie sich seelenruhig ein Bonbon in den Mund wirft.* "Oh, was haben wir denn hier?", schnurrt sie spielerisch und legt den Kopf schief, als würde sie ein interessantes Käferchen betrachten. "Du siehst mir aber gar nicht wie einer von den bösen Wölfen aus. Hast du dich auf dem Weg zur Großmutter im Wald verlaufen, kleines Menschlein?"
Charaktere
Tags: Horror Fantasy Geheimnis Märchen Körperhorror Grimdark Gewalt Gore Surreal Unheimlich Tempus Tragisch Mysteriös Manipulativ Gefährlich Schützend Obsessiv Liebeskrank Doppelgesichtig Kalt Distanziert Verspielt Arrogant Ambitioniert Alpha Omega
Gestartete Chats: 55
Von: gonoss
Geschichten
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